biografisches schreiben und unterschiede

das leben in seiner vielfalt sorgt dafür, dass keine lebensgeschichte eines menschen der anderen gleicht. dies macht zum einen unser leben so bunt zum anderen aber auch beinahe unergründlich. wenn zwei menschen sich begegnen, versuchen sie meist relativ schnell (wenn sie ein wenig miteinander zu tun haben wollen), herauszufinden, welche gemeinsamkeiten sie haben.

zwei menschen, die überhaupt keine gemeinsamkeiten haben, werden sich mit großer wahrscheinlichkeit nicht sehr viel zu sagen haben. denn irgendwann erreichen sie den punkt, an dem eine verständigung nicht mehr möglich ist. und so stellt es sich oft heraus, dass die lebensgeschichten zwar verschieden sind, aber doch viele ähnlichkeiten aufweisen. das macht autobiografien und biografien ja so spannend: den anderen menschen und sein leben in bezug zu sich selber setzen zu können. dabei kann die geschichte des anderen entweder beruhigend sein, nach dem motto: „sieh mal, es geht auch noch anderen so“, oder aber vorbildfunktion haben: „ich möchte mein leben auch so gestalten“.

wie schon beim kreativen schreiben und den unterschieden festgestellt, versuchen wir menschen, eine gewisse ordnung in unsere begegnungen und in unseren alltag zu bekommen. bei biografien können wir das nicht groß beeinflussen, aber wir können verbindungen herstellen und gemeinsamkeiten herausarbeiten. dies beruhigt das zusammenleben ein wenig. wir sind uns nicht völlig fremd, wenn wir uns begegnen, ja wir können uns sogar bei den anderen aufgehoben fühlen.

da gibt es zwei sprüche: „gleich und gleich gesellt sich gern“ und „man hätte gern immer das, was man selber nicht hat“. sie stellen den widerspruch im zusammenleben mit sich von uns unerscheidenden menschen dar. wir werden uns also zum einen in bekannten zusammenhängen beruhigen, aber in von uns unterschiedlichen situationen anregen lassen. so ist es auch ein teil der lebensgeschichten, immer wieder zu schauen, welche art des kontakts zu bestimmten zeiten den vorrang hatte. da kann es zum beispiel vorkommen, dass in sehr autoritären gesellschaften, menschen eng zusammenrücken, die eigentlich unterschiedliche interessen haben. dagegen differenzieren sich in relativ freien gesellschaften, wie der unsrigen, die lebensgemeinschaften und szenen immer feiner aus.

einzig wichtig erscheint mir im biografischen schreiben, wenn die eigene lebenswelt und unterschiedlichkeit zu den anderen beschrieben wird, dass man anderen zugesteht, bei ihren handlungen und verhaltensweisen unterschiedlich zu einem selber vorzugehen. immer vorausgesetzt, dass sie nicht weiteren menschen schaden. das biografische schreiben verleitet zum vergleich verschiedener lebensgeschichten. es sollte nicht dazu verleiten, andere abzuqualifizieren oder in mitleid ihnen gegenüber zu versinken. denn dann kann biografisches schreiben ein genuss sein, sich in beziehung zu anderen menschen zu setzen. es ist wie eine kleine entdeckungsreise auf andere kontinente.

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