biografisches schreiben und vertrauen

mensch sollte sich beim aufschreiben seiner lebensgeschichte selber vertrauen. das ist eine wichtige voraussetzung. oft fällt das nicht ganz leicht, da viele im hinterkopf haben, dass sie ihre erinnerungen vielleicht zu schön oder zu schrecklich einfärben. aber das ist normal. es ist normal, dass der mensch rückblicke aus seiner aktuellen verfasstheit immer in dem blickwinkel des aktuellen zustandes betrachtet.

dies geschieht nicht nur beim biografischen schreiben, dies geschieht auch im arbeitsleben, im alltag und in allen anderen situationen. denn, und das ist ja eigentlich das schöne, man verändert sich im laufe seines lebens. alle erfahrungen, die man gemacht hat, hinterlassen spuren. man richtet sein handeln und denken ganz automatisch an den gemachten erfahrungen aus. deswegen erscheinen viele diskussion über die authentizität von erinnerungen müssig.

natürlich ist es erstrebenswert distanz zum betrug zu halten. was für einen sinn soll es machen, wenn ich in meine biografie einen berufsabschluss oder einen erfolg schreibe, den es nie gegeben hat? ich würde mir im laufe der zeit nur selber schaden. denn irgendwann schaut jemand genauer hin. und allein die anstrengung, bei vielen äußerungen genau darauf achten zu müssen, was man sagen darf und was man lieber verschweigen sollte, ist eine zu große. sicherlich, hochstapelei kann erst einmal zu erfolgen führen. doch man schaue sich die lebensgeschichten von hochstaplern an. man wird schnell feststellen, dass irgendwann, selbst wenn es nach dem tod war, aufgedeckt wurde, dass daten in der biografie nicht stimmen.

also vertraue man erst einmal seinen erinnerungen. dies entlastet ungemein beim aufschreiben der eigenen geschichte. schreibt man unter ständigem misstrauen, selbstmisstrauen, ist man eher geneigt, seine biografie ständig zu verändern. da ist es hilfreicher, wenn man entweder notiert, dass man sich an bestimmte dinge nicht mehr so genau erinnern kann, aber zum zeitpunkt des aufschreibens das gefühlt hat, es war so oder so. oder man versucht noch einmal kontakt zu den menschen aufzunehmen, die in bestimmten situationen dabei waren, zu denen man ein enges verhältnis hatte. sie erinnern sich vielleicht besser, als man selber.

dazu kommt der aspekt, dass man sich auch vertrauen sollte, dass man im laufe seines lebens dazu gelernt hat und dazu lernen konnte. es gibt keinen menschen, der nicht dazu lernt. nur lernen bedeutet nicht automatisch, dass man nur „gute“ strategien und verhaltensweisen entwickelt. negative erfahrungen können auch dazu führen, dass man für einen selber negative entschlüsse fasst oder verhaltensweisen an den tag legt. doch auch dieses ist eine sehr menschliche reaktion. was aus der heutigen sicht erschreckend wirken mag, war damals oft die einzig denkbare möglichkeit. spannender ist es für andere, welche entwicklung man durchgemacht hat, um letztendlich so zu sein, wie man heute ist.

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