Tagesarchiv: 15. Oktober 2010

schreibidee (183)

der herbst ist ein abschied vom grün, von der wärmenden sonne und vom quirligen leben für beinahe ein halbes jahr. menschen werden griesgrämiger, häuslicher und ihre kleidung erdfarben oder dunkel. was könnte in diese jahreszeit besser passen, als texte und geschichten zu verfassen, die mit abschied zu tun haben. ob es nun um den tod, eine trennung, eine lange reise oder das ende eines gemeinsamen wochenendes in einer wochenendbeziehung geht, in all diesen situationen nehmen menschen von einander abschied. darum schlägt die schreibidee dieses mal das verfassen von „abschiedstexten“ vor.

als einstieg werden dieses mal in der schreibgruppe an einem flipchart oder auf einer tafel abschiedsformeln gesammelt. zum beispiel „tschau babe“, „und tschüss“, „ade“ oder „auf wiedersehen“ am ortsausgang 😉 die teilnehmerInnen wählen sich eine verabschiedung aus und schreiben dazu ein freewriting. dann greifen sie den für sie ansprechendsten satz aus dem freewriting auf und schreiben eine geschichte dazu. die geschichten werden in der schreibgruppe ohne feedback vorgetragen.

als nächstes erstellen alle schreibgruppenteilnehmerInnen eine liste von abschieden, die sie in letzter zeit erlebt haben. und sie verfassen eine liste von abschieden, die sie gern vornehmen würden. aus diesen listen greifen sie einen punkt heraus und schreiben einen abschiedsbrief dazu. dies kann also posthum geschehen oder schon vorausschauend formuliert werden. die abschiedsbriefe werden anschließend in der schreibgruppe vorgetragen. beim feedback liegt dieses mal der fokus auf der frage, wie berührend der abschied formuliert wurde.

zum abschluss werden von allen teilnehmerInnen noch einmal alle bisherigen texte und listen betrachtet, um anschließend eine abschiedsgeschichte der absurden art zu schreiben. absurd soll heißen, dass zum beispiel abschiede vom fussabtreter vor der wohnungstür vorgenommen werden, oder abschiede von den schulbüchern nach der schulzeit, von der verblühten blume in der vase und dergleichen mehr. man kann sich ja von allem verabschieden, auch von sich selbst, wenn man für einen tag mal die schnauze voll hat 😀 Die Geschichten werden in der Schreibgruppe vorgelesen und es gibt ein Feedback durch die Gruppe.

selbstbefragung (60) – arroganz

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um „arroganz„.

  • nennen sie drei personen aus ihrem umfeld, die sie arrogant finden. warum?
  • wo liegt für sie der unterschied zwischen arroganz und gewachsener größe? beschreiben sie.
  • viele menschen machen sich lieber klein als ihre größe zu zeigen. wie würden sie sich selbst einschätzen?
  • haben sie sich schon einmal selbst überschätzt? bei was?
  • wer zeigt ihnen auf, wenn sie gefahr laufen, sich selbst zu überschätzen? wie?
  • traut sich ihr umfeld, ihnen zu sagen, wenn sie fehler machen? wieso? und wie reagieren sie in diesen momenten?
  • wem würden sie direkt sagen, dass er / sie sich selbst überschätzt? zählen sie auf.
  • in welchen situationen sind sie gern arrogant? beschreiben sie.
  • wo sehen sie ihre wahre größe?
  • arroganz wertet andere menschen ab. was glauben sie, warum das überhaupt geschieht?

„als hitler das rosa kaninchen stahl“ von judith kerr – ein buchtipp

es gibt jugendbücher und jugendbücher. durch die einen huschen vampire und zauberer, die anderen basieren auf realen ereignissen, arbeiten historie auf und haben einen biografischen charakter. schon 1974 wurde der deutsche jugendbuchpreis an judith kerr für ihr buch „als hitler das rosa kaninchen stahl“ ausgezeichnet. es ist teil einer trilogie, die judith kerr als romane für jugendliche über die flucht mit ihren eltern vor den nazis verfasste.

das buch führe ich als gelungenes beispiel für die verankerung von „erinnerungsgegenständen“ in geschichten oder eben autobiografischen romanen hier an. das rosa kaninchen spielt nicht die hauptrolle in dem roman, aber es ist ein symbol für die kinder, die mit ihren eltern in die schweiz fliehen mussten. ein symbol für die flucht, das zurücklassen der vertrauten welt und der gegenstand hat eine enorme bedeutung, eventuell auch für die autorin, obwohl es sich um einen roman handelt, also auch ein fantasieprodukt.

interessant ist das buch aber noch aus einem anderen grund: hier wird die flucht einer jüdischen familie vor den nazis aus der sicht von kindern geschildert. dabei werden die ereignisse erst stück für stück von den kindern verstanden. das buch zeigt ganz gut, wie schwer die welt der erwachsenen zu verstehen ist, dass kinder eine flucht, eine politische verfolgung ganz anders erleben und sich die welt ihrer eltern erst stück für stück erschließen. doch dass etwas dramatisches geschehen ist, ist ihnen von anfang an bewusst. dies kristallisiert sich auch an dem zurückgelassenen kaninchen heraus. das kaninchen symbolisiert den überstürzten aufbruch.

ein buch, das man auch heute noch jugendlichen empfehlen kann, wenn sie einen einblick in die lebenrealität von verfolgten juden aus kindersicht erhalten möchten. es ist beim ravensburger verlag als taschenbuch erschienen. ISBN 978-3-473-58003-3