Tagesarchiv: 10. November 2010

nabelschau (31)

spielverderber. wer kennt sie nicht? die asketen, die puritanisten, die bedenkenträger, all die menschen, die es in kurzer zeit schaffen, einem ein schlechtes gewissen zu machen. nicht dass man ihren lebensstil teilen würde, nicht dass man ihren bedenken zu viel raum geben würde. es ist ihre haltung, die sie zu spielverderbern macht.

nehmen wir einmal an, man befindet sich gerade in hochstimmung, man feiert, freut sich oder genießt die welt, wie sie sich einem eben präsentiert. die menschen um einen herum teilen die stimmung, da schiebt sich jemand vor einen, blickt einem vorwurfsvoll ins gesicht und erklärt, dass dies ja gerade gar nicht gehe. ob man denn nicht mitbekommen habe, dass zur zeit auf der welt so viel schlecht verlaufe? wie könne man in solchen momenten nur feiern und genießen? wo nehme man diese verdrängung der bedrohung der menschheit nur her?

man kann sich zwar über den bedenkenträger und mahner lustig machen, aber der stachel sitzt. ja, wie kann man nur so verantwortungslos sein und das leben genießen, obwohl leid und elend herrscht? um sich diese frage zu stellen, benötigt es keine globalisierung, damit all die katastrophen auf der welt näher rücken. schon früher genügte ein blick in die nächste umgebung, um festzustellen, es gibt viel schlimmes um einen herum.

asketen und puritanisten setzen noch eins drauf. sie gehen davon aus, dass man mit seinem genusssüchtigen und rücksichtslosen verhalten die ursache des ganzen elends ist. sie formulieren ihren vorwurf direkter, machen einen sündiger. ob nun schlechtes gewissen oder direkte anfeindung, man kann nicht mehr so gelassen weiter machen, wie man es bis dahin tat. der fluss der freude ist unterbrochen.

nichts anderes haben spielverderber im sinn. denn die diskussion, ob man wegen der weltlage tag und nacht in sack und asche durch die gegend laufen muss, hat man für sich selbst schon geklärt. gesellschaftskritik darf mit lebensfreude einhergehen. und es ist ein deutsches phänomen, dass engagement und politik immer mit leid und verzicht einhergehen müssen. aber spielverderber lassen einen nach der eigenen persönlichen entscheidung nicht in ruhe. Weiterlesen

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web 2.45 – tiny_tales

der versuch, ganze geschichten in einen satz zu bringen, war hier schon einmal eine schreibanregung. bei cnn gibt es auch die möglichkeit kurz-kurz-geschichten und -nachrichten loszuwerden. im letzten semester kamen studierende des studiengangs „biografisches und kreatives schreiben“ zum thema „schreiben am computer“ auf die idee, alle teilnehmerInnen des seminars einen text in twitter-größe zu schreiben (also mit 140 zeichen zu verfassen).

es ist erstaunlich, was man in diesen kurzen text für spannende stories packen kann. florian meimberg hat diesen versuch perfektioniert und man kann seine ergebnisse (die in großer regelmäßigkeit getwittert werden) auf seiner seite „tiny tales“. dafür gab es einen preis beim grimme-online-award.

warum also nicht in einer schreibgruppe, die durch die bank von handybesitzerInnen besucht wird, auf die eigene eingerichtete seite geschichten twittern lassen, die dann auch gleichzeitig die weltöffentlichkeit erreichen. das ist der schnellste weg einer eigenen veröffentlichung aus der schreibgruppe und schreibanregung heraus. die schönen ergebnisse von florian meimberg können dafür eine anregung sein. sie sind zu finden unter: http://twitter.com/tiny_tales sorry, der link war dann kurz falsch eingegeben, müsste nun klappen. viel spaß beim lesen und eigenen geschichten verfassen.