schreibpädagogik und gehirnakrobatik

was möchte schreibpädagogik erreichen? salopp formuliert, dass menschen einen unverkrampfteren und kreativen zugang zum schreiben finden. dass menschen sich locker auf den schreibprozess einlassen. dafür werden techniken vorgestellt, werden feedbacks auf geschriebenes gegeben und wird versucht, die angst vor dem weißen blatt oder bildschirm zu nehmen.

eine der folgen der schreibpädagogik ist ein immer wacher geist. der blickwinkel verändert, ja, er erweitert sich. die menschen laufen mit offeneren augen durch ihre umgebung und schnappen anregungen, erlebnisse oder formulierungen auf, die sie oft schon beim aufschnappen in textform, in ein exposé bringen. „lässt sich mit dem erlebten etwas anfangen?“, ist der nicht sehr bewusste gedanke, der im hintergrund abläuft. es liegt wahrscheinlich am training des schreibens, der den kopf immer öfter akrobatiken vollführen lässt.

man kann sich das ein wenig wie im sport oder beim fahrradfahren vorstellen. erst übt und trainiert man viel. man schaut genauer auf die abläufe, sucht nach anregungen, beginnt, seiner fantasie leichter freien lauf zu lassen. nach einer längeren trainingsphase verselbstständigen sich die wahrnehmungsprozesse und verarbeitungen im gehirn. irgendwann ist man an dem punkt, dass man einmal fahrradfahren gelernt hat und es nie wieder verlernt.

so ähnlich kann man sich das mit der wirkung der schreibpädagogik für das eigene schreiben vorstellen. einmal gelernt, verlernt man das „andere“ schreiben eigentlich nicht mehr. gut, einzig schreibblockaden können einen stoppen. diese form der blockade taucht beim radfahren doch eher selten auf, dafür kann man einen platten bekommen.
faszinierend ist jedenfalls, wie das gehirn im hintergrund fleissig seine tätigkeit aufnimmt. man scannt die welt intensiver, zumindest berichten davon viele, man assoziiert öfter und man malt sich fortführende szenarien aus.

anscheinend ist die gehirnakrobatik so anstrengend, dass für anderes nicht mehr viel speicherkapazität bleibt. wenn man also eine idee entwickelt hat, dann sollte man sie sich am besten sofort notieren, denn eine stunde später ist sie auch schon wieder weg. grund dafür könnte aber auch sein, dass mehr ideen produziert werden, weshalb die neue sofort die alte idee verdrängt. es gibt theorien, die besagen, dass im gehirn sowieso ein grundrauschen und arbeiten existieren würde, damit auf eindrücke schneller reagiert werden kann. durch schreibpädagogik wird das rauschen wohl noch ein wenig verstärkt und vor allen dingen die kreative und schreibende ecke im hirn auf touren gebracht.

das erstaunliche an der schreibpädagogischen gehirnakrobatik ist, dass sie selten anstrengend erscheint. eher das gegenteil ist der fall: die produktion von kreativen ideen, das durchführen von schreibprozessen, das schöpferisch sein, empfinden viele menschen als entspannend, als ausgleich für die stupideren denkleistungen und den negativen stress. auf den punkt gebracht, kann man sagen: wer sich der schreibpädagogik zuwendet, muss für seine neuronale fitness keine kreuzworträtsel mehr lösen. und als kleine dreingabe erscheint das eigene leben ereignisreicher. na dann, zum stift gegriffen und gleich mal ein freewriting gemacht.

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