Monatsarchiv: November 2010

liste (10) – tv

wer lust hat, kann sich diese seite ausdrucken und ausfüllen. ich schlage listen vor, die einem vielleicht einen überblick zu verschiedenen themen der eigenen lebensgeschichte geben können. dieses mal geht es um „tv„.

die fernsehsendungen, die mir am intensivsten im gedächtnis blieben (z.b. die mondlandung…):

meine lieblingsserien:

meine besten alternativen zum fernsehen:

bei diesen sendungen wollte ich schon immer einmal mitwirken:

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kreatives schreiben und fernsehen

abseits der fernsehsendungen mit schlichtem konzept, gibt es wunderbare fernsehspiele, die nicht versuchen, dem spielfilm gleich zu ziehen. sie bilden den alltag ab, zeichnen die verirrungen und verwirrungen der menschen nach und leben oft von sehr einfachen dialogen, die aber eine ganz andere wirkung erzeugen.

drehbuchautorInnen begeben sich nicht anders auf die suche nach themen, als manche kreativ schreibende menschen, durch verstärkte beobachtung der umwelt und des alltags. schon kleine begebenheiten auf einem platz, in einem bus oder kurze meldungen in zeitungen können die grundlage für einen plot darstellen. das fernsehen hat im gegensatz zum theater, das dafür andere mittel nutzt, die möglichkeit die realität sehr authentisch abzubilden.

im fernsehspiel muss es keine großen helden geben. gut, die geschichte sollte, wie eine kurzgeschichte, einen spannungsbogen enthalten. doch selbst fernsehspiele ohne wirklichen spannungsbogen lassen den zuschauer denken: „ja, genau so ist es. das kenne ich.“. so kann das fernsehen der gesellschaft einen spiegel vorhalten und das, was man da sieht, kann anlass für diskussionen sein. warum also mal nicht in der schreibgruppe anstatt einer kurzgeschichte, einen plot für ein fernsehspiel verfassen oder dialoge von der strasse zu einer geschichte werden lassen?

andersrum wird aber auch ein schuh draus. warum nicht einmal ein sehr gutes fernsehspiel als schreibanregung verwenden. Weiterlesen

schreibidee (190)

und doch, die glotze wird angemacht (oder der pc, um das, was in der glotze lief und läuft anzusehen). da wird dann gern geschimpft über das so genannte „unterschichtsfernsehen“. doch gleichzeitig zeigen untersuchungen, dass vor allen dingen das bildungsbürgertum gut beteiligt ist an den einschaltquoten des billig-tv. man sollte einmal genauer schauen, wem man die quoten und damit das miese programm zu verdanken hat. doch bis das so weit ist, greifen wir einfach die „soap“ in der schreibidee auf und begeben uns in die drehbuchstube der schlichten dialoge und klischeehaften ereignisse. es werden „soap-texte“ geschrieben.

als einstieg kann für die schreibgruppe eine folge einer soap gewählt werden. die auswahl ist groß, die geschichte der soap-operas ist alt und wirklich gekoppelt an seifenwerbung. also alle mal zuschauen, und sich nebenher schon ein paar ideen für einen plot notieren.

nun gibt es zwei möglichkeiten. entweder entscheidet man sich in der schreibgruppe, direkt an dieser soap weiterzuschreiben oder man sammelt die zutaten für eine eigene soap am flipchart. beide varianten führen über zur formulierung eines plots. die teilnehmerInnen werden aufgefordert, einen plot für eine folge einer soap zu erfinden und einen maximal anderhalb-seitigen entwurf zu schreiben. die entwürfe werden in der gruppe vorgestellt und es wird entschieden an welchem plot die gruppe arbeiten möchte.

anschließend sollen zwei folgen von der gruppe geschrieben werden. in der ersten variante, bekommen alle schreibgruppenteilnehmerInnen eine szene in auftrag. sie klären mit ihren vor- und nachschreiberInnen den jeweils letzten satz ab, bevor die szene geschrieben wird. anschließend werden die szenen geschrieben und hinterher nacheinander in der gruppe vorgetragen (gern mit verteilten rollen).

in der zweiten variante wird eine art kettentext geschrieben. diese übung ist etwas zeitaufwendiger und bietet anderen etwas pause. je nachdem, wie groß die schreibgruppe ist, müssen kleinere gruppen gebildet werden. allen teilnehmerInnen wird ein akteur der soap vergeben. man schreibt für seinen eigenen akteur die texte im dialog. die dialoge werden hintereinander runtergeschrieben. also müssen alle anderen warten, bis sie an der reihe sind, ihren protagonisten worte in den mund zu legen. der text wird dann gemeinsam mit den jeweils verteilten rollen vorgelesen.

