Tagesarchiv: 27. November 2010

schreibpädagogik und kreatives chaos

kreativität kann aus verschiedenen umständen hervorgehen, in verschiedenen situationen entstehen. manch einer bevorzugt die klar strukturierte, aufeinander aufbauende vorgehensweise. anderen fällt dieses vorgehen sichtlich schwer, es blockiert sie. sie fühlen sich in strukturen gefangen und können keine ideen produzieren. sie brauchen ablenkung, sprunghafte veränderungen und eine fülle von „sinnlosen“ dingen um sich herum.

die schreibpädagogik legt, wie häufiger bei pädagogischen vorgehensweisen, eher eine klare struktur zu grunde, damit die agierenden wissen woran sie sind. doch teilweise wäre zu überlegen, wie weit auch der anderen kreativitätsfördernden seite zum beispiel in schreibgruppen raum gegeben werden kann. auch das „kreative chaos“ sollte zum beispiel zum angebot von schreibgruppen gehören. die sorge vieler menschen besteht bei dieser vorgehensweise darin, sich zu verzetteln, nicht mehr herr der lage zu sein und im chaos zu versinken.

schaut man sich aber das leben von schriftstellerInnen, malerInnen oder anderen künstlerInnen an, gibt es auch die chaotische spezies. also sollte auch diesen vertreterInnen raum gegeben werden. dazu bedarf es nicht viel. so kann man ein treffen einer schreibgruppe ohne klares konzept stattfinden lassen. einziges angebot ist eine fülle von eindrücken, die ungerichtet und unsortiert sind. man kann verschiedene bilder, töne, filmausschnitte, wörter oder andere einflüsse vorbereiten, die in einem chaotischen ablauf zum einsatz kommen. die teilnehmenden sollen nichts anderes tun, als die eindrücke auf sich wirken und einen text, eine geschichte daraus entstehen lassen. es wird kein thema, kein genre und kein stil vorgegeben.

der eventuelle protest oder die entstehende hilflosigkeit mancher teilnehmerInnen wäre in diesem moment auszuhalten. man schreitet nicht ein, man ordnet nicht und man übernimmt auch nicht die federführung. man lässt geschehen. natürlich wird im vorfeld erklärt, dass es dieses mal nur das ausschöpfen der möglichkeiten im kreativen chaos geht. den teilnehmerInnen wird überlassen, was sie damit machen.

im nachhinein wird diese vorgehensweise thematisiert. man kann zum beispiel darüber diskutieren, wie weit einzelne teilnehmerInnen liebe unter solchen bedingungen arbeiten. man kann diskutieren, ob die ergebnisse der gruppe deshalb schlechter sein müssen oder nicht. man kann dazu anregen, weiter konzepte zu entwickeln, die das chaos mit kreativität verbinden. man kann dazu einladen, sich bei diesem prozess gehen zu lassen. Weiterlesen

schreibidee (195)

schwarz ist eine ganz besondere farbe, denn eigentlich ist es die abwesenheit von farbe. doch um schwarz auf weiß zu bekommen, benötigt es doch farbe oder eben kein licht. schatten kann also auch schwarz erscheinen. was können denn dann „schwarze texte“ sein? dies herauszufinden, versucht diese schreibidee.

vor kurzem waren bei den schreibideen „dunkle geschichten“ zu schreiben, doch sie sollten sich unterscheiden von „schwarzen texten“. wenn man schwarz als eine farbe begreift, die alles zudeckt, dann sind schwarze texte, texte, die das verborgene hinter dem schatten und der dunkelheit sichtbar machen. es soll also weniger um einen psychischen zustand, denn um die schattenseiten und ein starkes schwarz gehen, also das böse, das zudeckende, das versteckte gehen.

ein guter einstieg könnte die aufforderung sein, sich in die rolle eines psychopathen zu versetzen und einen einseitigen inneren monolog dieses menschen zu verfassen. bevor überhaupt assoziiert wird, werden die schreibgruppenteilnehmerInnen aufgefordert, alles ihnen in den sinn kommende „böse“ in den monolog einfließen zu lassen. die texte werden anschließend nicht vorgelesen, sondern es wird ein zehnminütiges fokussiertes freewriting verfasst, das sich der frage widmet, warum es einem so schwer oder leicht fiel, böses zu schreiben. denn es ist damit zu rechnen, dass wirklich böses kaum zu papier gebracht wird.

nicht nur schreibende befallen hemmungen, abgrundtief böse zu sein. der mensch ist erst einmal ein soziales wesen, dem es schwer fällt, absolut asozial zu denken und zu handeln. im anschluss wird nur eine kurze gesprächsrunde zum freewriting durchgeführt. wie gestaltete sich die schreibübung für die teilnehmerInnen?

dann werden auf dem flipchart stichworte gesammelt, was im alltag, in situationen durch schwarz versteckt werden kann. was verbirgt sich eventuell unter der schwarzen schicht? die teilnehmerInnen wählen je ein Stichwort aus, zu dem sie eine längere geschichte verfassen. in dieser geschichte, soll im laufe der handlung, die schwarze farbe abgetragen und das darunter liegende sichtbar werden, Weiterlesen