Tagesarchiv: 31. März 2011

kreatives schreiben und tiere

wie konnte ich bisher nur die zwei-, vier-, sech-, acht- und x-beiner vergessen? eigentlich war meine affinität zu den geschöpfen dieser erde mal recht groß. aber beim schreiben erinnern sie wohl doch zu sehr an fabeln und märchen. und irgendetwas wehrt sich gegen die vermenschlichung. wie erzählte mir vor kurzem jemand, den ein hund angefallen hat? das herrchen (die verniedlichung ist wahrscheinlich in dem moment sehr passend) sprach mit seinem hund: „na du kleiner racker, was machst du denn für sachen?“

doch abseits davon sind tiere eine unerschöpfliche quelle fantasievoller geschichten. wieso nicht die fische vor der küste japans sich über die zunehmende strahlung unterhalten lassen. oder einfach nur wie tiervater brehm eine charakteranalyse eines tieres (oder eines fantasietieres) erstellen. auch hier greift natürlich die vermenschlichung, aber es gibt gar keine andere möglichkeit. ich weiß nicht, was die dicke hummel denkt, wenn sie eine honigreiche blüte findet. ich weiß auch nicht, was der hund denkt, wenn er mir den knochen vor die füße wirft.

und ich kann natürlich diverse tiere miteinander kommunizieren lassen. sie können mich oder andere menschen plötzlich ansprechen. sie können untereinander ein gespräch führen. der zeichentrickfilm macht es vor, wie gut tiere eine rolle abgeben. es ist der mix aus charakterisierung, vermenschlichung und übertragung, der die zuschauer das agieren der tiere auf das leben des menschen übertragen lässt. also doch zurück zur fabel, die die verschiebung auf ein anderes lebewesen nutzt, um eine botschaft direkter zu vermitteln. würde man in tiergeschichten die tiere durch menschen ersetzen, Weiterlesen

Poetry Slam für die Wissenschaft

Das Slam Format macht längst auch in anderen Genres Schule. Längst hat die Wissenschaft den ursprünglichen Gedanken von Marc Kelly Smith aufgegriffen.

In Chicago der 80ér Jahre besuchte er Jazz- und Blues-Sessions genauso gerne und oft, wie Lesungen in Universitäten und Buchhandlungen. Während die Stimmung bei den Konzerten fantastisch war, blieben meist die Lesungen spröde und langweilig. Warum, so fragte er sich, „…konnte jemand etwas, was ihm offensichtlich wichtig erschien, derart schlecht vorbereitet vortragen, und dieses dann noch in einer derart sterilen Atmosphäre eines nüchternen weißen Raums mit Stuhlreihen von der selben Farbe, ohne Bar, ohne eine flairerzeugende Beleuchtung…“ In diesen Gedanken liegen die Wurzeln für die weltweite Entwicklung des Poetry Slam.

Wissenschaftler, die sich aus dem Elfenbeinturm der Universitäten heraus und auf das schnöde Volk außerhalb der „scientific cummunity“ zu bewegen, slammen auch. Das Publikum erfährt beispielsweise mehr über die mehrdimensionale Faltung von Molekülen, die indigene Kultur im Disney Film Pocahontas oder über das Phänomen schmutziger Toiletten unter soziologischen Gesichtspunkten und im internationalen Vergleich.

Wissenschaftler rocken die Bühne mit ihren Forschungsarbeiten. Dahinter steht das kreative wissenschaftliche Schreiben ansteckender, begeisterungsfähiger, schräger Vorträge. In der Bar, mit flairerzeugender Beleuchtung und ohne Stuhlreihen. Der Science Slam Berlin hat die Webpage www.scienceslam-berlin.de , Bewerbungen sind jederzeit möglich. Das Publikum kommt am 4. April 2011 wieder auf seine Kosten.

(von Sabine Samonig)