schreibberatung und kontrolle

menschen, die in die schreibberatung kommen, üben schon oft sehr viel selbstkontrolle aus und setzen sich unter erwartungsdruck. in der schreibberatung wird versucht, erst einmal das enge korsett an kontroll- und sanktionsmechanismen durch „losschreiben“ abzuschwächen. dabei werden die beraterInnen meist mit der widersprüchlichen situation konfrontiert, dass die ratsuchenden auf der einen seite sich selber streng bewerten und kontrollieren, auf der anderen seite die eigenen ansprüche nicht einhalten können und ausweichhandlungen suchen.

letztendlich arbeitet man dann gemeinsam an zwei fronten. an der einen geht es darum, dass das geschriebene nicht sofort perfekt sein muss, nicht jeden wichtigen gedanken enthalten und vor allen dingen nicht die letzte version sein muss. an der anderen front geht es darum, dass die prioritäten, nämlich der abgabetermin, wieder in den fokus rücken sollte, und somit ein erstellter zeitplan einzuhalten wäre, um spielraum für veränderungen und neue ideen zu haben.

wichtig erscheint mir dabei, dass die eigentlich vorgehensweise die ratsuchenden bestimmen. sie müssen die entscheidung treffen, welche arbeitsweisen und welche schreibtechniken ihnen liegen und ihnen helfen. es macht keinen sinn, wenn schreibberaterInnen ihnen diese entscheidungen abnehmen. geschieht dies, ist die gefahr groß, dass die „anweisungen“ umgangen werden, da sie auf keinem eigenen interesse gründen.

letztendlich geht es bei den beratungen um ein sukzessives umdenken, das auch seine zeit benötigt. umdenken lässt sich am ehesten durch positive erfahrungen mit dem schreiben erlangen. hierfür sind die hier schon oft genannten schreibtechniken ein gutes mittel. denn mit relativ wenig aufwand können aussagekräftige und selbstgeschaffene texte entstehen. die aufgabe von schreibberaterInnen ist keine kontrolle der texte, sondern ein motivierendes und ehrliches feedback. schwachstellen müssen benannt werden, sollten aber nicht die oft schon vorhandene selbstkritik der ratsuchenden verstärken.

wenn in der schreibberatung gemeinsam weitere übungsschritte geplant werden, dann kann es auch zu einer abmachung über kontrollen kommen. so können die schreibberaterInnen beauftragt werden, an bestimmten tagen telefonisch nachzufragen, ob die abgesprochene übung absolviert wurde. doch mehr kann und sollte nicht geleistet werden. der telefonanruf soll nur an den aktuellen fokus erinnern, aber nicht zu einem beratungsgespräch werden. außerdem muss solch eine erinnerung durch die beraterInnen von den ratsuchenden explizit gewünscht werden.

die letztendlich verantwortung für den schreibprozess bleibt immer bei den schreibenden. die verantwortung abzunehmen scheint zwar erst einmal edel, führt aber zu einer unerwünschten abhängigkeit bei den ratsuchenden. der klassische ausdruck „hilfe zur selbsthilfe“ und die ressourcenorientierung der beratung greifen auch in der schreibberatung. denn die hohe selbstkontrolle und der enorme erwartungsdruck, die zu einer schreibkrise führen könne, sind meist erlernte mechanismen, die wiederum auf situationen mit sehr hoher kontrolle und eventuell mit strafen verweisen. das sollte nicht wiederholt werden, sondern dem etwas entgegengesetzt werden.

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