diese schreibidee lässt sich auch wunderbar online weiterführen, also in der schreibgruppe von zuhause aus als kettenbrief oder -mail weiterführen. vielleicht kann man dann die szenen sogar spielerisch darstellen und filmen. auf youtube wird sie bestimmt zuschauer finden und ein weiteres free-tv ist gegründet 🙂 .

web 2.46 – fernsehkritik.tv

man kann sich sicher sein, das fernsehprogramm, auch das digitale, wird in den nächsten jahren nicht besser werden. gut, die auswahl wird größer, man kann also für sich wählen, was einem zusagt. doch dies erwartet vom zuschauer immer größere koordinatorische anstrengungen. denn das „qualitätsfernsehen“ verteilt sich auf mehr und mehr programme. wer dann keine lust hat, sich alles im internet zusammen zu suchen, der ist zum beispiel kabelanbietern ausgesetzt, die mit vorliebe shopping-kanäle einspeisen. und wer einen blockbuster ohne zuzahlung sehen möchte, der braucht eine halbe stunde länger wegen der werbeeinblendungen.

kurz und gut, fernsehen kann nerven. doch abseits der angebotsschwierigkeiten (ich möchte hier explizit arte und 3sat nicht dazu zählen) wird auch so viel schrott gesendet, dass es schon in den frühen abendstunden als unterhaltsame realsatire betrachtet werden kann. also an nachschub wird es holger kreymeier nicht mangeln. er betreibt regelmäßige fernsekritik auf seiner homepage http://www.fernsehkritik.tv und hat dafür den grimme-online-award erhalten. berechtigter weise, denn allein die ausdauer mit der man sich all diese ergüsse betrachten muss, um eine kritik zusammenschneiden und formulieren zu können, ist beachtenswert.

wer also mal so richtig über das fernsehen ablästern möchte und dafür ausgewachsen schlechte beispiele benötigt, der schaue auf der homepage vorbei. danach kann man sich gelassen im sessel zurücklehnen und sich sagen: früher war alles besser, sogar das fernsehen. oder er schickt den link an gute freunde, um eine lästergruppe zu gründen. das ist allemal unterhaltsamer als am frühen abend vor der glotze zu sitzen und sich das zeug reinzuziehen 😀 .

schreibidee (189)

auch wenn es momentan bei den frühlingstemperaturen unwahrscheinlich erscheint, bald wird es bitterkalt werden und der winter sorgt für die abkühlung der gemüter. ähnlich wie die laue sommernacht, haben winternächte eine ganz eigene stimmung. wenn die luft klar, kalt und die die bäume kahl sind, wirkt die welt um einen herum distanzierter. darum einmal die schreibanregung zu „winternacht-geschichten„.

in schreibgrupppen bietet sich diese schreibidee natürlich für die wintermonate an. sollte die schreibgruppe abends stattfinden, könnte man die gunst der stunde nutzen, die wettervorhersage abfragen, und sich hinaus in die kälte begeben, wenn das klima dementsprechend ist. dazu sollten die teilnehmerInnen aufgefordert werden, handschuhe mitzubringen, die es ihnen ermöglichen ein paar stichworte zu notieren.

denn als erstes begibt man sich gemeinsam in die winternacht, möglichst mit viel natur und landschaft um sich herum (perfekt ist es, wenn auch noch schnee liegt). während man sich also durch die kälte bewegt sollen assoziationen und beobachtungen notiert werden. zurückgekehrt in die räumlichkeiten der schreibgruppe bei ansprechenden heissgetränken ist dann die erste geschichte aus den beobachtungen zu schreiben. einzige auflage: es soll keine weihnachtsgeschichte werden (da zu diesem genre gern beim thema winternächte gegriffen wird). anschließend werden die geschichten in der schreibgruppe vorgetragen und ein feedback gegeben.

