schreibberatung und mut zur langsamkeit

wer in die schreibberatung kommt, steht meist unter zeitdruck. es muss etwas fertiggestellt, abgegeben oder konzipiert werden. wenn dann noch eigene hohe ansprüche oder erwartungen dazu kommen, dann steigt der stresspegel und das arbeiten fällt beständig schwerer. in diesen momenten müsste eigentlich die notbremse gezogen werden, um sich dem schreibprozess anders annähern zu können.

doch wie kann man vermitteln, dass es auch unter zeitdruck hilfreich sein kann, sich zeit zu nehmen, um schritt für schritt wieder in den schreibprozess einzusteigen? neben der vermittlung von schreibtechniken sollte aufgeschlüsselt werden, wie schreibende sich selber unter druck setzen. dies ist ein prozess, der eine gewisse zeit benötigt. denn man hatte gelernt, dass man an sich selber hohe ansprüche zu stellen hat. es geht darum zu erkennen, dass keine bestrafung und große sanktion erfolgt, wenn das endergebnis nicht ganz perfekt ist.

der lernprozess, nicht gleich mit dem schlimmsten zu rechnen, wenn das geschriebene nicht den eigenen ansprüchen genügt benötigt zeit. logisch können viele ratsuchende die grundsituation erfassen. sie sehen, dass sie durch die hohen erwartungen an sich selber eher zu gar keinem ergebnis kommen, dass sie sich selber im wege stehen. aber emotional ist ein veränderungsprozess schwer umzusetzen, ist es nicht leicht umzulernen.

beraterInnen können im laufe der zeit vermitteln, dass kleine schritte nacheinander überhaupt wieder in den schreibprozess führen, ja sogar ergebnisse hervorbringen. doch gleichzeitig kommen beraterInnen nicht drumherum, den mut zur langsamkeit zu thematisieren. wenn man sich schritt für schritt wieder dem schreiben annähert und gleichzeitig versucht, die selbstbewertung in angemessen bahnen zu lenken, dann benötigt dies zeit. so muss neben der vermittlung von schreibtechniken einhergehen mit regelmäßigen beratungen, in denen die angst vor dem versagen thematisiert werden kann.

der mut zur langsamkeit wird mit wieder selbst geschaffenen texten belohnt. mit texten, die sinn ergeben und kleine erfolgserlebnisse vermitteln. in der folge geht es darum, dieses auch so zu „verbuchen“. dazu braucht es unterstützung. man benötigt jemanden, der einem immer wieder aufzeigt, wann man anfängt sich abzuwerten. jemanden, der aufzeigt, dass die langsamkeit mehr hervorbringt, als die gehetzten, gestressten situation, die eventuell zu gar keinem schreibergebnis führen. es lohnt sich, mit den ratsuchenden gemeinsam schreibübungen durchzuführen und dabei die emotionalen zustände zu thematisieren.

was geht den klientInnen durch den kopf? wie werten sie das ergebnis? wie fühlt es sich für sie an, überhaupt wieder geschrieben zu haben? was denken sie über die entstandenen texte? wann setzt die ungeduld mit sich selber ein und wie kann man diese ungeduld reduzieren? die beratungen sind relativ komplex, aber es lohnt sich, die vorteile einer gelassenen herangehensweise auch in situationen voller stress zu vermitteln.

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