Tagesarchiv: 4. November 2010

„warum?“ von nikolai popov – ein buchtipp

dieses buch enthält weder text noch erklärung, es ist ein bilderbuch. ein bilderbuch eher für erwachsene, das in schön gemalten ganzseitigen bildern versucht, die ursache für kriege zu finden. womit ich beim bezug zu den letzten posts bin. es liegt vielleicht nur im unterschied. ein kurzer abriss:

ein frosch sitzt mit einer blume auf eine ast. der frosch erfreut sich an der blume. eine maus kommt hinzu und möchte auch diese blume, obwohl drumherum lauter blumen der gleichen art wachsen. aber die maus hätte gern ausgerechnet diese blume, wahrscheinlich, da sie den frosch so erfreut. und weil es eben ein frosch ist, den die blume erfreut, also jemand anderes, keine maus. so kommt es zum kampf um die blume. und in der folge geht es gar nicht mehr um die blume, sondern um die gruppe, also frosch und maus holen sich unterstützung von anderen fröschen und mäusen. der schluss ist recht einfach, die blumenwiese ist verwüstet, die kontrahenten sind verletzt, der krieg ist irgendwann vorüber. und es bleibt die frage des titels: „warum?„.

nikolai popov hat ein schlichtes aber eindrückliches bilderbuch geschaffen. es könnte ohne probleme eine wunderbare schreibanregung für das thema unterschiede und konflikte in schreibgruppen sein, na ja und es könnte den blick für neid schärfen. das buch ist im neugebauer verlag 1995 in zürich, hamburg, salzburg erschienen und nur noch antiquarisch erhältlich. ISBN 3-85198-539-0

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schreibpädagogik und unterschiede

keine schreibgruppe ist wie die andere. keine schreibgruppenteilnehmerInnen sind wie die anderen. kein text gleicht dem anderen nach einer schreibübung. schreibgruppen sind immer ein ort der vielfalt. das bietet große vorteile, da man sich auf die leitung der gruppe zwar vorbereiten kann, aber eben nie den ablauf bis ins kleinste detail durchstrukturieren muss. es bietet aber auch den nachteil, dass in schreibgruppen neben dem vermittelten wissen und der anregung des schreibprozesses eine große portion sympathie oder antipathie eine rolle spielen.

für teilnehmerInnen von schreibgruppen ergeben sich auch vor- und nachteile. denn zum einen lernt man einen bunten mix an anderen menschen kennen, hört viele verschiedene texte und erhält dadurch weitere kreative anregungen. zum anderen könnte einem die klare struktur fehlen, die zum beispiel bei einem sprachkurs vorgegeben sind. es gibt beim kreativen schreiben keine richtigen oder falschen texte, selbst das werturteil gut oder schlecht lässt sich kaum begründen, außer mit dem subjektiven geschmack einzelner personen.

so ist der umgang mit schreibanregungen weiterhin ein sehr persönlicher und die entscheidung für das weitere vorgehen treffen die schreibgruppenteilnehmerInnen jeweils selber. zudem sind die unterschiede in schreibgruppen manchmal so groß, dass es nicht mehr kompatibel ist. in kreativen gruppen treten die unterschiede zwischen personen, ihren erwartungen und ihren schreibergebnissen offener zutage als in „gewöhnlichen“ fortbildungen.

denn in dem moment, in dem die eindeutigen wertmaßstäbe einfach nicht vorhanden sind, in dem moment sind die teilnehmerInnen gezwungen, ihre persönlichen wertmaßstäbe einzusetzen. und da ist es nicht verwunderlich, dass diese teilweise nicht vereinbar sind. Weiterlesen