web 2.0 und wissenschaft

das forschen für die schublade hat sich ein wenig überlebt, jedenfalls wenn man sich nicht in der drittmittel-finanzierten forschung befindet. bevor das internet sich ausbreitete war es schwierig neueste erkenntnisse und ergebnisse zu verbreiten. wer ein buch veröffentlichen oder in einer fachzeitschrift schreiben wollte, wurde meist aufgefordert, zum herstellungspreis etwas beizusteuern. für junge forscher, die dem universitären prekariat angehörten, ergab sich das problem, dass sie kaum veröffentlichen konnten. doch gleichzeitig spielte die zahl der veröffentlichungen in der wissenschaftskarriere eine große rolle.

das web 2.0 hat die chancen, beachtet zu werden, beträchtlich erhöht. die forschungsergebnisse, die keinen weg in fachzeitschriften oder in bücher finden, können für lau ins netz gestellt werden. gut, da gibt es die konkurrenz der anderen forscherInnen, denen man nicht zu viel erkenntnisse zur verfügung stellen möchte. doch so manche arbeit versauert somit nicht in papierstapeln oder bibliotheken sondern ist im netz abrufbar.

schwieriger scheint auf den ersten blick die qualtitätskontrolle: soll heißen, jeder mensch kann etwas ins netz stellen. wie weit die erkenntnisse wirklich tragfähig sind und neuesten wissenschaftlichen kriterien entsprechen, ist für den laien schwer zu entscheiden. aber es werden in den debatten um gefälschte forschungsergebnisse die vorteile des internet und web 2.0 ignoriert. die öffentlichkeit ist eine größere, die suchmaschinen finden viele veröffentlichungen in windeseile. und somit ist die zahl der menschen, die die ergebnisse korrigieren könnten eine viel größere. ein gutes beispiel dafür ist der vergleich von wikipedia mit lexikonredaktionen und die geschwindigkeit, in der fehler korrigiert werden.

dabei ist natürlich nicht zu ignorieren, dass etliche, vor allen dingen naturwissenschaftliche versuchsanordnungen, nicht so leicht nachvollziehbar sind. und doch ist eher ein diskurs über die ergebnisse möglich, als beim verharren der ergebnisse in der schublade. eine große öffentlichkeit findet schneller die knackpunkte, als ein kleiner kreis. und so werden inzwischen viele arbeiten, die keinen platz in „science“ oder „nature“ finden, auf homepages veröffentlicht.

abseits davon ermöglicht das web 2.0 einen viel leichteren austausch während geforscht wird. man kann anordnungen als film ins netz stellen, man kann messergebnisse in beinahe echtzeit veröffentlichen oder auch nur die nächsten forschungsschritte zur diskussion stellen.

das klingt jetzt alles sehr ideal für die wissenschaften. natürlich ergeben sich auch schwierigkeiten. zum beispiel, wenn sich zu viele menschen in die diskussion einmischen und der forschungsprozess dadurch unübersichtlich wird. oder die schwierigkeit, dass kritische wissenschaften, ob im netz oder in der realtität, weiterhin gern ausgeschlossen werden. die kritischen wissenschaften können nur ihre eigenen wege im netz suchen, und sich zumindest überhaupt gehör verschaffen. auch die grundlagenforschung erfährt durch das web 2.0 nicht unbedingt eine bessere finanzielle ausstattung, denn im internet spielt die „sensation“ eine noch größere rolle, als das grundsätzliche. so können schnell sehr fragwürdige ergebnisse gepusht werden und es bedarf einiger zeit, bis eine relativierung stattfindet.

jedoch, auch wenn man nur einen geringen teil versteht, als normalbürger kann man einfach mal nachschauen, was die forschung so macht. vielleicht für manchen eine spannende sache, wenn auch von der masse her, kaum zu bewältigen.

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