web 2.0 und selbsthilfe

ich habe hier schon öfter erwähnt, dass das internet und vor allen dingen das web 2.0 eine gute möglichkeit sein kann, nischen zu finden. zu diesen nischen gehört es auch, dass man menschen mit den gleichen interessen oder fragestellungen finden kann. je weiter sich das internet verbreitet, desto leichter wird es sein „gleichgesinnte“ zu finden. dies kann bei einem hobby, bei der partnersuche oder bei der buchung des ferienhauses sehr hilfreich sein. man kann darum auch nach menschen mit der gleichen seltenen krankheit oder mit den gleichen problemen suchen.

zudem ist es hilfreich, dass man beinahe die ganze gesellschaft bei dieser suche erreicht. so lässt sich inzwischen über das internet lokal aber auch bundesweit eine selbsthilfegruppe gründen. diese selbsthilfegruppen können sich weiter in der digitalen welt bewegen, indem man foren oder chats einrichtet. man kann die gegründete gruppe aber auch in die reale welt verlegen und gruppentreffs über das internet verbreiten. und es lassen sich inzwischen zu beinahe jeder problematik, krankheit oder störung informationen finden. das allein ist schon hilfreich, um sich seiner eigenen situation zu vergewissern.

dazu kommt, dass das internet und im besonderen das web 2.0 ein angebot für menschen ist, die aufgrund ihrer schwierigkeiten die wohnung nicht verlassen können. früher hat das telefon diese aufgabe erfüllt, jedoch bietet das internet viel mehr möglichkeiten. doch wie soll man all die gruppen ausfindig machen, über welchen weg kontakt mit gleichgesinnten aufnehmen? sucht man einmal zu einer speziellen krankheit, finden sich oft eher bücher, medizinische homepages oder wissenschaftliche veröffentlichungen. plötzlich muss man sich durch unzählige suchergebnisse klicken.

in deutschland gibt es eine zentrale einrichtung, die die daten der selbsthilfe bündelt und das wissen anderen zur verfügung stellt: „nakos“ ( http://www.nakos.de ). wer sich also auf der suche nach bestimmten angeboten befindet, kann diese in den datenbanken auf bundesebene oder in den selbsthilfedatenbanken der bundesländer suchen. die homepage von nakos bietet verschiedene datenbanken auf ihren „grünen“, „blauen“, „roten“, „gelben“ oder „orangenen seiten“ an. darunter finden sich zum beispiel auch kontaktgesuche von betroffenen seltener krankheiten, also menschen, die eventuell selbsthilfegruppen gründen wollen.

doch es ist nicht alles hübsch im web 2.0. es gibt teilweise zu viele foren (im speziellen bei psychischen störungen), die kaum moderiert werden. wenn man dort einmal reinschaut, wird man schnell feststellen, dass hier menschen versuchen, sich gegenseitig zu beeinflussen und zu kontrollieren. dabei wird der eigentliche wunsch nach austausch und anteilnahme gern mal aus den augen verloren. dies sind zwar bekannte gruppendynamiken, sie können aber unmoderiert mehr schaden anrichten, denn selbsthilfe bieten. sucht man also nach unterstützung, sollte man genau schauen, in welches forum, in welchen chat man sich begibt. und merkt man, dass jemand schriftlich übergriffig wird, dann sollte man sich in diesem moment wehren.

zu den möglichkeiten des web 2.0 in bezug auf die selbsthilfe findet man bei nakos auch die dokumentation einer fachtagung, die vor ein paar monaten stattfand. diese kann anregung für weitere diskussionen und vorgehensweisen zur selbsthilfe im internet sein. außerdem gibt es einen informationsband zur „internetbasierten selbsthilfe„, er ist hier zu finden: http://www.nakos.de/site/materialien/fachinformationen/konzepte/?text_key_:int=5110&back_=true .

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