im zweiten schritt sind die geschichten zu überarbeiten. es soll der winternachtsstimmung rechnung getragen werden, indem alle emotionen und warmen gedanken der vorherigen geschichte entzogen werden. es soll eine geschichte entstehen, die eine kalte und klare sprache hat, so dass beim vortrag alle ins frösteln geraten. es besteht für die schreibgruppenteilnehmerInnen die möglichkeit, eine neue geschichte zu verfassen, wenn sie das gefühl haben, dass sich ihre vorherige geschichte nicht zum überarbeiten anbietet. anschließend werden auch diese geschichten vorgetragen und beim feedback wird darauf geachtet, wie kalt die geschichte wirkt.

als abschluss kann, so weit noch zeit übrig ist, das genaue gegenteil verfasst werden: eine winternacht-geschichte, die nur so von wärme und herzlichkeit strotzt. die leserunde bietet einen versöhnlichen abschluss des treffens.

selbstbefragung (65) – abschied

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um den „abschied„.

  • von wem haben sie sich zuletzt intensiv verabschiedet? beschreiben sie?
  • wie leicht oder schwer fallen ihnen abschiede? worin unterscheiden sie sich?
  • von wem oder was haben sie sich im laufe ihres lebens gern verabschiedet?
  • welcher abschied fiel ihnen am schwersten? warum?
  • wie verabschieden sie sich von menschen, die ihnen nahe stehen? beschreiben sie.
  • welchen menschen, der sich von ihnen verabschiedet hat, würden sie gern wiedersehen? warum tun sie es nicht?
  • ihr dramatischster abschied?
  • was machen sie, wenn sie nach dem abschied allein sind, am liebsten?
  • von welchen menschen oder situationen wollten sie sich in ihrem leben nie verabschieden, hätten gern die zeit angehalten?
  • wie erlebten sie berufliche abschiede (schule, uni, job…)? stellten diese für sie einen neuanfang oder einen verlust dar?

„nachtstücke – ein lesebuch“ – ein buchtipp

dies ist kein neues buch, es ist kein aktuelles buch, aber es ist ein buch, das all die gedanken über nacht und dunkelheit versammelt, die der mensch schreibend zu papier bringen kann. die herausgeber hans ulrich hirschfelder und gert nieke haben sich daran gemacht, texte über die lichtlose zeit zwischen sonnenuntergang und -aufgang zusammenzustellen.

heraus gekommen ist das buch „nachtstücke – ein lesebuch„, das eine mixtur aus kurzgeschichte, kurz-kurz-geschichten und gedichten ist. vom dunklen, das angst macht, bis zu geschichten der nachtschwärmer und der liebenden, findet sich alles in dem buch. es ist eine wunderbare anregung über die nacht, über das leben in der nacht zu schreiben, eben auch über die dunklen seiten des lebens.

interessant wäre es auch noch gewesen, zu erfahren, ob die texte in der nacht oder am tag entstanden sind. versammelt in dem buch sind jedenfalls größere (arno schmidt, ingeborg bachmann, peter glaser…) und kleinere namen. auch das macht das buch so angenehm. es geht nicht um die nacht in der weltliteratur, in der deutschen literatur. es geht um den schriftlichen ausdruck über die nacht, und der findet sich in vielen verschiedenen texten. unterbrochen wird die textsammlung durch illustrationen von quint buchholz, die die nacht sichtbar einfangen. ein buch, das einen in nächtliche stimmungen bringen kann.

das buch ist schon 1988 bei suhrkamp in frankfurt am main als taschenbuch erschienen, vielleicht lässt es sich noch antiquarisch erstehen. ISBN 3-518-37987-9

biografisches schreiben und dunkelheit

erinnern sie sich an ihre ersten albträume als kind? irgendwann steht jedes kind einmal nachts auf und ruft nach seinen eltern oder kriecht zu ihnen ins bett, da es von bösen wesen oder unangenehmen dingen geträumt hat. ab diesem moment wird einem die wirkung der dunkelheit, der nacht, ein wenig bewusst.

dann entwickeln sich die menschen im laufe ihrer entwicklungen auseinander. die einen werden „lerchen“, menschen, die gern früh aufstehen und viel tageslicht mitnehmen, die anderen, „eulen“, sind die, die nachts am besten arbeiten können, die die nacht zum tag machen. sie haben sich mit der dunkelheit arrangiert und bevorzugen eventuell die stille die nachts einkehrt.

manche menschen schlafen bei vollmond schlecht, wenn er in der nacht aufgeht. sie können sich nicht erklären, wie die natur solche auswirkungen auf ihre befindlichkeit haben kann. in unserer „erleuchteten“ kultur und gesellschaft stellt dunkelheit eher etwas bedrohliches dar, da passt die schlecht geschlafene vollmondnacht gut dazu. aber haben nicht viele von uns auch ihren meisten sex in der dunkelheit, also jedenfalls ist es draußen dunkel, das schlafzimmer mag ja beleuchtet sein.

