biografisches schreiben und freizeit

früher war das leben gedrittelt. 8 stunden arbeit, 8 stunden freizeit und 8 stunden schlafen. die trennung war klar und eindeutig. davon kann heute keine rede mehr sein. kommunikationstechnologien, globalisierung und vernetzungen haben dazu geführt, dass sich das arbeitsleben bei vielen menschen im gegensatz zu früher vollständig verändert hat. die „just-in-time“-produktion und -haltung fordert dazu auf, sich zumindest kommunikativ ständig zur verfügung zu halten, also die freizeit flexibel zu gestalten.

beim aufschreiben der eigenen lebensgeschichte kann man zuerst einen blick darauf werfen, ob man diese veränderung noch miterlebt hat oder das arbeitsleben vorher schon verlassen hat. um dann im nächsten schritt einmal zu schauen, wie man seine freizeit gestaltet hat und noch heute gestaltet. welches waren die persönlichen vorlieben in der freizeit? welches hobby nahm und nimmt viel raum ein. nun kann man noch ein wenig tiefer gehen und sich fragen, was einem so sehr an dieser form der freizeitgestaltung gefällt. wie sieht der persönliche anteil daran aus.

da finden sich sportliche aktivitäten, die den kopf frei machen, einen zu leistungen anregen und einen körperlich fit halten. da gibt es literatur, filme und zeitungen, die das denken anregen, eigene haltungen beeinflussen und stetes dazulernen ermöglichen. da gibt es die medien, das radio, den fernseher und heute das internet, die einen entspannen lassen, die einem das leben „draußen“ näher bringen und die die fantasie anregen. da gibt es das heimwerken, das gärtnern, das kochen, das basteln, das malen und vieles mehr.

und ganz oben auf der skala der freizeitaktivitäten steht für viele der soziale kontakt zu anderen menschen. selbst wenn während der arbeitszeit viel kommuniziert wurde, wünscht sich der mensch auch in der freizeit weitere kommunikation. sie findet auf einer anderen, persönlicheren ebene statt. wie hat man kontakt zu anderen menschen aufgenommen, welche möglichkeiten ergaben sich? und letztendlich die frage: wie wichtig war und ist einem die freizeit? was hat man dafür getan, damit man sie auch zur verfügung hatte.

beim betrachten der eigenen biografie spielt es vielleicht auch eine rolle, dass man zu viel freizeit zur verfügung hatte. ob rente oder arbeitslosigkeit, man versucht die zur verfügung stehende zeit mit etwas in der eigenen einschätzung sinnvollem zu füllen. was erscheint einem sinnvoll und warum? wie wichtig ist es „sinnvolles“ zu machen? vielleicht auch die frage, was fällt so schwer einmal zur ruhe zu kommen und nichts sinnvolles zu machen? entsteht dann wirklich leere oder eher angst vor der entspannung?

wir leben in einer gesellschaft mit relativ viel freizeit. dies wird immer noch von vielen als luxus verstanden. doch wer sagt eigentlich, dass der sinn des menschen in arbeit liegt? alles fragen, die beim biografischen schreiben auftauchen können. eine menge menschen geraten im laufe ihres lebens an den punkt, dass sie ihre zeit (und da natürlich vor allen dingen ihre freizeit) nicht für das genutzt haben, was ihnen eigentlich wichtig war und ist. gerade beim aufschreiben der eigenen lebensgeschichte kann dieser gedanke aufkommen. hier muss zur vorsicht geraten werden, da es wahrscheinlich gute gründe gab, weshalb damals ein anderes handeln nicht vorstellbar war. man kann den gründen auf den grund gehen, sollte sich aber nicht dafür verurteilen. eine konsequenz könnte ja sein (ganz gleich welchen alters), jetzt etwas zu ändern.

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