biografisches schreiben und essen

essen beschäftigt uns in zweierlei hinsicht. zum einen dient es dazu, unsere grundversorgung aufrecht zu erhalten, zum anderen ist essen ausdruck des genusses, unserer vorlieben oder auch unserer psychischen probleme. am essen entzünden sich viele aktuelle lebensgefühle.

so kann die betrachtung des eigenen essverhaltens beim biografischen schreiben einen einblick in die eigene seelenlandschaft geben. am eindrücklichsten in diesem zusammenhang sind natürlich die essstörungen. sie drücken etwas aus, das einem selber in diesem moment oft gar nicht bewusst ist. wer zum beispiel im laufe seiner lebensgeschichte einmal an einer essstörung gelitten hat, kann sich noch sehr genau an diese zeit erinnern, weiß, wie er sie überwunden hat und hat sich in dieser zeit sicherlich intensiv mit sich selber auseinandergesetzt.

oder erinnern sie sich an die fresswelle in den 50er jahren, die gesellschaftliche bewegung als ausdruck der überwundenen hungerzeiten? dann das aufkommen von „exotischen“ gerichten wie spaghetti oder toast hawaii. und heute an den überbordenden luxus einer extremen auswahl an lebensmitteln, die schon dekadente züge annimmt. dazwischen noch die fastfood-ernährung, die manche von uns vor allen dingen in den jungen jahren zelebrierten.

werfen sie doch einfach mal einen blick auf den speiseplan ihres lebens und fragen sie sich, ob sich dadurch etwas ausdrückte, das sie anders nicht ausdrücken konnten und wollten. essen muss natürlich nicht so bedeutungsschwanger sein. doch jeder mensch erinnert sich gut daran, wenn er einmal hungern musste. es wird ihm schwer fallen, später nicht immer reichlich nahrung zuhause zu haben, damit nie wieder hunger sein leben bestimmt.

in der eigenen biografie wäre zum beispiel ein kapitel über die kulinarische biografie interessant. oder für jeden lebensabschnitt wird beim biografischen schreiben ein zeittypisches rezept eingefügt, ein gericht, das man in dieser zeit bevorzugte. man kann einen blick auf die zutaten werfen, die einem am besten schmecken. man kann sich die geschichte der familiengerichte bei feierlichkeiten anschauen (jede familie hat ihre eigenen traditionen) oder auch auflisten, welche nahrungsmittel einem so gar nicht schmeckten.
letztendlich kann man dem motto „zeig mir was du isst und ich sag dir wer du bist“ folgen 😉

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