web 2.0 und gier

nicht ohne grund wird inzwischen von internet“sucht“ geschrieben und geredet. es gibt userInnen, die das surfen im web nicht mehr beenden können. sie legen ein ähnliches verhalten wie ein süchtiger an den tag. ohne den täglichen, vielleicht sogar stündlichen blick ins mailkonto und ins netz werden sie unruhig. wenn sie sich dann in die virtuelle welt begeben, dann gibt es kein stoppen. stunden später fühlen sie sich angespannt und erschöpft. und wenn sie ihren besuch im netz beenden haben sie eher ein gefühl von leere und befriedigung stellt sich nicht ein.

die schwierigkeiten mit dem surfen verstärkten sich sicherlich noch durch das web 2.0, da die bedienung eine viel einfachere wurde und gleichzeitig angebot und auswahl nochmals enorm angewachsen sind. das internet ist inzwischen so unübersichtlich, dass selbst suchmaschinen schwer eine ordnung schaffen können. in gierigen momenten verfestigt sich beim surfen der gedanke, dass man nur weiter schauen muss, um die perfekte seite, die absolut richtige information oder das ultimative angebot findet. das internet wird auch exakt so beworben: wenn man sich nur darauf einlässt, dann findet man alle antworten, die man benötigt im netz.

das ist ein trugschluss, denn es würde bedeuten, dass das internet auf jedes subjektive bedürfnis eine antwort hat und dieses befriedigen kann. wir bewegen uns aber in einer virtuellen welt. und virtuell bedeutet auch, dass uns etwas vorgegaukelt wird, das nicht ausschließlich real ist. „second life“ war ein gutes beispiel dafür, wie man in fantasiewelten abtauchen kann. dagegen spricht überhaupt nichts. bei jeder fantasiegeschichte tauchen die leserInnen in die irreale welt ab. das kann erholung sein.

doch heute verschränkt sich das web 2.0 so sehr mit unserer realen welt, dass es schwer wird, die trennung zwischen fantasie und gegenwart klar zu ziehen. also kann es passieren, dass man glaubt, was da auf dem bildschirm steht. und so macht man das gesehene und gelesene zur grundlage des eigenen verhaltens. parallel suggeriert das netz, dass es immer eine noch bessere lösung für die eigene fragestellung oder suche geben kann. dies lässt schwer zur ruhe kommen. man geht davon aus, man müsse nur lang genug weitersuchen.

und hier kommt die gier ins spiel. die gier, das eigene leben, die eigenen handlungen und die eigenen bedürfnisse, wie auch deren befriedigung, voll unter kontrolle zu haben. doch das geht nicht, entspricht nicht dem alltag. man muss seine bedürfnisse immer mit den anforderungen von außen abwägen. im internet und web 2.0 muss man das nicht mehr. man muss nur klicken. das web 2.0 füttert unsere gier, in sekundenschnelle alles zu erreichen, was man benötigt. hier hilft nur kritische distanz.

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