nabelschau (31)

spielverderber. wer kennt sie nicht? die asketen, die puritanisten, die bedenkenträger, all die menschen, die es in kurzer zeit schaffen, einem ein schlechtes gewissen zu machen. nicht dass man ihren lebensstil teilen würde, nicht dass man ihren bedenken zu viel raum geben würde. es ist ihre haltung, die sie zu spielverderbern macht.

nehmen wir einmal an, man befindet sich gerade in hochstimmung, man feiert, freut sich oder genießt die welt, wie sie sich einem eben präsentiert. die menschen um einen herum teilen die stimmung, da schiebt sich jemand vor einen, blickt einem vorwurfsvoll ins gesicht und erklärt, dass dies ja gerade gar nicht gehe. ob man denn nicht mitbekommen habe, dass zur zeit auf der welt so viel schlecht verlaufe? wie könne man in solchen momenten nur feiern und genießen? wo nehme man diese verdrängung der bedrohung der menschheit nur her?

man kann sich zwar über den bedenkenträger und mahner lustig machen, aber der stachel sitzt. ja, wie kann man nur so verantwortungslos sein und das leben genießen, obwohl leid und elend herrscht? um sich diese frage zu stellen, benötigt es keine globalisierung, damit all die katastrophen auf der welt näher rücken. schon früher genügte ein blick in die nächste umgebung, um festzustellen, es gibt viel schlimmes um einen herum.

asketen und puritanisten setzen noch eins drauf. sie gehen davon aus, dass man mit seinem genusssüchtigen und rücksichtslosen verhalten die ursache des ganzen elends ist. sie formulieren ihren vorwurf direkter, machen einen sündiger. ob nun schlechtes gewissen oder direkte anfeindung, man kann nicht mehr so gelassen weiter machen, wie man es bis dahin tat. der fluss der freude ist unterbrochen.

nichts anderes haben spielverderber im sinn. denn die diskussion, ob man wegen der weltlage tag und nacht in sack und asche durch die gegend laufen muss, hat man für sich selbst schon geklärt. gesellschaftskritik darf mit lebensfreude einhergehen. und es ist ein deutsches phänomen, dass engagement und politik immer mit leid und verzicht einhergehen müssen. aber spielverderber lassen einen nach der eigenen persönlichen entscheidung nicht in ruhe. sie stellen sich vor einen, sie fordern aufmerksamkeit. man sieht die aufforderung schon in ihrem gesicht: „beachte mich! beachte mich!“. es ist schwer, sich ihnen zu entziehen. erst muss man sie verscheuchen.

die folge, die stimmung ist dahin, ein wenig getrübt. und man muss wieder energie aufbringen, um weiter dem feiern und genießen, frönen zu können. das ist die krux: spielverderber sind energiefresser. eigentlich müsste man ihnen verbieten, einem überhaupt näher zu kommen. denn eines ist klar: sie verderben das spiel nicht, da sie so viel bessere menschen sind. wären sie besser, bekämen sie engagement und genuss noch besser unter einen hut. nein, sie sind neidisch, dass man sie nicht mitspielen lässt, da sie die stimmung immer so runter ziehen. also machen sie das spielzeug kaputt.

spielverderber sind der wandelnde vorwurf. und um es einmal auf die ungerechte these zu bringen: man sieht es ihnen an! ihr gesichtsausdruck strahlt eine gekränkte strenge aus, ihr tonfall bestätigt meist diesen ersten eindruck. sie argumentieren, wie wenn man orgien feiern würde. doch dies ist überhaupt nicht der fall. man ist einzig fähig, zwischendurch einmal abzuschalten, zu verdrängen, denn sonst könnte man ja nur an der welt verzweifeln. die spielverderber haben aber die strategie, die ursachen für die lage der welt, nie bei sich selbst zu suchen. sie finden die ursachen immer bei den in ihren augen „maßlosen“. ja, so kann man sich auch aus der affäre ziehen und den anderen den spaß verderben. schade, es könnte alles so bunt hier sein 😀 .

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