schreibidee (238)

da war es schon in der letzten schreibidee, das grobschlächtige, das ungeschmirgelte, alles andere als glatt. es kommt ungeschminkt daher, direkt und unverblümt. und der alltag ist oft so. egal ob bei der arbeit oder in freizeit, gegenseitig hat der mensch (vor allen dingen in metropolen) keine hemmungen sich zu zeigen, was er denkt. nur wenn hierarchien eine rolle spielen, dann landet man schnell beim „untertan“. ansonsten ist der ton die grundlage für diese schreibanregung zu „rauen geschichten„.

da der raue ton in den besten familien vorkommt, nur mit anderen worten, sollen sich die teilnehmerInnen die zwei „un“wörter „bildungsfern“ und „bildungsnah“ zu nutze machen. es werden zwei kurze raue dialoge (ungefähr eine seite jeweils) im „bildungsfernen“ und „bildungsnahen“ milieu geschrieben. hier darf es zur sache gehen, es wird klartext geredet und nicht immer fair. die dialoge werden kurz vorgetragen.

anschließend gehen alle in die raue welt. drei plots für geschichten (in maximal fünf sätzen) über grobe lebenssituationen werden notiert und in der schreibgruppe kurz vorgestellt. anschließend wählen alle jeweils einen plot (es muss nicht ein eigener sein) aus, um eine längere geschichte zu schreiben. auch wenn es in der kurzen zeit nicht „berlin alexanderplatz“ oder „wir kinder vom bahnhof zoo“ werden kann, die grundbilder dürfen ähnlich „krass“ und verzweifelt sein. das leben ist ja kein kindergeburtstag, warum also nicht die raue wirklichkeit schildern.

übrigens fesseln bücher und texte meist erst in der übertreibung so richtig. obwohl die leserInnen sehr wohl wissen, dass so viel gehäuftes elend kaum sein kann und schwer zu ertragen scheint, zweifelt niemand an der story. darum einmal alle schutzvorrichtungen fahren lassen und in die vollen gehen. da landet das geprügelte kind wegen des geringen selbstwertgefühls in der straßengang, raubt und mordet irgendwann. da gerät ein psychotischer mensch an den therapeuten, der klienten braucht, um sein ego zu polieren, egal ob seine kunden dabei auf der strecke bleiben. da kommt ein jugendlicher in ein heim, um seinem alkoholiker-elternhaus zu entfliehen und lernt in der schutzeinrichtung erst so richtig kennen, was es heisst geprügelt zu werden … die rauen geschichten werden in der schreibgruppe vorgelesen und es gibt eine feedbackrunde.

zum abschluss dann noch die raue wirklichkeit im berufsleben. auf zwei seiten wird abseits jeglicher sozialromantik die ausbeutung und selbstausbeutung im berufsleben mit aller dramatik geschildert. wenn erkrankungen in kauf genommen werden, nur um nicht entlassen zu werden, wenn die jüngeren konkurrentInnen die älteren kollegInnen demontieren, wenn die kontrolle der arbeitenden allumfassend ist. das raue arbeitsleben wird anschließend vorgelesen und vielleicht gleich darauf eine gewerkschaft gegründet 😉

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