biografisches schreiben und listen als form der selbstbefragung

manchmal häufen sich so viele dringlichkeiten an, dass man sich nicht entscheiden kann, welche man als erstes erledigen soll. versucht man alle gleichzeitig anzupacken, stellt man schnell fest, dass dies zwar gut gemeint ist aber gern im chaos endet. also setzt man sich hin, stellt eine liste auf und sucht nach kriterien der unterscheidung der dringlichkeiten. so kann man dann zwischen „super dringend“, „ganz dringend“, „dringend“, „nicht ganz so dringend“… eine rangfolge erstellen. es können natürlich auch ganz andere kriterien gewählt werden, z.b. „am wenigsten aufwand“, „wenig aufwand“, „geringer aufwand“… .

diese vorgehensweise ist nicht selten der versuch, sich selbst zu „überlisten“, also eine ordnung zu schaffen, die einem das gefühl gibt, alles im griff zu haben. ähnlich sind auch die ganzen listen gemeint, die so durch presse, wissenschaft oder behörden geistern. ordnung und kontrolle. das ranking liegt seit zwei jahrzehnten im trend. angefangen bei den größten arbeitgebern, den besten ärzten, den beliebtesten kitas oder den „in“- und „out“-listen. es scheint, wie wenn dies der versuch sei, das unübersichtliche, und inzwischen auch immer unübersichtler werdende leben, sich wieder an zu eignen.

doch listen können noch eine andere rolle übernehmen. sie können einen helfen, sich selbst zu vergegenwärtigen, welcher sache, welchem gedanken man welche priorität gibt. die liste kann eine form der selbstbefragung sein, die nur mehr aufschluss über die eigene haltung, die eigenen erfahrungen geben soll. natürlich schimmer auch in diesem moment ein aspekt des kontrollierens, des ordnens durch. aber die listen zu meiner vergangenheit und gegenwart erstelle ich meist nur für mich. so kann man sich fragen, wer denn im eigenen leben die besten und wichtigsten freunde waren? oder welches erlebnis war für einen am traumatischsten? die liste wird zu einer form der selbstbefragung.

und die liste kann als vorbereitung oder unterstützung des biografischen schreibens verwendet werden, wie auch die selbstbefragung. ich möchte mir vor augen führen, welches eigentlich die ausgeflipptesten momente meines lebens waren. also erstelle ich eine liste der momente, die ich als ausgeflippt in erinnerung habe. zum einen werden mir beim erstellen der liste bestimmt immer mehr ereignisse einfallen, die ich ganz vergessen hatte aber als aufgeflippt einstufen würde. zum anderen werte ich die qualität der ereignisse und bringe sie in eine qualitative reihenfolge. so kann mir das beim schreiben der eigenen lebensgeschichte die entscheidung erleichtern, welches ereignis ich denn schildern möchte.

ein weiterer vorteil von listen als selbstbefragung ist es, dass sie jederzeit verändert werden können. so wie oben beschrieben, kann ich entweder neue kriterien für die reihenfolge der liste finden oder ich kann neue erkenntnisse hinzufügen, andere gelistete dinge wieder entfernen. ich kann also jederzeit listen umstellen. die liste wird zum ausdruck meiner erinnerungen und meiner wertungen. und doch verschafft mir eine liste einen überblick, den ich bei purem brainstorming, wenn alle daten gleichberechtigt nebeneinander stehen, nicht unbedingt habe.

in zukunft wird es in diesem blog vorschläge für listen geben. vielleicht fallen leserInnen zusätzliche listen ein. ich werde sie gern veröffentlichen.

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Eine Antwort zu “biografisches schreiben und listen als form der selbstbefragung

  1. Hallo,
    ich finde, dass ist eine großartige Idee. Ich brauche mittlerweile schon To Do Listen für meine To Do Listen, aber eine Liste zur Selbsreflexion anzulegen, darauf wäre ich nie gekommen!
    Danke für die Idee!

    LG

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