Tagesarchiv: 10. März 2011

biografisches schreiben und vertrauen

mensch sollte sich beim aufschreiben seiner lebensgeschichte selber vertrauen. das ist eine wichtige voraussetzung. oft fällt das nicht ganz leicht, da viele im hinterkopf haben, dass sie ihre erinnerungen vielleicht zu schön oder zu schrecklich einfärben. aber das ist normal. es ist normal, dass der mensch rückblicke aus seiner aktuellen verfasstheit immer in dem blickwinkel des aktuellen zustandes betrachtet.

dies geschieht nicht nur beim biografischen schreiben, dies geschieht auch im arbeitsleben, im alltag und in allen anderen situationen. denn, und das ist ja eigentlich das schöne, man verändert sich im laufe seines lebens. alle erfahrungen, die man gemacht hat, hinterlassen spuren. man richtet sein handeln und denken ganz automatisch an den gemachten erfahrungen aus. deswegen erscheinen viele diskussion über die authentizität von erinnerungen müssig.

natürlich ist es erstrebenswert distanz zum betrug zu halten. was für einen sinn soll es machen, wenn ich in meine biografie einen berufsabschluss oder einen erfolg schreibe, den es nie gegeben hat? ich würde mir im laufe der zeit nur selber schaden. denn irgendwann schaut jemand genauer hin. und allein die anstrengung, bei vielen äußerungen genau darauf achten zu müssen, was man sagen darf und was man lieber verschweigen sollte, ist eine zu große. sicherlich, hochstapelei kann erst einmal zu erfolgen führen. doch man schaue sich die lebensgeschichten von hochstaplern an. man wird schnell feststellen, dass irgendwann, selbst wenn es nach dem tod war, aufgedeckt wurde, dass daten in der biografie nicht stimmen.

also vertraue man erst einmal seinen erinnerungen. dies entlastet ungemein beim aufschreiben der eigenen geschichte. schreibt man unter ständigem misstrauen, selbstmisstrauen, ist man eher geneigt, seine biografie ständig zu verändern. Weiterlesen

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„die schreibfitness-mappe“ von ulrike scheuermann – ein buchtipp

„Checken – Vergleichen – Ausprobieren“ – auf diese flotte Kombination lässt sich das Angebot der Schreibfitness-Mappe von Ulrike Scheuermann verkürzen. Dabei geht es in dem Buch um eine ernste Angelegenheit. Menschen, die in ihrem Beruf viel schreiben (müssen) gelangen an einen Punkt, an dem es nicht mehr weitergeht. Sie sind in eine Schreibkrise geraten oder ihre Texte gefallen (ihnen) nicht und sie suchen nach einer Lösung aus diesem Dilemma.

Das Buch „Die Schreibfitness-Mappe – 60 Checklisten, Beispiele und Übungen“ bietet eine differenzierte, vielfältige Anleitung zum Selbstcoaching bei Schreibproblemen. Man kann es in einem Rutsch lesen, um sich dann auszusuchen, welche Übungen und Hilfestellungen man umsetzen möchte. Das Buch bietet aber eine andere, effektivere und interessantere Möglichkeit.
Denn zu Beginn findet man 10 Listen zum Selbstcheck. Die Listen helfen, die eigenen Schreibstrategien, den eigenen Schreibtyp oder die Stimmung, in der man am liebsten schreibt, herauszufinden. Hat man sich eingeordnet, findet man viele hilfreiche Erklärungen und Vorschläge, wie das eigene Schreiben ausgebaut, erleichtert und verbessert werden kann. Und am Schluss jeder Checkliste gibt es Querverweise zum Weiterarbeiten, die dazu einladen, kreuz und quer durch das Buch zu wandern.

Denn Stichworte verweisen entweder auf andere Checklisten, auf „Fall“-Beispiele (dem zweite Teil des Buches) oder auf Schreibübungen (dem dritten Teil des Buches). Bei den 15 „Fall“-Beispielen handelt es sich um Schilderungen aus der Tätigkeit von Ulrike Scheuermann als Schreibcoach. Hier werden „typische“ Schreibprobleme beschrieben, die es einem leicht machen, seine eigenen Komplikationen beim Schreiben einzuordnen und zu benennen. Man erfährt etwas über die möglichen Hintergründe bei Schreibschwierigkeiten und man bekommt Anregungen für eine Selbstanalyse der Situation. Am Schluss finden sich wieder Querverweise zum Weiterarbeiten. Hat man seine eigene Schreibsituation also nach Checklisten und Beispielen genauer erschlossen, dann kann man sich in aller Ruhe den Schreibübungen zuwenden, die jeweils empfohlen werden. Unter den 35 Übungen finden sich zu jedem Problem oder Thema des beruflichen Schreibens Anregungen – wie man die eigene Schreibstimme finden kann, wie man eine angenehme Schreibsituation schafft, wie man in einen Schreib-„Flow“ kommt oder wie man Textideen entwickelt, rote Fäden findet, strukturiert und korrigiert.

Die Schreibfitness-Mappe bietet alles, was zum Selbstcoaching notwendig ist. Sie verwebt die einzelnen (Gedanken-)Stränge zu einem sicheren Netz, das einen in Schreibkrisen auffängt und zu einem positiven, relativ entspannten Schreiben führen kann. Besonders gefällt mir, dass die Mappe sich von vielen Schreibratgeber mit Aussagen wie „Nehmen sie diese und diese Schreibtechnik, dann geht schon alles glatt.“ unterscheidet. Das Buch zeigt auf, dass nicht jedes Schreibproblem allein an der Technik liegt, sondern Schreiben ein sehr viel intensiverer, persönlicher Prozess ist, in den auch Emotionen, die nichts mit dem Schreiben zu tun haben, einfließen. Ulrike Scheuermann zeigt, dass viel „Psychologie“ im Schreiben steckt, aber auch viel Spaß und Selbstreflexion.

Sehr hilfreich ist auch die Aufmachung des Buches. Jede Schreibübung enthält eine Zeitangabe der notwendigen Bearbeitungsdauer. Alle 60 Hilfestellungen (Checklisten, Beispiele, Übungen) befinden sich jeweils auf einer gegenüberliegenden Doppelseite. Sogar das Blättern kann einen nicht vom Selbstcoaching abhalten. Das Buch funktioniert beinahe wie eine gedruckte Homepage, sicherlich eine Form, die den heutigen Lesegewohnheiten nahe kommt. Ich empfehle: „Checken – Vergleichen – Ausprobieren“.

Das Buch ist 2011 im Linde Verlag in Wien erschienen. ISBN 978-3-7093-0332-0