Tagesarchiv: 11. Februar 2011

schreibpädagogik und verkörperung

eine gruppenleitung ist eine gruppenleitung ist eine gruppenleitung… sie leiten eine schreibgruppe an? sie machen dies ehrenamtlich und sind erstaunt, dass die teilnehmerInnen so viel von ihnen erwarten? sie können nicht mehr oder weniger als die teilnehmerInnen und doch lassen diese sie nicht aus der rolle der leitung? dabei würden sie so gern auf gleicher ebene mit allen andere der schreibgruppe kommunizieren.

sie verkörpern, wenn sie eine schreibgruppe ins leben gerufen haben und die ersten treffen organisierten, in den augen der anderen die schreibgruppenleitung. wenn ihnen diese rolle einmal zugeschrieben wurde, ist es kaum mehr möglich, eine andere rolle einzunehmen. sie werden genau beobachtet, alle probleme und beschwerden werden an sie gerichtet, ihr verhalten wird gern zwischendurch beurteilt.

es gibt das phänomen in gruppen, dass die rolle der gruppenleitung schnell gekoppelt wird mit der verantwortungsübergabe für alle ereignisse. gruppenteilnehmerInnen befreien sich in diesen momenten von der verantwortung. und wenn man versucht die verantwortung zurückzugeben oder freiheiten in der gestaltung der leitung und des ablaufs einzubauen, wehren sich die teilnehmerInnen. Weiterlesen

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wortklauberei (64)

„transformationspartnerschaft“

dass diplomatische sprache eine sprache für sich ist, daran lässt sich nicht zweifeln. dass diplomatische sprache aber auch oft der versuch ist, keine klare position zu beziehen, das wird gern verschwiegen. ja, in ägypten wehrt sich die bevölkerung gegen eine zynische und gewalttätige regierung. und so, wie es schon häufiger in den letzten jahrzehnten der fall war, haben die regierungen der industrienationen mit machthabern zusammen gearbeitet, die die menschenrechte nicht achten.

denn eine unterdrückte bevölkerung produziert und kauft trotzdem waren und kommt nicht mit seltsamen forderungen an, die unbequeme demokratische prozesse in gang setzen. im diplomatensprech wird dann gern von „stabilität“ in der region gesprochen und die angst vor einem „machtvakuum“ geäußert, wenn es unruhig in der bevölkerung wird.

wenn dann letzte nacht der deutsche außenminister westerwelle in den tagesthemen nach der rede von präsident mubarak interviewt wird, dann sagt der „freie“ demokrat nicht, „wir unterstützen die forderungen der ägyptischen bevölkerung bei ihrer friedlichen revolution und können die enttäuschung über die zynische ansprache verstehen.“ nein, dann versteigt er sich in die aussage, dass man eine „transformationspartnerschaft zur demokratie“ hin anbiete.

in diesem moment wird die diplomatische sprache als schutzschild verwendet und hinterlässt doch den geschmack, dass man eigentlich gar kein interesse an einer grundlegenden veränderung hat. hätte 1989 jemand in der brd gesagt, er biete eine „tranformationspartnerschaft“ den bürgern der ddr an, dann wäre dies sofort als „besserwessi“ entlarvt worden. es klingt, wie wenn man sagen würde: „wir wissen, wie das mit demokratie läuft, wir erklären euch das gern, wenn ihr so weit seid.“ wundert es da noch jemanden, dass auf diese partnerschaft nicht zurückgegriffen wird.

und dann wiederholt der außenminister nur noch die aussage, es dürfe keine gewalt geben. doch die herrscht schon seit jahrzehnten in ägypten. einfach ein wenig spät diese erkenntnis.