es lohnt sich, beim betrachten der eigenen lebensgeschichte einmal einen blick auf die nächte und in die dunkelheit zu werfen. wie hat man denn seine nächte verbracht. wer im krieg die wohnungen abdunkeln musste und die nächte in luftschutzkellern verbringen musste, der wird mit der dunkelheit eventuell dramatisches und bedrohliches verbinden. wer immer nachts gearbeitet hat, wird sich im laufe der zeit an diesen rhythmus gewöhnt haben und die anderen menschen mit ganz eigenen augen sehen.

aber man kann beim thema „dunkelheit“ im zusammenhangen mit dem biografischen schreiben noch einen schritt weiter gehen: was war das dunkelste kapitel in der eigenen lebensgeschichte? jeder mensch hat ein dunkles kapitel, das ihn über jahre begleitet. das müssen nicht immer hochdramatische oder grausame situationen sein. es genügt, dass es situationen sind, die einen nicht los lassen, Weiterlesen

liste (09) – dunkel

wer lust hat, kann sich diese seite ausdrucken und ausfüllen. ich schlage listen vor, die einem vielleicht einen überblick zu verschiedenen themen der eigenen lebensgeschichte geben können. dieses mal geht es um „dunkel„.

das ist mir im dunkeln unangenehm oder macht mir angst:

das gefällt mir am dunkel sein oder das mache ich gern im dunkeln:

dies sind meine übelsten „dunklen“ gedanken, die ich bisher hatte:

die intensivsten momente in meinem leben, in denen „licht ins dunkel“ kam:

kreatives schreiben und dunkelheit

ganz ohne licht lässt sich schwer schreiben, also zumindest mit stift und papier. erblindete menschen kennen den zustand und haben meist die blindenschrift erlernt, schreiben also, ohne etwas zu sehen. menschen, die das zehnfinger-schreibsystem gut erlernt haben können meist auch ohne licht recht fehlerfrei tippen, haben jedoch meist sowieso einen leuchtenden bildschirm vor sich, der es ihnen ermöglicht, ihre fehler gleich zu korrigieren.

aber es gibt auch die dunkelheit, die nicht tiefschwarze nacht bedeutet. sie hat etwas romantisches, wenn kerzen den raum erhellen. stanley kubrick hat einmal einen film gedreht, in dem es eine abend- und nachtszene gibt, die ohne scheinwerfer gedreht wurde. dazu musste er zwar erst einmal empfindlicheres filmmaterial erhalten, doch die bilder erzeugen eine einmalige atmosphäre. so kann auch das schreiben bei kerzenlicht eine besondere stimmung einfangen.

warum nicht mit der schreibgruppe den raum voller kerzen stellen und die beleuchtung auf sich wirken lassen (natürlich nur, wenn die gruppe während der dunkelheit stattfindet)? auch schreiben am lagerfeuer unter einem sichtbaren sternenhimmel (etwas, das in der großstadt und an ihren rändern schwer umzusetzen ist, da nur ein kleiner teil des sternenhimmels sichtbar ist) kann eine besondere stimmung einfangen. oder vor einem kamin sitzend, die lichter im raum sind aus. ebenso könnte man tische in einen garten tragen, fackeln drumherum stellen und eine schreibgruppe veranstalten.

mit großer wahrscheinlichkeit werden die texte in diesen schreibgruppen ein wenig romantischer, etwas sanfter. anders, als texte, die in einem gruseligen umfeld mit taschenlampe geschrieben werden. oder zum beispiel in einer höhle, einem tunnel oder einem bergwerk mit grubenlampe. auch dies wären möglichkeiten, sich der dunkelheit schreibend anzunähern. vielleicht kennen sie die nachtwanderungen aus kindheits- und jugendzeiten, die an orte führten, die sie bei tageslicht kannten, ihnen nun aber vollkommen anders erschienen. ein leintuch, eine lampe und ein paar schattenspiele, die als schreibanregung dienen können.

