schreibberatung und stress

der heutig alltag hält viele gründe für uns bereit, weshalb wir keine zeit haben zu schreiben. kein problem. das ist eine persönliche entscheidung, wann man schreiben möchte und wann nicht. nur wenn abschlüsse, prüfungen oder arbeitsbedingungen fordern, doch dem schreiben raum zu geben, dann bleibt uns nichts anderes übrig. schnell kann man an den knackpunkt gelangen, dass man weder lust noch zeit hat, dieser anforderung zu folgen.

der einfache aber nicht sehr hilfreiche rat, den sich viele menschen in diesem moment geben, lautet, man muss einfach prioritäten setzen. schön, wenn dies klappt, doch es führt zu keiner reduzierung der alltagsursachen für den stress. das schreiben wird eingebettet in den gesamten stress-komplex. ab diesem moment kann es schnell zur qual werden und der widerstand dagegen wächst.

auch der versuch, genau in dem moment, in dem das schreiben ansteht, das ganze leben umzukrempeln, die restlichen stressoren zu beseitigen, um sich ganz der einen aufgabe zu widmen, kann kontraproduktiv sein. man macht in einem angespannten moment zu viele baustellen gleichzeitig auf. wenn man die jahre vorher dem stress nicht herr wurde, weshalb sollte man es exakt in dem moment, in dem man unter druck steht, besser können. man überfordert sich und gerät eventuell an einen punkt, an dem gar nichts mehr geht.

schreibberatung kann in diesen zeiten vielleicht noch einen ganz anderen ratschlag geben: das schreiben in kleinen häppchen in den alltag zu integrieren. also nicht einen großen berg in großen schritten in angriff zu nehmen, nicht alles zu verändern, sondern im rahmen des vorhandenen kleine schritte, einzubetten. das beginnt mit fünf minuten schreiben am tag. oft fällt schon dieser schritt schwer, es wird formuliert, man habe die zeit nicht gefunden. hier kann die schreibberatung den anfang machen, indem man während der sitzung fünf minuten verstreichen lässt, ohne etwas zu machen, nur um zu zeigen, wie lang oder kurz fünf minuten im gesamten tagesablauf sind.

oft geht es darum, dass nicht die fünf minuten die schwierigkeit sind, sondern die erwartung an die fünf minuten. es gibt aber keine erwartungen an die fünf minuten (was natürlich auch nicht so ganz stimmt, denn es gibt die eine erwartung, zu erleben, dass es einen regelmäßigen schreibfluss geben kann), also es soll kein qualitativ hochwertiges schreibprodukt am ende der fünf minuten auf dem papier stehen. diese aufgabe kann dann auf zweimal fünf minuten am tag ausgeweitet werden. dann kann langsam in angriff genommen werden, den schreibzeiten eine inhaltliche ausrichtung zu geben.

so entstehen langsam aber konstant vorarbeiten zur anstehenden schreibaufgabe. außerdem wird die erfahrung gemacht, dass auch in großem stress kleine zeiträume für das schreiben gefunden werden können. und eventuell wird sogar die erfahrung gemacht, dass schreiben auch etwas entspannendes haben kann. also eine gegenposition zum alltagsstress darstellen kann. natürlich ist diese vorgehensweise in der schreibberatung nur möglich, wenn noch ein wenig zeitraum bis zum abgabetermin besteht. und wenn man lust hat, dann kann man sogar schriftlich daran arbeiten, einen umgang mit den anderen stressverursachenden momenten in angriff zu nehmen. hier mutiert dann aber schreibberatung zu praktischer lebenshilfe.

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