Tagesarchiv: 24. Dezember 2010

kreatives schreiben und sport

sport ist in geschichten und literatur selten ein thema. es gibt berichterstattungen vom sport, es gibt biografien von sportlerInnen oder auch mal die eine oder andere spannungsgeladene sportliche motivationsgeschichte. aber meist steht sport nicht im vordergrund der stories. protagonistInnen können sportlerInnen sein, aber der plot der geschichte dreht sich selten um das leben mit und für den sport. eigentlich ein manko, den die sportwelt, vor allen dingen die leistungssportwelt, gehorcht ganz eigenen regeln. in krimis und thrillern lässt sich diese welt öfter wiederfinden. aber in romanen, gedichten und kurzgeschichten fühlt sich der sport nicht aufgehoben.

dabei bietet die sportwelt viele anknüpfungspunkte an themen wie ehrgeiz, neid, konkurrenz, wettkampf oder eben auch selbstquälerei, verzweiflung, niederlage oder verletzungen. man kann es heutzutage noch erweitern um intrigen, doping und betrug. eigentlich alles eigenschaften und emotionen, die eine gute geschichte ausmachen können. wie verbringt zum beispiel jemand sein leben, nachdem er schon als kind in den leistungssport einstieg, bis zum dreissigsten lebensjahr ständig erfolge feierte, zum adrenalin-junkie wurde und keine zeit für sich selber hatte? warum verlässt man den spitzensport nicht, wenn nur noch selbstquälerei die erfolge aufrecht erhalten kann? was passiert mit einem, der zur handelsware zwischen vereinen wird und einer modernen form des menschenhandels unterliegt?

und wenn dann noch die verbreiteten tragiken in die grundsituation hineinspielen, also krankheit, tod, liebe, selbstfindung, die frage nach dem sinn des lebens aufgeworfen wird, dann hat man eigentlich eine schöne vorlage für geschichten, die fesseln und menschen bewegen. Weiterlesen

„das lesikon der visuellen kommunikation“ von juli gudehus – ein buchtipp

nein, es handelt sich um keinen tippfehler, es sollte nicht „lexikon“ heißen, „lesikon“ ist eine schöpfung der autorin. lesikon deutet schon darauf hin, dass viel zu lesen ist, doch erst beim aufschlagen fällt auf, dass nicht ein bild zum thema visuelle kommunikation auftaucht. wenn man nicht anfängt zu lesen, dann mag der erste eindruck abschreckend sein. abgesehen von den 3000 seiten sind die stichworte noch nicht einmal wirklich alphabetisch sortiert.

aber wenn man beginnt, zu lesen, dann begeistert man sich in kürzester zeit für dieses buch, selbst als laie in bezug auf die visuelle kommunikation. das ganze buch ist ein großer spieltempel, ein assoziationskatalog riesigen ausmaßes. am besten verstrickt man sich in das buch gleich neben seinem internetfähigen computer. denn nicht nur die vielen querverweise, der labyrinthische aufbau machen einen unbändigen spaß, zu den meisten begriffserklärungen wird auch noch eine internetseite erwähnt. mal als fundort der beschreibung, mal als verweis auf mehr. dabei kann man seltsame entdeckungen machen. irgendwie scheint das buch wie surfen im lexikon oder cloud-computing in gedruckter form mit digitaler ergänzung.

die autorin juli gudehus hat neun jahre lang zusammengetragen, was auch nur im entferntesten mit visueller kommunikation zu tun hat. und da das ganze leben mit visueller kommunikation zu tun hat, findet sich auch zu beinahe allem etwas. von der ersten minute an kann man sich der sogwirkung „des lexikons der visuellen kommunikation“ nicht entziehen. da es keine übliche lexikalische struktur gibt, sondern das buch im untertitel als collage bezeichnet wird, sollte man es auch so handhaben. in jeder ecke eine kleine anregung. man kann ihr folgen, man kann einfach weiterlesen, man kann querverweise aufsuche oder eben das internet.

also alles in allem ein wälzer der anregungen, sowohl fachlicher als auch kreativer. ja, wenn der aufwand nicht so groß wäre, wünschte man sich noch mehr lesikone, zum beispiel über das schreiben, das hören und schmecken. doch schreibanregungen findet man auch in diesem buch und noch viele anregungen für die eigene werbung. nur für die quellenangaben würde man sich eine kleine leselupe wünschen. das buch ist 2010 im verlag hermann schmidt in mainz erschienen. ISBN 978-3-87439-799-5

p.s.: aufmerksam geworden bin ich auf das buch durch die sendung „druckfrisch“ in der ard. manchmal klappt das doch mit dem bildungsauftrag 😉