kreatives schreiben und loslassen

ein paar mal drüber gelesen, schreibfehler korrigiert, abschnitte verschoben und sätze gestrichen. die geschichte, der text scheint lesbar und unterhaltsam. also, ab in die öffentlichkeit damit. entweder wird vorgelesen, ins internet gestellt oder gedruckt, verschickt, verlegt. das eigene kreative produkt muss in diesem moment losgelassen werden. ein schwieriger prozess für viele schreibenden.

es ergeben sich in der schlussphase gern fragen, die man eigentlich nicht beantworten kann: kommt das geschrieben bei den leserInnen so an, wie ich mir das vorgestellt habe? erklingt beim lesen eine melodie, die ich zu erreichen versuchte? was machen „die anderen“ daraus? habe ich wirklich mein bestes gegeben? könnnte man nicht noch den einen absatz an einer anderen stelle einfügen? vielleicht sollte ich den ganzen text verwerfen, wen interessiert schon, was ich über den alltag denke? ist das nicht alles viel zu konstruiert?

keiner gibt einem eine antwort auf die fragen, bevor der text nicht das licht der öffentlichkeit erblickt hat. da spielt es selten eine rolle, ob die geschichte nur wenigen übergeben oder einer weltöffentlichkeit vorgestellt wird. das gefühl sich plötzlich preiszugeben, persönliches öffentlich zu machen, wird nicht so schnell verschwinden. gleichzeitig keimt die hoffnung auf, eine schnelle, anerkennende reaktion zu erhalten. doch „die anderen“ lassen auf sich warten. wahrscheinlich lesen sie es gar nicht?

in diesen momenten ist der zeitpunkt gekommen, die eigenen produkte loszulassen. sich daran zu erinnern, dass nicht das leben und die welt von dem einen text abhängt. es gibt immer die möglichkeit, die rückmeldungen aufzugreifen, etwas neues zu kreieren. doch der gedanke erscheint in diesen momenten undenkbar. man hat sein bestes gegeben und kann sich nicht vorstellen dies noch einmal zu tun.

eigentlich ist die entscheidung schon längst gefallen: die geschichte wurde der welt übergeben, jetzt müsste man es nur selber glauben. es gibt kein zurück mehr. geschehen ist geschehen. und eigentlich bohren sich schon längst neue ideen, kreative gedanken durch die kopfspulen, um neues aufzuschreiben. das loslassen eigener kreativer produkte gelingt wahrscheinlich leichter, wenn man sich schon auf neues eingelassen hat. man hat längst den blickwinkel auf ein weiteres projekt verschoben. filme haben da den vorteil, dass sie noch geschnitten und kopiert werden müssen: bis sie erscheinen, kann man sich kaum noch an den schaffensprozess erinnern. aber die modernen kommunikationsmittel verkürzen die zeit zwischen dem kreativen schreibprozess und der veröffentlichung. es besteht die möglichkeit, weiterhin in der gedankenschleife der produktion zu hängen.

kreatives schreiben und loslassen gelingen vielleicht leichter, wenn man pausen zwischen dem schreiben und der veröffentlichung einschiebt, sich in der zwischenzeit anderem zuwendet. einzige gefahr: später kann man sein fertiges produkt lächerlich finden. doch diese gefahr besteht auch, wenn man etwas überarbeitet. hier gibt es nur eine einzige lösung: den mut, sich preiszugeben, auch auf die gefahr hin, lächerlich zu wirken.

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