schreibpädagogik und loslassen

irgendwann endet jede schreibgruppe. manche nach einer klar umrissenen zeitdauer (von einem nachmittag bis zu mehreren monaten), andere enden erst nach jahren, wenn die gruppe sich selber auflöst. da sich im laufe der kurzen oder langen zeit, die teilnehmerInnen der gruppen über ihre texte, ihre feedbacks und ihre gemeinsame kreativität ein ganzes stück näher gekommen sind, fällt der abschied voneinander nicht immer leicht.

meist dienen schreibgruppen nicht nur dem zweck gemeinsam etwas zu verfassen, sondern sie sind für viele auch eine auszeit vom alltag und vom stress. es ist wie in urlaub fahren, sich gedanklich allem drängenden zu entziehen. das bedeutet oft genug, dass sich die menschen auf ganz anderen ebenen als üblich annähern können. sie hören persönliches in den geschichten und texten voneinander. es entstehen schnell bindungen, die ebenso schnell wieder aufgelöst werden.

das phänomen, dass sich die teilnehmerInnen versprechen, nach den gruppen weiter kontakt miteinander zu halten, ist der versuch, nicht sofort die gemachten erfahrungen loslassen zu müssen. meist funktioniert das aufrechterhalten des kontakts nicht. aber im moment des auseinandergehens spielt das keine rolle. und natürlich können einzelne kontakte intensiv aufrecht erhalten werden.

doch man erinnere sich nur einmal, wie intensiv die kontakte nach 10 oder 13 gemeinsamen schuljahren blieben. vereinzelt ja, aber viele ehemalige mitschülerInnen sieht man nur bei klassentreffen, jahre später wieder. und wie sehr hatte man sich geschworen, nicht den kontakt zu verlieren. dies hier notierte soll nicht die gute absicht in frage stellen. aber es ist auch eine realität, dass einen der alltag meist (wie nach dem urlaub) sehr schnell wieder einholt. natürlich bleiben erinnerungen an eine intensive zeit in den schreibgruppen und sicherlich können die erlebnisse einfluss auf den zukünftigen alltag haben.

doch damit ist für leiterInnen von schreibgruppen der weg, das loslassen von der schreibgruppe ein wenig zu erleichtern, vorgezeichnet. eigentlich bieten sich zwei möglichkeiten an: zum einen den abschied zu thematisieren und raum für verabschiedungen zu geben. zum anderen raum zu schaffen, der weiteren kontakt ermöglicht, auch nach der schreibgruppe. man kann also abschiedstexte, letzte worte aneinander oder ein resümee ziehen lassen. oder man kann einen stammtisch, eine leserunde oder eine internetplattform initiieren, die von den gruppenteilnehmerInnen genutzt und verwaltet werden.

und dann können aus leiterInnen von schreibgruppen nur loslassen. denn eines wird bei der betrachtung von fortbildungen oder gruppentreffen gern außer acht gelassen, auch gruppenleiterInnen müssen loslassen. auch professionelle bauen immer wieder kontakte auf, stellen bindungen her und lassen sich auf intensive phasen ein. und selbst beim hundertsten mal gruppenleitung war es eine ganz neue erfahrung, eine neue gruppe mit ganz anderen teilnehmerInnen. schlichter formuliert: nach einer gruppenleitung muss man sich immer ein wenig wieder runterbringen und abstand zum geschehen gewinnen.

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