Tagesarchiv: 3. Januar 2011

biografisches schreiben und vorsätze

jeder kann an einen punkt geraten, an dem er sich eigestehen muss, dass es so nicht weitergehen kann. das kommt meist nicht nur einmal im leben vor, sondern wiederholt sich in regelmäßigen abständen. gründe gibt es viele dafür: man möchte vertrauen, glauben, nicht immer der miesmacher sein, gut zu allen sein … . also begibt man sich in situationen, macht etwas, das sich später als ein fehler herausstellt. man findet sich nach einem fiasko im chaos wieder.

dies ist die zeit der guten vorsätze. man möchte von grundauf vieles ändern. dies ist die fähigkeit, die den menschen vom tier unterscheidet: situationen reflektieren zu können und sein handeln daraufhin ändern zu können. auch die änderungen im verhalten bleiben oft genug ergebnisoffen, da man nicht abschätzen kann, wie sich etwas entwickelt. aber änderungen erscheinen sinnvoller, als den status quo beizubehalten.

beim biographischen schreiben sind gerade die umbrüche, die selbstbestimmten veränderungen die interessanten. wie hat ein mensch es geschafft aus einer verfahrenen situation wieder rauszukommen? wie konnte jemand seine sucht los werden? wie konnte jemand die tretmühlen so leicht verlassen?

schauen sie doch einmal bei sich selbst, welche gewichtigen vorsätze sie sich in ihrem leben vorgenommen haben und was aus den folgenden handlungen wurde. würden sie sich als konsequenten menschen bezeichnen? haben sie sich damit gutes getan oder eigentlich nur tiefer in den sumpf begeben? auf welchen reflexionen basierten ihre vorsätze? und vor allen dingen, wie selbstbestimmt waren ihre entscheidungen wirklich?

denn bei genauerer betrachtung kann man oft feststellen, dass nicht reflexionen grundlage der vorsätze und entscheidungen waren, sondern die angst. menschen unterschätzen regelmäßig ihre angst vor der welt da draußen. Weiterlesen

wortklauberei (59)

„der vorsatz“

es ist schwer, wenn man den jahreswechsel dazu nutzt, alles ändern zu wollen. denn schon zwei wochen später stellt man fest, dass sich das leben nicht so leicht ändern lässt, wie man es sich vorstellte. aber was soll´s, man kann auf den nächsten jahreswechsel warten und sich wieder etwas vornehmen. ja, man hat die absicht etwas zu tun, etwas zu ändern. man benennt gute „vorsätze“ für das neue jahr.

der „vorsatz“ steht aber vor keinem satz. sonst wäre ein vorsatz „ähem“ oder „apropos“ oder „also“, aber eben keine absicht. dabei wären vorsätze, wie ähem, apropos und also, wahrscheinlich die sinnvolleren. aber der mensch ist bemüht sich beständig zu bessern, mehr zu erreichen. da braucht etwas vor jedem satz, etwas, bevor man zum sprung ansetzt. sonst macht man den großen satz, den sprung in die falsche richtung.

die demonstrantInnen von stuttgart 21 haben dies erkannt. sie wollen nicht nur eine änderung der bauvorgaben, sie wollen auch gleich sich ändern. da nehmen sie sich viel vor. um ihre haltung zu bestärken, legten sie gemeinsam gelübde ab, die fragwürdig, wie jeder vorsatz sind. so konnte man im tv sehen, dass sie alle die aussage trafen: „ich sage nie wieder alternativlos“.

dieser vorsatz muss aus dem managment kommen, aus der mitarbeiterschulung. für jedes problem gibt es eine lösung, man muss sich nur ordentlich anstrengen, bei jeder handlung sollte schon die alternative mitgedacht werden. ein vorsatz, der nach hinten losgehen kann. der eigentliche vorsatz ist in diesem zusammenhang wohl „ich sage nie wieder …“. und ich antworte mit dem nachsatz: „sag niemals nie“.

denn sonst landet man mit dem vorsatz bei „ich sage nie wieder bedingungslos“, „ich sage nie wieder haltlos“ oder „ich sage nie wieder vorsätzlich“. sollte man die vorsätze wegen ihrer unerfüllbarkeit abschaffen, dann sollte man aber darauf bestehen, dass der nachsatz bleibt. der ist viel wichtiger und kann richtig gehaltvoll krachen. habe mit vorsatz diesen schwachsinn geschrieben. sorry.