Tagesarchiv: 6. Februar 2011

nabelschau (36)

fremdschämen. eigentlich denkt man, irgendwann hat man sich daran gewöhnt. das muss doch mal klappen, dass man diese sendungen im fernsehen sehen kann, ohne recht schnell umschalten zu müssen. doch das geht nicht. nein, es wird eher schlimmer. von mal zu mal denkt man sich, wie können menschen sich so zum affen machen. man möchte ihnen nicht zusehen, wie sie all ihre selbstachtung über den haufen werfen und sich von jemandem öffentlich beschimpfen oder vorführen lassen.

casting, dschungel, kampfschlösser oder einsame inseln, ja sogar container bieten genug platz für fremdschäm-reize. wie sagte einer der moderatoren und richter in der eigenen werbung? „euern träumen und tränen werde ich ein zuhause geben.“ aua, auuuuaaaa, das hält man doch nicht aus. ein zuhause beschützt und behütet mich, es ist der rückzugsort gegenüber all den anmutungen von außen. doch das hier propagierte zuhause ist kein schutzraum. genau das gegenteil ist der fall.

beim fremdschämen mag es immer der fall sein, dass die personen, die die scham bei einem auslösen, alles gar nicht so tragisch sehen. aber von außen betrachtet möchte man es einfach nicht betrachten. der vorteil vom fernseher: man kann umschalten. im alltag wird das schon schwerer. da merkt man, wie jemand vollständig aus der rolle fällt. da möchte man dazwischen springen und „stopp!“ rufen. doch keine chance, es geht weiter.

in diesen momenten hat man einzig die möglichkeit, den raum oder ort zu verlassen, sich der situation nicht mehr auszusetzen. doch das ist leichter geschrieben als getan. man kann ja menschen nicht einfach stehen lassen. doch man kann schon. Weiterlesen

arbeitszeugnisse formulieren und entschlüsseln – ein buchtipp

es gibt noch ein weiteres schreiben neben dem kreativen, dem biografischen, dem wissenschaftlichen oder dem philosophischen: das bürokratische schreiben. ob es sich nun um finanzanträge, arbeitsberichte, protokolle oder briefwechsel mit behörden handelt, die sprache ist jeweils eine ganz eigene. am augenfälligsten wird dies bei beurteilungen und arbeitszeugnissen. denn als laie klingen die meisten zeugnisse gut. doch als leiter einer personalabteilung ergeben sich aus den formulierungen noten.

es wird wahrscheinlich nur bei nachrichten von geliebten so viel zwischen den zeilen gelesen wie bei arbeitszeugnissen. denn noten dürfen nicht gegeben werden, es geht um eine gerechte beurteilung der arbeitsleistung. doch im hintergrund haben sich längst codes eingeschlichen, die einer benotung gleich kommen. faszinierend, dass sie so selten offengelegt werden.

darum erscheint das buch von christian püttjer und uwe schnierdaarbeitszeugnisse formulieren und entschlüsseln – mit 50 beispielzeugnissen, 400 formulierungshilfen und extratipps für zwischenzeugnisse“ sehr hilfreich. die beiden zeigen sowohl fehler bei selbstformulierungen aber vor allen dingen versteckte botschaften bei formulierungen durch den arbeitgeber auf. und sie geben beispiele, wie man es besser machen kann.

mehr muss man zu dem buch gar nicht schreiben. es ist für jeden arbeitnehmer und arbeitgeber recht hilfreich. mit der lektüre dieses bandes lässt sich eine der vielen hürden des bürokratischen schreibens zum eigenen vorteil nehmen. das buch ist im campus verlag in frankfurt 2010 erschienen. ISBN 978-3-593-39108-3

liste (23) – scham

wer lust hat, kann sich diese seite ausdrucken und ausfüllen. ich schlage listen vor, die einem vielleicht einen überblick zu verschiedenen themen der eigenen lebensgeschichte geben können. dieses mal geht es um die „scham„.

in diesen situationen schäme ich mich am meisten:

diese dinge verunsichern mich ungemein:

dinge und situationen, die bei mir fremdschämen auslösen:

dabei bin ich wirklich selbstsicher:

es gibt menschen, die mich erröten lassen. hier sind sie: