schreibberatung und vorsätze

„ja, heute setze ich mich hin und schreibe endlich. die frist wird schon knapp. aber ich habe mir einen zeitplan erstellt. wenn ich jeden tag drei stunden an der arbeit schreibe, dann schaffe ich es gut bis zum abgabetermin. ist ja klar, dass jetzt das telefon klingelt. nein, ich geh nicht ran. aber es könnte doch der anruf sein, auf den ich schon so lang warte. na gut, aber nur kurz.

mist, jetzt hat das gespräch wieder so lang gedauert. war aber nett. es muss ja auch noch privates neben der arbeit geben. ich habe hunger. schnell was kochen und essen, dann schreibt es sich viel konzentrierter. ich kann mich beim kochen immer ganz gut entspannen. vielleicht kann ich mir noch ein paar gedanken zur abschlussarbeit machen. irgendwie fehlt der rote faden noch. kann ja mal zettel und stift in die küche legen.

na viel ist da an ideen nicht rüber gekommen. ich bin so satt und so müde. ein kurzes mittagsschläfchen wird mich erfrischen. … oh je, ich würde die schon alle gern mal wieder treffen. aber heute abend? ich muss mich doch an meine arbeit setzen. habe heute noch keine zeile geschrieben. aber wann sehe ich sie alle mal wieder. und wie sieht eigentlich die küche aus? da muss ich erst mal klar schiff machen, dann ist es für die nächste zeit ordentlich und ich kann mich besser auf die arbeit konzentrieren. doch, ich geh da heute abend hin, so schnell ergibt sich die möglichkeit nicht mehr, alle zu sehen.“

solche situationen kennt fast jeder. man hat den ganzen tag was gemacht, nur nicht das geschrieben, das wichtig wäre. dabei hatte man sich so viel vorgenommen und so einen tollen zeitplan gemacht. aber jede mögliche ablenkung scheint willkommen, um nur nicht vor dem leeren blatt oder weißen bildschirm zu sitzen. gründe für das aufschieben kann es viele geben. man hat nicht das gefühl, dass einem was einfällt. es fehlt einem eine klare struktur für den text. der text soll perfekt werden, aber alle versuche waren bis jetzt mittelmäßig. es sind noch so viele andere dinge zu erledigen. …

durch dieses verhalten wird der berg an noch zu schreibendem immer größer und der druck nimmt zu. dies blockiert ein entspanntes schreiben. und irgendwann erscheint die zu bewältigende aufgabe so groß, dass der drang sie zu umgehen noch stärker wird und alles unbewältigbar erscheint. da helfen dann auch keine guten vorsätze mehr.
bei einer schreibberatung könnte thematisiert werden, wie gut vorsätze wirklich sind. sie erhöhen erst einmal nur den druck, da sie ein korsett für das schreiben schnüren. viel sinnvoller scheint es, einfach nur drauflos zu schreiben. dies kann in wirklich minimalen zeitrahmen stattfinden. zehn minuten freewriting, um überhaupt etwas zu schreiben und langsam in den schreibfluss zu kommen.

und dann wäre natürlich zu schauen, wie hinderlich vorsätze und ansprüche sein können. man verliert bei wichtigen schriftlichen arbeiten gern aus den augen, dass man jeden text überarbeiten und umstrukturieren kann. heutzutage ist das mit dem computer kein großer zusätzlicher aufwand. die phasen des schreibens von abschlussarbeiten sorgen sowieso für zusätzlichen stress, da im hinterkopf immer wieder schlechtes gewissen herrscht. da kann schon überhaupt etwas geschriebenes sehr entlasten, auch wenn es nicht perfekt ist. also, lieber die guten vorsätze mal beiseite schieben und einfach aufschreiben, was einem durch den kopf geht.
leichter gesagt als getan, aber sonst kann ja schreibberatung weiterhelfen.

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