Tagesarchiv: 12. November 2010

schreibidee (188)

das wetter ist ungemütlich, weder klirrende kälte mit schnee, noch sonne und wärme, einfach schmuddelwetter mit sturm. menschen ziehen sich in ihre vier wände zurück, machen es sich gemütlich und kommen ein wenig zur ruhe. und wie der mensch so funktioniert, wenn er die ganze zeit auf hochtouren lief, kaum kommt er mal zur ruhe bemächtigen alle liegen gebliebenen gedanken und schwierigkeiten sich seiner. der mensch wird melancholisch, traurig oder verstimmt. der richtige zeitpunkt, um „dunkle texte“ zu schreiben.

als einstieg in die schreibidee werden die schreibgruppenteilnehmerInnen aufgefordert, sich an ihre letzte depressive verstimmung zu erinnern. wann ging es ihnen schlecht? alle schreiben 10 minuten freewriting zu ihrer letzten dunklen stimmung. aus diesem text suchen sie den „dunkelsten“ satz aus. diesen nehmen sie zum anlass für eine geschichte. dieser text soll kein biografischer werden, die schreibgruppe keine therapeutische. es geht um die stimmung, die in den geschichten einzufangen ist. die texte werden anschließend vorgetragen und das feedback dreht sich darum, wie „dunkel“ die geschichte wirkt.

anschließend werden am flipchart grundkonstellationen zusammengetragen, die eine dunkle stimmung verbreiten können, wie zum beispiel abschiede, ängste oder schwierigkeiten, die sich häufen. nachdem diese aspekte gesammelt wurden, wählen sich alle teilnehmerInnen jeweils drei davon aus. diese sind dann in einem text zusammenzuführen, um eine weitere „dunkle“ geschichte zu verfassen. im anschluss werden die texte vorgetragen und beim feedback wird ein identischer schwerpunkt gelegt wie oben beschrieben.

um die stimmung der schreibgruppe zum schluss wieder ein wenig aufzuheitern, werden alle teilnehmerInnen aufgefordert, ihre letzte geschichte zu nehmen, auf eine seite zu verkürzen und eine amüsante wendung einzuführen. diese texte werden zum abschluss ohne feedback vorgetragen.

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schreibidee (187)

beim elfchen und beim schneeball werden die wörter gezählt, beim haiku die silben. wie schon dargestellt, kann man auch die zeichen zählen. dies ist ein wenig umständlicher, aber eine gute möglichkeit für das schreiben von kurz-kurz-geschichten. darum dreht sich diese schreibidee um die „50-100-200-zeichen-geschichten„.

diese geschichten benötigen für die anleitung von schreibgruppen ein wenig vorbereitung. damit nicht alle teilnehmerInnen beständig die zeichenzahl ermitteln müssen, können blätter vorbereitet werden, auf denen durch unterstriche die jeweilige zeichenzahl aufgedruckt sind. beim computer ist dies einfacher, da stellt man einfach nur auf den zeichenzähler, leerzeichen sollten übrigens mitgezählt werden.

als einstieg werden die schreibgruppenteilnehmerInnen aufgefordert, einen 50-zeichen-krimi zu verfassen. 50 zeichen sind sehr wenige, was bedeutet, in einem text mit wenigen worten eine spannung zu erzeugen (z.b.: „als er schoss stand sie noch im schrank. schade!„). die kurzen geschichten werden in der schreibgruppe vorgetragen. nun werden die teilnehmerInnen aufgefordert, aus dem 50-zeichen-krimi, einen 100-zeichen-krimi zu machen. dafür können die geschichten auf ein neues blatt übertragen und noch informationen hinzugefügt werden.

mit hundert zeichen wird dann zusätzlich eine liebesgeschichte verfasst, beide geschichten werden vorgetragen. anschließend werden krimi und liebesgeschichte jeweils auf eine 200-zeichen-geschichte erweitert. zusätzlich soll noch ein dialog mit 200 zeichen geschrieben werden. diese staffelung kann beliebig fortgesetzt werden.

es lässt sich der schreibprozess auch umkehren. als erstes wird eine 200-zeichen-geschichte verfasst, die dann zu reduzieren ist, auf eine 100- und dann 50-zeichen-geschichte. außerdem kann man sich viele weitere variationen überlegen, die durchgespielt und eventuell auch sofort veröffentlicht werden.