Tagesarchiv: 16. November 2010

schreibidee (190)

und doch, die glotze wird angemacht (oder der pc, um das, was in der glotze lief und läuft anzusehen). da wird dann gern geschimpft über das so genannte „unterschichtsfernsehen“. doch gleichzeitig zeigen untersuchungen, dass vor allen dingen das bildungsbürgertum gut beteiligt ist an den einschaltquoten des billig-tv. man sollte einmal genauer schauen, wem man die quoten und damit das miese programm zu verdanken hat. doch bis das so weit ist, greifen wir einfach die „soap“ in der schreibidee auf und begeben uns in die drehbuchstube der schlichten dialoge und klischeehaften ereignisse. es werden „soap-texte“ geschrieben.

als einstieg kann für die schreibgruppe eine folge einer soap gewählt werden. die auswahl ist groß, die geschichte der soap-operas ist alt und wirklich gekoppelt an seifenwerbung. also alle mal zuschauen, und sich nebenher schon ein paar ideen für einen plot notieren.

nun gibt es zwei möglichkeiten. entweder entscheidet man sich in der schreibgruppe, direkt an dieser soap weiterzuschreiben oder man sammelt die zutaten für eine eigene soap am flipchart. beide varianten führen über zur formulierung eines plots. die teilnehmerInnen werden aufgefordert, einen plot für eine folge einer soap zu erfinden und einen maximal anderhalb-seitigen entwurf zu schreiben. die entwürfe werden in der gruppe vorgestellt und es wird entschieden an welchem plot die gruppe arbeiten möchte.

anschließend sollen zwei folgen von der gruppe geschrieben werden. in der ersten variante, bekommen alle schreibgruppenteilnehmerInnen eine szene in auftrag. sie klären mit ihren vor- und nachschreiberInnen den jeweils letzten satz ab, bevor die szene geschrieben wird. anschließend werden die szenen geschrieben und hinterher nacheinander in der gruppe vorgetragen (gern mit verteilten rollen).

in der zweiten variante wird eine art kettentext geschrieben. diese übung ist etwas zeitaufwendiger und bietet anderen etwas pause. je nachdem, wie groß die schreibgruppe ist, müssen kleinere gruppen gebildet werden. allen teilnehmerInnen wird ein akteur der soap vergeben. man schreibt für seinen eigenen akteur die texte im dialog. die dialoge werden hintereinander runtergeschrieben. also müssen alle anderen warten, bis sie an der reihe sind, ihren protagonisten worte in den mund zu legen. der text wird dann gemeinsam mit den jeweils verteilten rollen vorgelesen.

diese schreibidee lässt sich auch wunderbar online weiterführen, also in der schreibgruppe von zuhause aus als kettenbrief oder -mail weiterführen. vielleicht kann man dann die szenen sogar spielerisch darstellen und filmen. auf youtube wird sie bestimmt zuschauer finden und ein weiteres free-tv ist gegründet 🙂 .

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web 2.46 – fernsehkritik.tv

man kann sich sicher sein, das fernsehprogramm, auch das digitale, wird in den nächsten jahren nicht besser werden. gut, die auswahl wird größer, man kann also für sich wählen, was einem zusagt. doch dies erwartet vom zuschauer immer größere koordinatorische anstrengungen. denn das „qualitätsfernsehen“ verteilt sich auf mehr und mehr programme. wer dann keine lust hat, sich alles im internet zusammen zu suchen, der ist zum beispiel kabelanbietern ausgesetzt, die mit vorliebe shopping-kanäle einspeisen. und wer einen blockbuster ohne zuzahlung sehen möchte, der braucht eine halbe stunde länger wegen der werbeeinblendungen.

kurz und gut, fernsehen kann nerven. doch abseits der angebotsschwierigkeiten (ich möchte hier explizit arte und 3sat nicht dazu zählen) wird auch so viel schrott gesendet, dass es schon in den frühen abendstunden als unterhaltsame realsatire betrachtet werden kann. also an nachschub wird es holger kreymeier nicht mangeln. er betreibt regelmäßige fernsekritik auf seiner homepage http://www.fernsehkritik.tv und hat dafür den grimme-online-award erhalten. berechtigter weise, denn allein die ausdauer mit der man sich all diese ergüsse betrachten muss, um eine kritik zusammenschneiden und formulieren zu können, ist beachtenswert.

wer also mal so richtig über das fernsehen ablästern möchte und dafür ausgewachsen schlechte beispiele benötigt, der schaue auf der homepage vorbei. danach kann man sich gelassen im sessel zurücklehnen und sich sagen: früher war alles besser, sogar das fernsehen. oder er schickt den link an gute freunde, um eine lästergruppe zu gründen. das ist allemal unterhaltsamer als am frühen abend vor der glotze zu sitzen und sich das zeug reinzuziehen 😀 .