schreibpädagogik und irrtümer

die schreibpädagogik ist weiterhin kein eindeutiges, klar umrissenes fach, keine festgelegte profession oder grundlage einer institution. die schreibpädagogik versucht die vermittlung des schreibens zu umfassen, in ein wort zu hüllen. dabei gehen die meinungen, wie dies aussehen kann, auseinander.

der häufigste irrtum besteht in der verwechslung, überhaupt schreiben zu vermitteln gehöre zum gebiet der schreibpädagogik. also schreibpädagogInnen begeben sich in die grundschulen oder zu analphabetInnen und bringen ihnen buchstabe für buchstabe das alphabet, die worte bei. nein, die schreibpädagogik setzt zumindest zum teil voraus, dass man unser schreibsystem kennt, auch wenn die worte und deren verwendung nicht bekannt sein müssen.

ein weiterer irrtum besteht darin, dass schreibpädagogInnen das schöne schreiben, oder auch „schönschreiben“ genannt, vermitteln. also mit menschen üben, eine leserliche, sich an die konventionen der schreibschrift haltende schrift zu erhalten. auch wenn es sich dabei um einen form des schreibens handelt, schaut die schreibpädagogik eher auf den inhalt, denn auf das schriftbild.

auch die vermittlung verschiedener schreibarten ist nicht aufgabe der schreibpädagogik. also es wird nicht schreibschrift, zehn-finger-schreibsystem, die verwendung von schriften am computer oder dergleichen mehr vermittelt. auch das schriftbild interessiert die schreibpädagogik nur als möglichkeit, wie man sich mit einer visuellen anordnung ausdrücken kann.

das wäre vielleicht eine mögliche beschreibung der schreibpädagogik: sie vermittelt varianten des schriftlichen ausdrucks. was kann ich mit sprache machen? wie erhalte ich einen ausdrucksstarken und vermittelnden schreibstil? wie finde ich inhalte und wie lassen die sich dann schriftliche umsetzen? wie strukturiere ich texte? wie entwickle, assoziiere ich ideen und fantasien und wie kann ich diese anschließend auf das papier bringen? und vor allen dingen, wie wirken meine ergebnisse auf andere?

„schreibpädagogik“ ist ein unklarer begriff, doch eine alternative hat sich bis heute nicht gefunden. wir haben erstaunlich wenige begriffe für das schreiben an sich. wir unterscheiden vielleicht zwischen tippen, kritzeln und schmieren, also der handwerklichen umsetzung des schreibens, aber nicht die art und weise des schreibens. dazu benötigen wir adjektive, wie „kreatives“, „biografisches“, „szenisches“ oder auch „wissenschaftliches“. da bleibt es unausweichlich, dass es zu irrtümern kommt.

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