Tagesarchiv: 26. Februar 2011

schreibidee (219)

im web wird viel gelesen. im gegensatz zu büchern und zeitungsartikeln (obwohl bei diesen der unterschied nicht so groß ist) werden im internet meist nur häppchen gelesen. und die besucher einer homepage haben sich meist schon durch die vorgeschaltete suchmaschine die rosinen aus dem angebot rausgepickt. wiederum die betreiber eines blogs oder einer homepage möchten möglichst viele rosinen anbieten, damit viele besucher ihre seiten besuchen. es besteht ein gravierender unterschied zwischen texten im netz und texten in gedruckter form. darum soll diese schreibidee zum verfassen von „blog/web-texten“ anregen.

wenn es technisch umsetzbar ist, surft die schreibgruppe gemeinsam im netz. vor dem treffen der schreibgruppe wurden alle teilnehmerInnen aufgefordert die webadresse ihres internet-favoriten mitzubringen. sie sollen also eine seite benennen, auf der sie am liebsten lesen. diese seiten werden gemeinsam kurz hintereinander besucht (und mit einem beamer für alle einsehbar gemacht). zu jeder seite notieren sich die schreibgruppenteilnehmerInnen zwei plus- und zwei minus-aspekte. anschließend verfassen sie einen text, wie die ideale homepage, der ideale blog für sie sein sollte. was sollte geboten werden? wie sollte es aussehen? die nicht länger als anderthalb seiten umfassenden texte werden vorgetragen.

nun werden die teilnehmerInnen aufgefordert, das gegenteil von dem zu machen, was man eigentlich beim kreativen schreiben macht: sie sollen ihren inneren zensor anwerfen und sich gedanken machen, was die leserInnen von ihrer idealen homepage eigentlich erwarten würden. welche rosinen könnten sie auf ihrer seite, in ihrem blog verstecken. mindestens 10 rosinen sollen mit jeweils drei beschreibenden sätzen notiert werden. die rosinen werden nicht vorgestellt, da dies den rahmen der schreibgruppe sprengen würde.

die schreibgruppenteilnehmerInnen wählen die rosine, die ihnen am erfolgversprechendsten erscheint aus und schreiben einen text, der nicht länger als 500 wörter sein sollte. die texte werden in der gruppe vorgetragen und alle teilnehmerInnen geben beim feedback auf einer skala von eins bis zehn an, ob sie den text im netz lesen würden.

zum abschluss werden die texte mit jeweils 20 stichworten in einen extra eingerichteten blog gestellt. nach einer woche kann anhand von statistiken geprüft werden, wie groß das interesse am geschriebenen war. (natürlich macht es keinen sinn, wenn man ständig seine eigenen texte zuhause aufruft.) und es besteht die möglichkeit, den blog weiterhin mit texten aus der schreibgruppe zu bespielen. es gibt noch eine reflexionsrunde, wie es sich anfühlt als dienstleisterInnen zu schreiben.

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schreibidee (218)

auch so ein gebiet, in dem sich viele menschen entschuldigen. doch die gesellschaft diskutiert es beinahe zynisch. menschen, die hartz IV benötigen, entschuldigen sich überwiegend für ihre bedürftigkeit. die wenigsten legen es auf eine gesellschaftliche unterstützung an. doch es wird exakt entgegengesetzt diskutiert. es wird immer wieder betont, wie teuer es einen kommt, wenn der hartz-IV-satz erhöht werden muss. das ist absurd. es wird ein szenario vermittelt, das die empfänger problematisch erscheinen lässt. darum soll sich diese schreibanregung „hartz-IV-geschichten“ widmen.

als einstieg werden die schreibgruppenteilnehmerInnen aufgefordert, zu notieren, was sie mit 5 euro im monat machen würden. was kann man sich davon leisten. ausnahmsweise darf das dann auch auf 12 monate hochgerechnet werden, aber erst ab april, also 60 euro zum jahresende. die anschaffungen werden am flipchart gesammelt. nun wählt man sich eine anschaffung aus und schreibt eine kurze zweiseitige geschichte drumherum. warum ist diese ausgabe so notwendig? warum braucht ein mensch das bezahlte so dringend? es kann sich um die stromrechnung aber auch ein paar schuhe handeln. die geschichte dahinter ist zu schreiben.

anschließend soll die angst vor dem gesellschaftlichen abstieg thematisiert werden. alle teilnehmerInnen notieren zehn sätze, die in die vorgabe „ich …, damit ich nicht auf hartz IV angewiesen bin.“ eingefügt werden. die jeweiligen sätze werden kurz vorgetragen. dann wählen die schreibgruppenteilnehmerInnen einen satz aus und schreiben eine längere geschichte über die angst, die im hintergrund zu teilweise absurden verhaltensweisen führen kann. diese geschichten werden in der gruppe vorgetragen und beim feedback wird betrachtet, wie realistisch diese existenzangst geschildert wurde.

zum abschluss wird soll ein gesellschaftliches gegenkonzept zur hartz-IV-versorgung entworfen werden, eine utopie. so könnte zum beispiel jeder mensch mit arbeit eine patenschaft für bedürftigere übernehmen und pro monat mindestens 10 euro von seinem einkommen zur verfügung stellen. dieses wird direkt überwiesen. da es mehr nicht-empfänger als empfänger von hartz IV gibt, erhalten menschen in finanziellen schwierigkeiten mindestens 20 euro zuschlag zu ihren bezügen pro monat. die patenschaften werden von den gewerkschaften organisiert und die bürokratie dazwischen fällt weg. die alternativvorschläge und utopien sollten jeweils in ein hartz-IV-manifest geschrieben werden. die manifeste werden am ende des schreibgruppentreffens vorgetragen.

schreibberatung und nicht entschuldigen

wenn jemand bei uns professioneller hilfe oder beratung benötigt, dann liegt oft eine entschuldigung auf den lippen, warum dies notwendig ist. es fällt immer noch schwer, damit zu leben, dass man nicht alles im griff hat, es der hilfe durch andere bedarf.

als die gesellschaft noch solidarischer war, war es eine selbstverständigkeit, dass man sich für dinge, die man nicht selber leisten kann, unterstützung sucht. oft erhielt man die unterstützung aus dem privaten umfeld, schloss man sich zu gruppen und vereinigungen zusammen. heute ist aus hilfe und unterstützung die welt der dienstleistungen gewachsen. dienstleistungen sind auch ein zeichen einer entsolidarisierten gesellschaft.

aber es gibt die unterstützung. und auch wenn sie etwas kostet, so ist sie doch voll und ganz auf den kunden ausgerichtet. es spricht sich schnell rum, wenn eine dienstleistung schlechten service bietet. der anbieter kann sich dann nur halten, wenn er beinahe-monopol-stellungen inne hat, wie die bahn. jedenfalls kann man sich die unterstützung suchen.

doch je mehr der mensch im glauben aufwächst, er sei für all seine situationen, für seinen lebenserfolg selbstverantwortlich, um so schwerer fällt es ihm, zuzugeben, dass er unterstützung benötigt. also entschuldigt er sich. meist erst einmal bei den dienstleisterInnen, zum beispiel den schreibberaterInnen. er entschuldigt sich dafür, dass er seine texte, sein schreiben nicht allein bewältigt. er nennt diverse gründe, warum das gerade auch nicht gehen kann.

dabei verliert der/die ratsuchende aus den augen, dass jeder mensch in solch einer situation landen kann. jeder mensch kann keine lösung und keine möglichkeiten mehr für seine schwierigkeiten sehen. Weiterlesen