kreatives schreiben und dunkelheit

ganz ohne licht lässt sich schwer schreiben, also zumindest mit stift und papier. erblindete menschen kennen den zustand und haben meist die blindenschrift erlernt, schreiben also, ohne etwas zu sehen. menschen, die das zehnfinger-schreibsystem gut erlernt haben können meist auch ohne licht recht fehlerfrei tippen, haben jedoch meist sowieso einen leuchtenden bildschirm vor sich, der es ihnen ermöglicht, ihre fehler gleich zu korrigieren.

aber es gibt auch die dunkelheit, die nicht tiefschwarze nacht bedeutet. sie hat etwas romantisches, wenn kerzen den raum erhellen. stanley kubrick hat einmal einen film gedreht, in dem es eine abend- und nachtszene gibt, die ohne scheinwerfer gedreht wurde. dazu musste er zwar erst einmal empfindlicheres filmmaterial erhalten, doch die bilder erzeugen eine einmalige atmosphäre. so kann auch das schreiben bei kerzenlicht eine besondere stimmung einfangen.

warum nicht mit der schreibgruppe den raum voller kerzen stellen und die beleuchtung auf sich wirken lassen (natürlich nur, wenn die gruppe während der dunkelheit stattfindet)? auch schreiben am lagerfeuer unter einem sichtbaren sternenhimmel (etwas, das in der großstadt und an ihren rändern schwer umzusetzen ist, da nur ein kleiner teil des sternenhimmels sichtbar ist) kann eine besondere stimmung einfangen. oder vor einem kamin sitzend, die lichter im raum sind aus. ebenso könnte man tische in einen garten tragen, fackeln drumherum stellen und eine schreibgruppe veranstalten.

mit großer wahrscheinlichkeit werden die texte in diesen schreibgruppen ein wenig romantischer, etwas sanfter. anders, als texte, die in einem gruseligen umfeld mit taschenlampe geschrieben werden. oder zum beispiel in einer höhle, einem tunnel oder einem bergwerk mit grubenlampe. auch dies wären möglichkeiten, sich der dunkelheit schreibend anzunähern. vielleicht kennen sie die nachtwanderungen aus kindheits- und jugendzeiten, die an orte führten, die sie bei tageslicht kannten, ihnen nun aber vollkommen anders erschienen. ein leintuch, eine lampe und ein paar schattenspiele, die als schreibanregung dienen können.

ganz besonders sind natürlich die vollmondnächte, die zusätzliche wirkungen auf viele menschen haben. hierzu muss man glück mit dem wetter haben, den mondstand kennen und die uhrzeit, wann der mond am intensivsten scheint. dann erscheinen landschaften in silbriges licht getaucht, dann kann man sich den erscheinungen hingeben und daraus geschichten oder gedichte weben. ebenso wie das schwache, leichte licht, sind die geräusche in der dunkelheit nicht zu unterschätzen. so ließe sich der schreibraum vollständig verdunkeln und tonbeispiele der nacht abspielen, die anschließend bei helligkeit in eine assoziationskette oder in ein freewriting einfließen können. oder besuchen sie doch mit ihrer schreibgruppe einmal eine geisterbahn, ein gruselkabinett.

die dunkelheit aktiviert anscheinend ganz andere kreative gedanken und ideen, als ein sonniger tag. auch das halbdunkle, laternenbeschienene nachtleben in der stadt birgt eine besondere atmosphäre in sich. die menschen haben meist feierabend, sind fröhlich und melancholisch zugleich. sie frönen dem sozialen miteinander und finden sich in dramtischen stimmungen wieder. nacht und dunkelheit sind dem menschen ebenso vertraut wie tag und helligkeit, aber er verhält sich anders. dies kann das kreative schreiben wunderbar einfangen.

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