biografisches schreiben und freiheit

freiheit ist ein weiter begriff. es gibt keine eindeutigen und klaren definitionen, was denn unter freiheit zu verstehen ist. außerdem ist zu unterscheiden zwischen gesellschaftlichen voraussetzungen, die freiheiten zulassen, und dem persönlichen denken, wie frei man sich fühlt. denn selbst in gesellschaften, die eine menge freiheiten geben, kann der einzelne das gefühl haben, eingeengt und fremdbestimmt zu sein.

zur subjektiven vorstellung von freiheit gehört eben die lebensgeschichte. welche erfahrungen von freiheit habe ich denn im laufe meiner lebens gemacht? wie weit wurde mir vermittelt, dass ich über viele aspekte meines lebens selbst bestimmen kann? durfte ich als kind die erfahrung relativer freiheit machen? bin ich menschen begegnet, die ein leben abseits vieler konventionen und regeln führten, und beeindruckten mich die menschen?

der mensch ist ein zwiespältiges wesen. zum einen strebt er hohe freiheitsgrade an, wenn sie ihm möglich erscheinen. doch er möchte nicht allein in der welt stehen. so kann eine vielzahl von entscheidungsoptionen auch angst verursachen. die wortwörtliche „qual der wahl“ kommt hier zum tragen. nicht selten fehlen anhaltspunkte ob derer entscheidungen getroffen werden können. so begrüssen viele eine struktur, die ihnen vermittelt und vorgegeben ist. andere wiederum gestalten ihre freiheit auf kosten weiterer mitmenschen. und generell bleiben wir soziale wesen, die auf kontakt zu anderen menschen angewiesen sind. so ist freiheit ohne lebensgeschichte und kontext nicht benennbar.

das biografische schreiben bietet hier eine gute möglichkeit, sich seinem eigenen, ganz persönlichen freiheitsbegriff anzunähern. man kann sich beim notieren der eigenen lebensgeschichte fragen: in welchen momenten fühlte ich mich zu sehr eingeschränkt? wann habe ich mich eventuell selber eingeschränkt? habe ich inzwischen eine form für mich gefunden, die vielen meiner bedürfnisse nahe kommt und die mir viele selbstständige entscheidungen ermöglicht?

da biografisches schreiben nicht nur im rentenalter sinn machen muss, sondern altersunabhängig die annäherung an die eigenen lebensgeschichte und die eigene person bedeuten kann, kann das schreiben zur selbstvergewisserung über die eigenen ziele beitragen. denn die anschlussfragen können lauten: was möchte ich in zukunft tun, um meine persönlichen freiheitsgrade zu erhöhen? muss ich mit sanktionen rechnen, wenn ich mein leben so führe, wie es mir gefällt? oder sollte ich mich um eine stärkere einbindung in strukturen bemühen? letztendlich bietet das biografische schreiben die möglichkeit, sich seiner weiteren ziele bewusster zu werden. und dann schlägt man vielleicht den weg des hofnarren ein, der sich konventionen entzieht und dadurch am rande der sozialen und gesellschaftlichen reglements für sich viele freiheiten verwirklichen kann. allein das schreiben der eigenen lebensgeschichte ist für viele schon ein freistrampeln von bisherigen vorstellungen.

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