Tagesarchiv: 3. November 2010

schreibidee (186)

auch ohne personalausweis, egal ob alt oder neu, stellen wir fest, wenn wir uns gegenseitig betrachten oder vergleichen, dass wir unterschiedlich sind. nur bei eineiigen zwillingen könnte es schwierig werden, einen unterschied zu finden. doch auf welche unterschiede sollte man sich konzentrieren? das ist von der situation abhängig, von der geschichte oder vom betrachter. diverse veränderungen sollen bei dieser schreibidee und den zu verfassenden „unterscheidungstexten“ vorgenommen werden.

als einstieg eine schlichte übung. alle teilnehmerInnen erstellen einen charakter, eine person. sie beschreiben sie in einem kurzen halbseitigen text. anschließend ändern sie an der person ein detail und beschreiben sie noch einmal auf einem halbseitigen text. da es sich um keinen steckbrief handelt, kann die beschreibung also etwas blumiger ausfallen. nun wird einer der beiden charaktere genommen und eine zweiseitige geschichte, in der die charaktereigenschaften zum vorschein kommen geschrieben.

anschließend wird in der handlung der geschichte ein detail geändert. dieses geänderte detail sollte in der folge den gesamten verlauf der handlung verändern (man erinnere sich an die filme „smoking“ und „no smoking“, deren verlauf durch eine gerauchte und eine nicht gerauchte zigarette veränderte). anschließend tragen die schreibgruppenteilnehmerInnen ihre beiden unterscheidungstexte vor. anstatt eines feedbacks legt die schreibgruppe fest, welches detail in den jeweiligen geschichten noch geändert werden soll. das kann eine handlung, eine charaktereigenschaft des hauptakteurs in der geschichte oder auch ein gegenstand sein.

zum abschluss wird die geschichte noch drittes mal geschrieben, nun mit dem vorgegebenen veränderten detail. auch diese änderung hat eine neue wende in der handlung zur folge. sollte noch zeit sein, kann die zuletzt geschilderte vorgehensweise abermals wiederholt werden. die dritte geschichte wird vorgetragen und die gruppe beschließt eine weitere veränderung. zum abschluss können die schreibenden ihre drei oder vier geschichten nebeneinander legen und festlegen, welche ihnen davon am besten gefällt.

wortklauberei (52)

„eine gute id“

kann mir mal jemand erklären, warum ich es eine gute idee finden soll, mich mit all meinen daten identifizieren zu müssen und zu können? ja, es ist ein possierlich wortspiel, das für den neuen personalausweis in tageszeitungen als anzeige geschaltet wurde. im originaltext geht es folgendermaßen weiter: „deutschland wird einfacher. der neue personalausweis ist nicht nur kleiner und passt in jede geldbörse. auch im internet ist er ein nützlicher begleiter.„.

das ist aber hübsch. da hat man über jahre versucht, die internetbesuche möglichst keimfrei zu halten. kein zugang ist so sicher, dass nicht persönliche daten abhanden kommen können. doch nun soll man behördengänge, bankbesuche und onlineshops mit der guten id versorgen. nützliche begleiter hat man im internet, ob man sie will oder nicht. ja, sie sollten sogar staatlich als trojaner auf den weg geschickt werden. da war deutschland schon ganz einfach (dabei).

und jetzt soll mir dies als „gute id“ verkauft werden. wer die anzeige geschaltet hat erschließt sich nicht ganz. doch am fusse der anzeige werden „partner“ genannt, die den personalausweis unterstützen. darunter befinden sich versicherungen, softwarehersteller und zum beispiel die schufa. allein dieses konglomerat aus datenliebhabern macht misstrauisch. doch noch misstrauischer macht die tatsache, dass es sich dabei um „partner“ handelt.

abseits der obigen fragen, warum ich die indentifikationkarte für eine gute idee halten sollte, weshalb ich im internet nützliche begleiter brauche, bleibt nun noch die frage, weshalb ein personalausweis unterstützer braucht. was soll mir hier verkauft werden? ach so, der preis für die neue staatliche kundenkarte ist vehement im gegensatz zum alten perso gestiegen.