schreibpädagogik und kulturelle unterschiede

auch wenn man nicht anhänger der theorie der „kulturellen identitäten“ ist, also der meinung ist, dass menschen fähig sind, ihre unterschiedlichen hintergründe zu überwinden, auch dann sind die unterschiede doch vorhanden. dies schlägt sich insbesondere dann nieder, wenn es um sprache geht. bei schreibgruppen stehen das spiel mit der sprache und der persönliche ausdruck im vordergrund. das bedeutet, dass sich dort die kulturellen unterschiede besonders stark zeigen können.

das soll nicht bedeuten, dass sie unüberbrückbar nebeneinander stehen. aber es muss kommuniziert und sich darüber ausgetauscht werden. viele menschen schreiben lieber in ihrer muttersprache. finden sich nun in einer schreibgruppe unterschiedliche muttersprachlerInnen, sollten sie sich zumindest gegenseitig verstehen, also der jeweils anderen sprache mächtig sein. oder es wird sich auf eine gemeinsame sprache geeinigt. dies wird mit großer wahrscheinlichkeit hierzulande deutsch oder englisch sein. bei allen anderen sprachen ist damit zu rechnen, dass sie einzelne teilnehmerInnen nicht verstehen werden.

so kann man sich entweder entscheiden, sollte man weitere sprachen als leiterIn selber gut sprechen und schreiben können, eine schreibgruppe für bestimmte sprachgruppen anzubieten, oder man findet für die jeweiligen treffen dolmetscherInnen. eine weitere anwendung des kreativen und biografischen schreibens kann der einstieg in die deutsche sprache sein. das soll heißen, spielerisch die fremde sprache lernen. zumindest scheint es mir wichtig, dass solche unterschiede im vorfeld geklärt und die möglichkeiten aufgezeigt werden. denn dann können „multikulturelle“, „interkulturelle“, oder wie man sie auch sonst bezeichnen mag, gruppen eine gute möglichkeit sein, von den jeweils anderen lebenshintergründen mehr zu erfahren.

ein manko bleibt weiter bestehen: die unterschiedlichen formen des ausdrucks von emotionen. das stellt sich schon bei gesprächen oder beratungen heraus, dass man zwar der sprache annähernd mächtig sein kann, einem aber oft die eins zu eins übersetzung nicht viel über die intention der jeweils andern verrät. man sollte also auch einen einblick in die regeln und denkweisen anderer kulturen haben oder bekommen. auch hierfür bieten sich schreibgruppen an, wenn die teilnehmerInnen bereit sind, sich gegenseitig den emotionalen ausdruck zu erklären. dolmetscherInnen und übersetzerInnen sind die schwierigkeiten bewusst, die richtigen worte für einen emotionalen ausdruck zu finden.

so kann man sich schreibgruppen vorstellen, die den interkulturellen dialog fördern, dies also zu ihrer hauptaufgabe machen. denn so nebenher sind die jeweiligen erklärungen und hintergründe schwer einzuflechten, da sie auch genug zeit benötigen. dies bedeutet nicht, dass schreibgruppen nicht mit unterschiedlichen muttersprachlerInnen funktionieren können. beim biografischen schreiben scheint dies noch leichter zu sein, da über die geschriebenen texte der eigenen lebensgeschichte schon ein einblick in die jeweilige kultur gegeben wird. beim kreativen schreiben ist es ein wenig schwerer, wenn sprachspielereien zu verstehen sind. aber auch dann eröffnen sich ganz neue wortkombinationen, die wiederum auf alle sehr anregend sein können.

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