Tagesarchiv: 17. Oktober 2010

biografisches schreiben und loslassen

beim biografischen schreiben bekommt „das loslassen“ eine ganz andere bedeutung. natürlich geht es auch beim schreibprozess zur eigenen lebensgeschichte darum, die texte und geschichten loszulassen. doch hier steht diese entscheidung nicht im vordergrund, da oft nur für sich selber geschrieben wird, ganz klar ist, dass die intimsten details des eigenen lebens nicht für andere bestimmt sind.

bei aufschreiben der eigenen biografie stellt sich eher die frage, wann musste man was oder wen in seinem leben loslassen? eine frage, die meist nicht leicht fällt, ebenso wie das damalige loslassen schwer fiel. allein der begriff „loslassen“ beinhaltet ja schon, dass man etwas festhält. ursache scheint das festhalten an vorstellungen zu sein, die man während der eigenen entwicklung irgendwann über den haufen wirft. dabei kann es die vorstellung eines lebensziels sein oder die vorstellung von einer beziehung zu einem bestimmten menschen. es kann aber auch die idee sein, dass gerade alles ganz in ordnung ist und sich nichts ändern sollte.

aber das leben an sich ist tückisch und basiert auf dem prinzip des kommen und gehens. da der mensch fähig ist, darüber zu reflektieren, kann die erkenntnis darüber (zum beispiel beim tod eines geliebten menschen) eine erschreckende sein. Weiterlesen

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kreatives schreiben und loslassen

ein paar mal drüber gelesen, schreibfehler korrigiert, abschnitte verschoben und sätze gestrichen. die geschichte, der text scheint lesbar und unterhaltsam. also, ab in die öffentlichkeit damit. entweder wird vorgelesen, ins internet gestellt oder gedruckt, verschickt, verlegt. das eigene kreative produkt muss in diesem moment losgelassen werden. ein schwieriger prozess für viele schreibenden.

es ergeben sich in der schlussphase gern fragen, die man eigentlich nicht beantworten kann: kommt das geschrieben bei den leserInnen so an, wie ich mir das vorgestellt habe? erklingt beim lesen eine melodie, die ich zu erreichen versuchte? was machen „die anderen“ daraus? habe ich wirklich mein bestes gegeben? könnnte man nicht noch den einen absatz an einer anderen stelle einfügen? vielleicht sollte ich den ganzen text verwerfen, wen interessiert schon, was ich über den alltag denke? ist das nicht alles viel zu konstruiert?

keiner gibt einem eine antwort auf die fragen, bevor der text nicht das licht der öffentlichkeit erblickt hat. da spielt es selten eine rolle, ob die geschichte nur wenigen übergeben oder einer weltöffentlichkeit vorgestellt wird. das gefühl sich plötzlich preiszugeben, persönliches öffentlich zu machen, wird nicht so schnell verschwinden. gleichzeitig keimt die hoffnung auf, eine schnelle, anerkennende reaktion zu erhalten. doch „die anderen“ lassen auf sich warten. wahrscheinlich lesen sie es gar nicht?

in diesen momenten ist der zeitpunkt gekommen, die eigenen produkte loszulassen. sich daran zu erinnern, dass nicht das leben und die welt von dem einen text abhängt. es gibt immer die möglichkeit, die rückmeldungen aufzugreifen, etwas neues zu kreieren. doch der gedanke erscheint in diesen momenten undenkbar. man hat sein bestes gegeben und kann sich nicht vorstellen dies noch einmal zu tun.

eigentlich ist die entscheidung schon längst gefallen: die geschichte wurde der welt übergeben, jetzt müsste man es nur selber glauben. Weiterlesen