ganz besonders sind natürlich die vollmondnächte, Weiterlesen

schreibidee (188)

das wetter ist ungemütlich, weder klirrende kälte mit schnee, noch sonne und wärme, einfach schmuddelwetter mit sturm. menschen ziehen sich in ihre vier wände zurück, machen es sich gemütlich und kommen ein wenig zur ruhe. und wie der mensch so funktioniert, wenn er die ganze zeit auf hochtouren lief, kaum kommt er mal zur ruhe bemächtigen alle liegen gebliebenen gedanken und schwierigkeiten sich seiner. der mensch wird melancholisch, traurig oder verstimmt. der richtige zeitpunkt, um „dunkle texte“ zu schreiben.

als einstieg in die schreibidee werden die schreibgruppenteilnehmerInnen aufgefordert, sich an ihre letzte depressive verstimmung zu erinnern. wann ging es ihnen schlecht? alle schreiben 10 minuten freewriting zu ihrer letzten dunklen stimmung. aus diesem text suchen sie den „dunkelsten“ satz aus. diesen nehmen sie zum anlass für eine geschichte. dieser text soll kein biografischer werden, die schreibgruppe keine therapeutische. es geht um die stimmung, die in den geschichten einzufangen ist. die texte werden anschließend vorgetragen und das feedback dreht sich darum, wie „dunkel“ die geschichte wirkt.

anschließend werden am flipchart grundkonstellationen zusammengetragen, die eine dunkle stimmung verbreiten können, wie zum beispiel abschiede, ängste oder schwierigkeiten, die sich häufen. nachdem diese aspekte gesammelt wurden, wählen sich alle teilnehmerInnen jeweils drei davon aus. diese sind dann in einem text zusammenzuführen, um eine weitere „dunkle“ geschichte zu verfassen. im anschluss werden die texte vorgetragen und beim feedback wird ein identischer schwerpunkt gelegt wie oben beschrieben.

um die stimmung der schreibgruppe zum schluss wieder ein wenig aufzuheitern, werden alle teilnehmerInnen aufgefordert, ihre letzte geschichte zu nehmen, auf eine seite zu verkürzen und eine amüsante wendung einzuführen. diese texte werden zum abschluss ohne feedback vorgetragen.

schreibidee (187)

beim elfchen und beim schneeball werden die wörter gezählt, beim haiku die silben. wie schon dargestellt, kann man auch die zeichen zählen. dies ist ein wenig umständlicher, aber eine gute möglichkeit für das schreiben von kurz-kurz-geschichten. darum dreht sich diese schreibidee um die „50-100-200-zeichen-geschichten„.

diese geschichten benötigen für die anleitung von schreibgruppen ein wenig vorbereitung. damit nicht alle teilnehmerInnen beständig die zeichenzahl ermitteln müssen, können blätter vorbereitet werden, auf denen durch unterstriche die jeweilige zeichenzahl aufgedruckt sind. beim computer ist dies einfacher, da stellt man einfach nur auf den zeichenzähler, leerzeichen sollten übrigens mitgezählt werden.

als einstieg werden die schreibgruppenteilnehmerInnen aufgefordert, einen 50-zeichen-krimi zu verfassen. 50 zeichen sind sehr wenige, was bedeutet, in einem text mit wenigen worten eine spannung zu erzeugen (z.b.: „als er schoss stand sie noch im schrank. schade!„). die kurzen geschichten werden in der schreibgruppe vorgetragen. nun werden die teilnehmerInnen aufgefordert, aus dem 50-zeichen-krimi, einen 100-zeichen-krimi zu machen. dafür können die geschichten auf ein neues blatt übertragen und noch informationen hinzugefügt werden.

mit hundert zeichen wird dann zusätzlich eine liebesgeschichte verfasst, beide geschichten werden vorgetragen. anschließend werden krimi und liebesgeschichte jeweils auf eine 200-zeichen-geschichte erweitert. zusätzlich soll noch ein dialog mit 200 zeichen geschrieben werden. diese staffelung kann beliebig fortgesetzt werden.

es lässt sich der schreibprozess auch umkehren. als erstes wird eine 200-zeichen-geschichte verfasst, die dann zu reduzieren ist, auf eine 100- und dann 50-zeichen-geschichte. außerdem kann man sich viele weitere variationen überlegen, die durchgespielt und eventuell auch sofort veröffentlicht werden.

