biografisches schreiben und stress

wie viel stress hatte man bis heute in seinem leben? diese einfache frage kann viel über die eigene lebensgeschichte eröffnen. abseits der üblichen fragestellungen zur eigenen biografie kann man einen blick auf die grundlagen des eigenen handelns werfen. denn irgendwann gerät beinahe jeder mensch in ein hamsterrad, aus dem schwer herauszukommen ist. wann hatte man in seinem leben das gefühl, dass man keine zeit mehr für die dinge hat, die einem eigentlich spaß machen?

auslöser dieses gefühls können viele dinge sein. angefangen bei prüfungen, lernen und ausbildungen bis zum selbstgewählten freizeitstress, der auch keinen spaß mehr macht. es geht mir hier eher um die negativen stressoren, da sie manchmal starke auswirkungen auf das eigene leben haben. denn männer und frauen sind meist immer noch qualitativ verschiedenen stressoren ausgesetzt und sie haben auch verschiedene verarbeitungsweisen gelernt. es kommt nicht von ungefähr, dass männer eher einen herzinfarkt erleiden.

diese form der „stressbewältigung“ verschiebt sich zwar ein wenig, doch auch die gewählten formen der entspannung sind verschiedene. das erstaunliche ist, dass selbst freizeitgestaltungen heutzutage nicht unbedingt der entspannung sondern nur der ablenkung dienen und sich wieder in einem konkurrenten rahmen bewegen. ein teil der gesellschaft ist zum adrenalin-junkie geworden, der überhaupt keine ruhe mehr aushält. es bleibt also beim biografischen schreiben die frage, wie sehr die anspannungen im eigenen leben spaß gemacht haben oder einer vorstellung und angst vor dem „ruhe-stand“ folgen.

wie sehen die folgen des erlebten stresses für einen persönlich aus? hat man irgendwann in seinem leben einmal die notbremse gezogen? oder hat man von anfang eine form gefunden, den stress nicht zu sehr anwachsen zu lassen? darf man darüber schreiben, dass das großziehen von kindern auch ungemein stressig sein kann und nicht nur freude bereitet? wie fühlte es sich an, das arbeitsleben zu verlassen? hat man sich wirklich zur ruhe gesetzt?

und das gegenteil kann in diesem zusammenhang auch betrachtet werden: gab es phasen der langeweile im eigenen leben? fühlte man sich dadurch gestresst? gab es menschen um einen herum, einen mit in ihr eigenes stressgebäude zogen? und wie sehr wurde man dazu erzogen, dass man als mensch immer sinnvoll beschäftigt sein muss? erstaunlicherweise leiden viele menschen unter dem druck, der gesellschaftlich und durch lernprozesse aufgebaut wurde, sie wehren sich aber wenig dagegen, sondern versuchen eher ihr zeitmanagement zu verbessern.

erst wenn man wirklich in den ruhestand geht, erkennt man vielleicht, in welcher tretmühle man sich bewegt hat. vielleicht lässt die geschriebene eigene lebensgeschichte und biografie andere jüngere menschen aufhorchen, vielleicht kann man bewältigungsstrategien vermitteln. und vielleicht findet man für sich eine erklärung, worum man sich eigentlich bemüht hat, als man sich all dem aussetzte. der stress ist eine gute gelegenheit für das so genannte „bilanz ziehen“ bei der eigenen lebensgeschichte.

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