kreatives schreiben und stress

eine vorstellung ist, kreatives schreiben funktioniere nicht, wenn man stark unter stress stehe, da einem so viel durch den kopf gehe und man sich nicht auf das schreiben konzentrieren könne. das ist ein trugschluss. kreatives schreiben funktioniert auch gerade unter stress. denn es stellt keine ansprüche an das ergebnis. soll heißen, ich kann auch den stress kreativ beschreiben. kreatives schreiben kann im gegenteil entlasten, indem ich durch das schreiben, einen teil meiner anspannung zu papier bringe und los werde.

gut, es gibt keine garantien, dass das immer funktioniert. aber langfristig ist es eine übungssache, eine frage der häufigkeit, ob ich darauf vertrauen, durch das kurze schreiben ohne anspruch eine entlastung zu erfahren. stressig wird es erst in dem moment, in dem ich von mir beim kreativen schreiben eine weitere leistung erwarte. stress ist oft schon ein ausdruck von realen oder vorgestellten erwartungen, von druck, der verspürt wird. wenn ich dies auf das schreiben anwende, dann wird das kreative schreiben keine stressmindernde wirkung haben.

doch allein der von mir geschriebene letzte satz kann ebenso unter druck setzen. man kann von sich erwarten, dass kreatives schreiben einen nicht unter druck setzen darf. das hat den effekt, sich weiter in der hohen erwartungsschleife zu befinden. hilfreicher scheint es, wenn man sich sagt, ich möchte mich einfach kurz (oder auch lang) ausdrücken, was gerade mit mir ist. im hintergrund gebe ich den druck auf das papier oder auf den bildschirm weiter. und dieser prozess kann zumindest kurzfristig entlasten.

die folge wird nicht sein, dass sich alle schwierigkeiten von selbst erledigen. dann wäre kreatives schreiben eine heilslehre. aber der kreative umgang mit schwierigen situationen erweitert das möglichkeitsdenken. mir fallen mehr möglichkeiten ein, wie ich einen umgang mit den situationen finden kann. und später ergibt sich eine weitere folge: ich erkenne, dass ich auch noch etwas aus einer schwierigen situation heraus geschaffen habe. man wird erstaunt sein, was man auch unter hohem druck zustande bringt.

wenn man dies dann auch noch für sich verbuchen kann, dass man unter größtem stress kreatives erschöpft hat, und wenn es nur treffende formulierungen, kleine wortspiele in der beschreibung der situation sind. dazu kann man sich beglückwünschen, kann eventuell etwas gelassenheit anderen anstrengenden situationen gegenüber entwickeln. denn man weiß, die kraft, kreativ zu sein, kann einem niemand nehmen. jetzt sieht zwar nicht alles sonnig aus, aber es stellt sich zwischendurch ein erfolgserlebnis ein.

kreatives schreiben kann in diesen fällen zumindest eine autosuggestive wirkung entfalten. und wenn man es nun noch schafft, für sich selber einen aufbauenden text zu verfassen, dann kann man eventuell dem stress paroli bieten. ich formuliere das alles so vorsichtig, da die wirkung erst einmal auch eine andere sein kann. man führt sich durch das geschriebene vor augen, wie schlimm die eigene situation gerade ist. viele erschrecken ob der eigenen gestresstheit und möchten dann gern die augen verschließen.

da gibt es nur einen tipp: die augen offen halten, auf die situation blicken und vielleicht jetzt erst recht nach alternativen suchen. kreatives schreiben kann vielleicht zumindest den anstoss dazu geben.

2 Antworten zu “kreatives schreiben und stress

  1. Die Entscheidung, gerade in einer Stressphase zu schreiben, kann auch bedeuten: Ich nehme mir Zeit. Jetzt. Für mich. Für meine Gedanken, meine Gefühle, spontane Ideen. Das hilft, meine fünf Sinne wieder zusammenzukratzen und dem Stress die Stirn zu bieten, mich eben nicht von dem Vielen, das mir durch den Kopf geht, vereinnahmen zu lassen. Kreatives Schreiben, egal worüber, kann helfen, sich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren, die Aufmerksamkeit zu fokussieren.

  2. Das finde ich echt gut zusammengefasst!

    Vor allem ist es auch so, dass man viel lesen muss um auch gut schreiben zu können. Deshalb empfehle ich als Übung zum kreativen Schreiben erstmals lesen als Vorbereitung!

    Danach kann man sich ja neue Ziele setzen, z.B. einen Beitrag über ein fremdes Thema schreiben und trotzdem dsa wesentliche treffen!

    Ich habe schon die Erfahrunge gemacht, dass routinierte Leser auch gut schreiben 😉

    Liebe Grüße
    Franzi

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