web 2.0 und wissenschaft

das forschen für die schublade hat sich ein wenig überlebt, jedenfalls wenn man sich nicht in der drittmittel-finanzierten forschung befindet. bevor das internet sich ausbreitete war es schwierig neueste erkenntnisse und ergebnisse zu verbreiten. wer ein buch veröffentlichen oder in einer fachzeitschrift schreiben wollte, wurde meist aufgefordert, zum herstellungspreis etwas beizusteuern. für junge forscher, die dem universitären prekariat angehörten, ergab sich das problem, dass sie kaum veröffentlichen konnten. doch gleichzeitig spielte die zahl der veröffentlichungen in der wissenschaftskarriere eine große rolle.

das web 2.0 hat die chancen, beachtet zu werden, beträchtlich erhöht. die forschungsergebnisse, die keinen weg in fachzeitschriften oder in bücher finden, können für lau ins netz gestellt werden. gut, da gibt es die konkurrenz der anderen forscherInnen, denen man nicht zu viel erkenntnisse zur verfügung stellen möchte. doch so manche arbeit versauert somit nicht in papierstapeln oder bibliotheken sondern ist im netz abrufbar.

schwieriger scheint auf den ersten blick die qualtitätskontrolle: soll heißen, jeder mensch kann etwas ins netz stellen. wie weit die erkenntnisse wirklich tragfähig sind und neuesten wissenschaftlichen kriterien entsprechen, ist für den laien schwer zu entscheiden. aber es werden in den debatten um gefälschte forschungsergebnisse die vorteile des internet und web 2.0 ignoriert. die öffentlichkeit ist eine größere, die suchmaschinen finden viele veröffentlichungen in windeseile. und somit ist die zahl der menschen, die die ergebnisse korrigieren könnten eine viel größere. ein gutes beispiel dafür ist der vergleich von wikipedia mit lexikonredaktionen und die geschwindigkeit, in der fehler korrigiert werden.

dabei ist natürlich nicht zu ignorieren, dass etliche, vor allen dingen naturwissenschaftliche versuchsanordnungen, nicht so leicht nachvollziehbar sind. und doch ist eher ein diskurs über die ergebnisse möglich, als beim verharren der ergebnisse in der schublade. eine große öffentlichkeit findet schneller die knackpunkte, als ein kleiner kreis. und so werden inzwischen viele arbeiten, die keinen platz in „science“ oder „nature“ finden, auf homepages veröffentlicht.

abseits davon ermöglicht das web 2.0 einen viel leichteren austausch während geforscht wird. man kann anordnungen als film ins netz stellen, man kann messergebnisse in beinahe echtzeit veröffentlichen oder auch nur die nächsten forschungsschritte zur diskussion stellen.

das klingt jetzt alles sehr ideal für die wissenschaften. natürlich ergeben sich auch schwierigkeiten. Weiterlesen

schnickschnack (84)

die wissenschaft kommt in diesem blog viel zu kurz. sie ist oft genug grundlage von kreativen und biografischen überlegungen. das kann nun anders werden. seit geraumer zeit gibt es eine neue abendveranstaltung, die der wissenschaft einen kreativen boden bereitet. angelehnt an die sehr beliebten poetry slams und die powerpoint-karaoke-veranstaltungen, gibt es nun in etlichen größeren deutschen städten so genannte „science slams„.

in zehn minuten seine eigenen forschungsergebnisse lebendig vor publikum vortragen und für den vortrag vom publikum bewertet werden. wissenschaftlerInnen sind aufgerufen sich auf die bühne zu begeben und ihre begeisterung für das eigene forschungsthema nach außen zu tragen. also raus aus den laboren, raus aus den bibliotheken und rein in das nachtleben. es gibt science slams in berlin, in hamburg, in köln und in anderen städten. nähere termin-infos und ein paar fotos finden sich auf der homepage: http://www.scienceslam.de/ .

und in berlin findet der nächste science slam im lido am nächsten dienstag, den 16.11.10 statt. ein kleiner veranstaltungshinweis sei hier gestattet: http://www.lido-berlin.de/events/view/770 . na dann, raus aus den wohnungen, rein in die welt der wissenschaft und noten geben. wenn sich diese bewegung vergrößert, dann wird demnächst schluss sein mit den drögen vorlesungen an den universitäten. wissenschaftlerInnen mutieren dann zu performerInnen. wenn das keine abwechslungsreiche perspektive ist.

nabelschau (31)

spielverderber. wer kennt sie nicht? die asketen, die puritanisten, die bedenkenträger, all die menschen, die es in kurzer zeit schaffen, einem ein schlechtes gewissen zu machen. nicht dass man ihren lebensstil teilen würde, nicht dass man ihren bedenken zu viel raum geben würde. es ist ihre haltung, die sie zu spielverderbern macht.

