kreatives schreiben und farben

es fängt schon bei der tinte des füllers an, die gern in verschiedenen farben verwendet wird. dann stellt sich die frage, welche farbe das papier haben soll, das man für die notizen oder geschichten beschreibt. geht man noch einen schritt weiter, kann die wandfarbe im schreibraum die entstehung des textes beeinflussen. platt geschrieben, farben haben eine wirkung. gut, man muss nicht gleich so weit gehen, wie die farbpsychologie und behaupten, dass bestimmte farben, bestimmte wirkungen bei allen menschen haben. die geschmäcker sind verschieden.

denn würde man den verallgemeinerungen der farbpsychologie glauben, dann müsste man sich ernsthaft im herbst und winter um unsere gesellschaft sorgen machen. die vielen grau-, dunkelblau- und schwarztöne stimmen bedenklich. farben unterliegen ebenso moden wie ganz persönlichen stimmungen. doch die kann man für das kreative schreiben nutzen. man kann sich zum beispiel mit gruppen auf eine farbe einstimmen, indem man den raum dementsprechend gestaltet. an diese farbe kann man dann im weiteren schreibprozess anknüpfen.

farben bieten eine gute grundlage für assoziationen. so wie zum beispiel gelb immer noch mit der post, rot mit der feuerwehr oder blau mit himmel und alkohol assoziiert werden, so kann man die farbe als anlass für schreibanregungen verwenden. man versuche doch einmal metaphorisch farben zu umschreiben oder einer farbe menschliche eigenschaften zu zu ordnen. so werden umgangssprachlich gelb oder grün mit neid verbunden, rot mit der liebe und schwarz mit dunklen stimmungen. aber auch politische richtungen lassen sich in einer farbskala verankern.

interessant könnte es beim kreativen schreiben auch sein, farben konträr zu den gesellschaftlich üblichen verknüpfungen zu verwenden. gut, bei der post gibt es inzwischen auch einen grünen zulieferer, aber wie wäre es mit einer pinkfarbenen post, einer blauen feuerwehr oder eben einem braunen himmel. das kreative schreiben bietet die möglichkeit, sich frei von den konventionen zu schreiben. interessant ist dann, was mit dem gefärbten text assoziiert wird. ein brauner himmel wirkt eventuell bedrohlich, die blaue feuerwehr erinnert an das thw und pinkfarbene post liefert schrilles aus.

also, wie sieht ein mensch aus, der rot vor neid ist? was passiert, wenn der nebel violett durch die landschaft wabert? das spiel mit den farben kann einem text noch eine weitere nuance an verfremdung geben, kann surreale züge annehmen. auf der anderen seite, lassen sich stimmungen durch das hinzufügen einer farbe verstärken. wenn dunkelrote kirschen gemeinsam gegessen werden ist dies was anderes, wie wenn es einfach kirschen gibt. oder die schwarze limousine, die vorfährt würde schnell zum taxi mutieren, wenn sie gelb wäre.

die farbe strahlt also mehr aus, als nur farbe. sie kann auch einen fertigen text untermalen oder kontrastieren. man drucke einmal einen text, der tristesse des alltags beschreibt in knalligem grün aus, die leserInnen wären ein wenig irritiert. oder man erinnere sich an „die unendliche geschichte“ von michael ende, die durch verschiedene farbgebungen den übergang von der realität in die fantasiewelt signalisiert. farbe als signal des textes, als mimikry des kreativen. die werbepsychologie stürzt sich mit vorliebe darauf, warum nicht auch das kreative schreiben? der pc ist eine der besten techniken, alle farbirrungen und -verwirrungen ausreizen zu können. also frisch in den farbtopf gegriffen und den texten eine eigene nuance geben.

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