kreatives schreiben und digitale öffentlichkeit

das kreative schreiben ist ein spielerisches schreiben, verfolgt erst einmal nicht den anspruch große literarische entwürfe zu produzieren. doch das kreative schreiben kann die vorstufe zu grossem sein. je mehr menschen das web 2.0 nutzen, um so mehr spass kann es machen, die interaktiven möglichkeiten auch für virtuelle schreibgruppen oder ähnliches zu nutzen. ganz abgesehen von der option, eigene texte leicht der weltöffentlichkeit zugänglich machen zu können.

trotz dieser leichtigkeit ist nicht zu unterschätzen, dass auch die veröffentlichung im web 2.0 eine gehörige portion überwindung kostet. es ist etwas anderes einen text in der schreibgruppe vorzulesen oder einen text einer digitallen menschenmenge zur verfügung zu stellen. in der schreibgruppe habe ich ein reales gegenüber, kann ich sofort einen diskurs führen, sollte es begeisterung oder schwierigkeiten geben. im netz geschieht dies mit zeitverzögerung und mit menschen, die ich nicht wirklich kenne, die nicht unbedingt real sind, also dem entsprechen, was sie selber über sich angeben.

es scheint mir wichtig, sich dies vorher bewusst zu machen. die jüngere generation kennt meist aus anderen zusammenhängen die schwierigkeiten der virtuellen realität. sie hat einen umgang damit gefunden, dass vieles im web 2.0 nicht unbedingt das darstellt, was real vorhanden ist. die ältere generation scheut diesen zustand nicht selten, da eine form der kontrolle abhanden kommt, die eine schreibgruppe bietet. doch eine virtuelle gruppe kann ich ebenso verlassen, wie eine reale. ich kann versuchen einen diskurs zu führen, wie ich es in der schreibgruppe auch kann. in der schreibgruppe kann ich mir ebenso nicht sicher sein, ob mein gegenüber meine reaktion wahrnimmt.

vor einer sache sollte ich mich aber im digitalen kontext schützen: die kritiken, die mir ungerechtfertigt scheinen, zu ernst zu nehmen. es gibt einfach scherzkekse, die nichts anderes vor haben, als streit vom zaun zu brechen. manchmal erschöpfen sich dann feedbacks in diskussionen um den tonfall der kritik. oft kann man zwar eine menge unterstützerInnen finden, aber diese diskurse kosten energie. das web 2.0 und digitale öffentlichkeit ähneln eher der situation, wenn ich ein buch veröffentliche, denn einer schreibgruppe. bei der buchveröffentlichung kenne ich die leserInnen auch nicht, weiß nicht, wie sie mit dem geschriebenen umgehen und kann die kritiken in medien nicht beeinflussen.

ein riesiger vorteil gegenüber der realen schreibgruppe bietet das internet trotz allem: es ist sehr viel leichter, menschen zu finden, die ähnliche interessen haben, wie ich. dadurch ist die chance groß, dass der austausch über das geschriebene für mich fruchtbarer wird. und wer sagt denn, dass die digitale öffentlichkeit nicht irgendwann zumindest teilweise zu einer realen werden kann. doch die entscheidung, mit selbstgeschriebenem, auch wenn es nur spielerisch entstanden ist, an die öffentlichkeit zu gehen, kann einem niemand abnehmen. einen versuch ist es wert.

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