nehmen wir einmal an, man befindet sich gerade in hochstimmung, man feiert, freut sich oder genießt die welt, wie sie sich einem eben präsentiert. die menschen um einen herum teilen die stimmung, da schiebt sich jemand vor einen, blickt einem vorwurfsvoll ins gesicht und erklärt, dass dies ja gerade gar nicht gehe. ob man denn nicht mitbekommen habe, dass zur zeit auf der welt so viel schlecht verlaufe? wie könne man in solchen momenten nur feiern und genießen? wo nehme man diese verdrängung der bedrohung der menschheit nur her?

man kann sich zwar über den bedenkenträger und mahner lustig machen, aber der stachel sitzt. ja, wie kann man nur so verantwortungslos sein und das leben genießen, obwohl leid und elend herrscht? um sich diese frage zu stellen, benötigt es keine globalisierung, damit all die katastrophen auf der welt näher rücken. schon früher genügte ein blick in die nächste umgebung, um festzustellen, es gibt viel schlimmes um einen herum.

asketen und puritanisten setzen noch eins drauf. sie gehen davon aus, dass man mit seinem genusssüchtigen und rücksichtslosen verhalten die ursache des ganzen elends ist. sie formulieren ihren vorwurf direkter, machen einen sündiger. ob nun schlechtes gewissen oder direkte anfeindung, man kann nicht mehr so gelassen weiter machen, wie man es bis dahin tat. der fluss der freude ist unterbrochen.

nichts anderes haben spielverderber im sinn. denn die diskussion, ob man wegen der weltlage tag und nacht in sack und asche durch die gegend laufen muss, hat man für sich selbst schon geklärt. gesellschaftskritik darf mit lebensfreude einhergehen. und es ist ein deutsches phänomen, dass engagement und politik immer mit leid und verzicht einhergehen müssen. aber spielverderber lassen einen nach der eigenen persönlichen entscheidung nicht in ruhe. Weiterlesen

web 2.45 – tiny_tales

der versuch, ganze geschichten in einen satz zu bringen, war hier schon einmal eine schreibanregung. bei cnn gibt es auch die möglichkeit kurz-kurz-geschichten und -nachrichten loszuwerden. im letzten semester kamen studierende des studiengangs „biografisches und kreatives schreiben“ zum thema „schreiben am computer“ auf die idee, alle teilnehmerInnen des seminars einen text in twitter-größe zu schreiben (also mit 140 zeichen zu verfassen).

es ist erstaunlich, was man in diesen kurzen text für spannende stories packen kann. florian meimberg hat diesen versuch perfektioniert und man kann seine ergebnisse (die in großer regelmäßigkeit getwittert werden) auf seiner seite „tiny tales“. dafür gab es einen preis beim grimme-online-award.

warum also nicht in einer schreibgruppe, die durch die bank von handybesitzerInnen besucht wird, auf die eigene eingerichtete seite geschichten twittern lassen, die dann auch gleichzeitig die weltöffentlichkeit erreichen. das ist der schnellste weg einer eigenen veröffentlichung aus der schreibgruppe und schreibanregung heraus. die schönen ergebnisse von florian meimberg können dafür eine anregung sein. sie sind zu finden unter: http://twitter.com/tiny_tales sorry, der link war dann kurz falsch eingegeben, müsste nun klappen. viel spaß beim lesen und eigenen geschichten verfassen.

schreibpädagogik und spielerisches

es mag menschen geben, die es bei fortbildungen, seminaren oder gruppentreffen mögen, zwischendurch durch den raum zu turnen, bewegungen zu vollführen und sich an so genannten „warming-ups“ zu erfreuen. ich mag das nicht. ich war nie ein freund des sportunterrichts, bewege mich genug und besuche die oben genannten veranstaltungen aus anderen gründen. darum werde ich auch nie verstehen, weshalb man bei schreibgruppen mehr als die hand zum schreiben bewegen sollte (nun gut, die augen dürfen dem schriftzug auch noch folgen).

als schriftliches warming-up bieten sich genug möglichkeiten an. eine der beliebtesten sind schreibspiele. sie führen einen an das schreiben stückweise heran. viele schreibspiele konzentrieren sich auf kurze schriftliche absonderungen, die erst einmal den stift der hand anschmiegen und den arm für längere schreibexkursionen lockern. man hat sich dabei warm geschrieben. nun kann es los gehen. und wie der name „schreibspiel“ schon sagt, rückt erst einmal die ernsthaftigkeit ein wenig in den hintergrund.

