biografisches schreiben und liebe (2)

vor beinahe drei jahren habe ich schon einmal über das biografische schreiben und die liebe geschrieben. dabei lag der schwerpunkt auf der außensicht, also, an wen richtete sich meine liebe und wie wirkte dies auf mich. dieses mal möchte ich den blick noch stärker nach innen richten. es gibt die aussage „nur wer sich selbst liebt, kann auch andere lieben“. ein hoher anspruch, doch wie immer bei verallgemeinernden aussagen zu gefühlswelten, steckt ein körnchen wahrheit drin.

vielen menschen ist es unangenehm oder unmöglich, sich selbst gegenüber positive gefühle zu haben. man ist eher bereit kritiken und negative ereignisse ernst zu nehmen, als die positiven rückmeldungen, die einem von anderen gegeben werden. es fällt leichter anderen positive gefühle entgegen zu bringen, als sich selber. zu oft wird nach fehlern bei einem selber gesucht, als nach stärken oder positiven eigenschaften.

sicherlich gibt es die selbstüberschätzung, die sich in größenwahnsinnigen haltungen äußert. da treten menschen mit der haltung nach außen, sie wären so außergewöhnlich, dass ihnen niemand das wasser reichen kann. dies stösst der umwelt unangenehm auf. und kaum lernt man diese menschen kennen, stellt sich heraus, dass sie meist ganz „normale“ lebensgeschichten hinter sich haben, dass sie in der selbsteinschätzung übertreiben.

doch es gibt haltungen abseits der extreme, die dem menschen einfach nur gut tun können. zu viele glauben, sie wären gleich größenwahnsinnig, wenn sie nur mal formulieren, dass sie sich selbst mögen, dass sie gut finden, was sie getan haben, dass sie ein gefallen an dem umgang mit sich selber haben. auch hier muss ich natürlich mit den verallgemeinerungen vorsichtig sein, doch unsere gesellschaft lebt von der auffassung, dass bei positiven haltungen und leistungen immer noch ein bisschen mehr geht. man kann noch besser, noch perfekter, noch umgänglicher werden.

diese haltung hat zur folge, dass liebe sich selbst gegenüber so verpönt ist, bedeutet sie doch, dass man am status quo nicht viel ändern möchte, dass man mit dem vorhandenen zufrieden ist, es sogar gut findet. das kann schnell kritiker und neider auf den plan rufen, die dieses ruhen in sich selbst schwer ertragen. es ist nicht schwer, bei anderen nach fehlern zu suchen, jeder mensch hat in den augen anderer welche. das biografische schreiben sollte nicht nur dazu dienen eigene fehler und fehlentscheidungen aufzulisten, einen kassensturz zu machen. das biografische schreiben sollte auch dazu dienen, sich selbst mehr anzunähern, sich für seine eigenen entscheidungen und handlungen zu mögen.

es geht nicht darum, die lebensgeschichte schön zu schreiben, es geht nur darum, einmal einen anderen blickwinkel einzunehmen. man stelle sich die frage: in welchen momenten mochte oder mag man sich? wann bekommt man von anderen positve reaktionen? und vor allen dingen, wie ernst nimmt man die anderen menschen, die einem positive gefühle entgegen bringen. denn sie machen meist keinen spaß.

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