kreatives schreiben und verirren

wie schon beim verirren während des verfassens einer abschlussarbeit kann man sich beim kreativen schreiben auch in der eigenen geschichte oder im eigenen text verheddern. doch hier gehört es eher zum schreiben dazu als bei wissenschaftlichen arbeiten.

viele große romane sind dadurch entstanden, dass die autorInnen ihren protagonisten freie hand ließen und schauten, wo die story letzten endes landete. sie konnten nicht vorhersagen, wie alles verlaufen wird. bei diesem schreibkonzept ist das verirren mit eingeplant und übernimmt sogar die funktion die geschichte am laufen zu halten. sicher, es gibt schriftstellerInnen die anders vorgehen und auch große romane verfassen, aber es geht auch anders.

einzige gefahr bei dieser form des schreibens: ich kann in einer sackgasse landen. das kann bei manchen geschichten oder romanen eine interessante irreführung für die leserInnen sein (vor allen dingen bei kriminalromanen), kann aber auch dazu führen, dass man ganze kapitel, abschnitte oder protagonisten rausschmeissen muss. die sackgasse würde den lesefluss unterbrechen und die frage aufwerfen, wozu erzählen uns dies die autorInnen.

ähnliches kann bei gegebenen schreibanregungen geschehen. plötzlich tauchen assoziationen auf, die überhaupt nichts mehr mit der anregung zu tun haben. auch dies ist legitim, kann die fantasie anregen und unterliegt keiner bewertung. denn es gibt nicht die vorgabe des „richtigen“ und „falschen“ assoziierens. schreibende haben immer die freiheit, das zu thematisieren, das ihnen gerade in den kopf kommt oder für sie in dem moment große bedeutung hat. es ist dann zum beispiel eher von der schreibgruppe auszuhalten, dass sie texte zu hören bekommen, die von der anregung weit fortführen.

wirkliche bezüge mussten nur im schulaufsatz hergestellt werden. das kreative schreiben bietet immer einen gelassenen umgang mit dem „verirren“. für außenstehende mag dies beliebig wirken. beliebig ist aber nur die wahl der worte. die schreibenden können sehr wohl einen gedankliche bezug zur scheibanregung oder aufgabenstellung herstellen. dieser muss normalerweise nicht offengelegt werden. was bringt es den leserInnen oder zuhörerInnen, zu wissen, wie die idee für die geschichte entstanden ist? das hauptaugenmerk sollte auf der geschichte selber liegen. wenn einen der werdegang brennend interessiert, kann man die autorInnen ja mal fragen. außerdem kann es sein, dass sich die nächste geschichte wieder ganz eng an die schreibanregung anlehnt.

nur wenn bei jeder schreibanregung eine person immer geschichten ohne ersichtlichen bezug verfasst, kann man mal nachfragen, weshalb die person sich regelmäßig „verirrt“. vielleicht existiert eine ausufernde fantasie oder es entstehen eben assoziationen, die einen anderen weg einschlagen.

abgesehen von all diesen verirrungen kann das verirren noch eine ganz andere rolle beim kreativen schreiben spielen. das verirren kann bestandteil der schreibanregung sein. beschreibe man doch einmal eine person, die sich verirrt hat. oder verfasse man eine geschichte, deren handlung sich verirrt und in der sackgasse landet. bei der schreibanregung sind den verirrenden ansätzen keine grenzen gesetzt. da handlungen vor allen dingen durch ausnahmesituationen spannend werden, darf das verirren eine große rolle spielen.

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