jedoch auch wenn es dann ernsthafter zugeht, kann eine schreibgruppe spielerische elemente beibehalten, manchmal beinahe zu viel davon. es kommt nicht selten vor, dass ein unausgesprochener wettbewerb entsteht, wer denn nun den humorvollsten text schreibt. alle möchten die lacher auf ihrer seite wissen. dafür spricht, dass es am schluss der schreibgruppe während des vorlesens der texte zu einer entspannten atmosphäre kommt. dagegen spricht, dass lacher nichts über die qualtität der texte aussagen. es bleibt also in erster linie eine frage der erwartung an die schreibgruppen, ob sie dem humor verpflichtet sind.

doch abseits des spieles mit dem witz, birgt schon jede kreative herangehensweise etwas spielerisches in sich. Weiterlesen

selbstbefragung (64) – spielen

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um den „spielen„.

  • wie reagieren sie, wenn sie merken, dass jemand falsch spielt?
  • mit wem würden sie gern zusammen spielen? zählen sie auf.
  • mit wem möchten sie nie zusammen spielen? warum?
  • welches spiel haben sie als kind am liebsten gespielt? warum?
  • wie reagieren sie, wenn sie verlieren? beschreiben sie.
  • wann wird ihnen ein spiel zu ernst?
  • was für ein spiel würden sie gern erfinden?
  • welche rolle hätten sie gern in einem rollenspiel?
  • machen sie bei lotterien oder anderen glücksspielen mit? begründen sie.
  • wenn das leben ein spiel wäre, wie sieht dann ihr jackpot aus?

biografisches schreiben und kinderspiele

wer in der vorherigen liste noch keine kinderspiele unter den lieblingsspielen vermerkt hatte, kann sich ja noch schnell eine extra-liste anlegen. meine lieblingskinderspiele:

und dann erinnere man sich: im gegensatz zu den heutigen kindern haben wir wahrscheinlich viel mehr gespielt und weniger gepaukt. obwohl wir auch beim spielen viel lernten, viel über fairness, über unsere kräfte und fähigkeiten, über das leben der erwachsenen. kinder spielen gern auch die erwachsenen nach. ob dies nun die kleine reparaturwerkstatt für die fahrräder der freunde war oder die selbstgebauten seifenkisten, die man aufmachte. oder das nachspielen von filmserien, die cowboy-und-indianer-spiele.

ach und dann gab es murmeln, karten, seile oder bälle, die viele möglichkeiten des spielens boten. daneben noch der experimentierkasten, die wälder und wiesen in der nähe, brettspiele, die man nicht beenden wollte oder auch nur das einfache „verstecken spielen“ bis zur dämmerung. es gab so viele varianten des gemeinsamen spielens mit anderen. und erstaunlicherweise ließen viele erwachsene ihre kinder in ruhe, waren sie doch froh mal ruhe zu haben.

beim betrachten der eigenen lebensgeschichte sollten nicht nur die tragischen momente und die problematischen situationen betrachtet werden. auch die einfachen tagesereignisse der kindheit, zu denen neben kindergarten oder schule eben auch die spiele gehörten, hatten einfluss auf unsere entwicklung. manche eltern waren auch damals schon der meinung, dass es wichtigeres für ihre kinder gab als das spielen. sie durften nicht bei der clique dabei sein, mussten damals schon pauken. oder aber auch die kinder, die man nicht mitspielen lassen wollten. meist waren es die jüngeren geschwister der einzelnen, die nervten ja nur. oder es waren die kinder, die nicht verlieren konnten und gleich zu weinen anfingen, wenn sie mal nicht gewonnen hatten.

wenn kinder spielen nehmen sie oft die umwelt überhaupt nicht mehr wahr. Weiterlesen

liste (08) – spielerei

wer lust hat, kann sich diese seite ausdrucken und ausfüllen. ich schlage listen vor, die einem vielleicht einen überblick zu verschiedenen themen der eigenen lebensgeschichte geben können. dieses mal geht es um „spielerei„.

menschen, mit deren gefühle ich gespielt habe:

menschen, bei denen ich das gefühl hatte, dass sie mit meinen gefühlen gespielt haben:

meine lieblingsspiele:

verspielte dinge, situationen oder kunst, die mir am besten gefallen: