schreibpädagogik und liebe

so, wie menschliche beziehungen in der literatur und im kreativen schreiben eine große rolle spielen, so spielen sie natürlich auch im realen leben und damit auch in schreibgruppen eine große rolle. man mag darüber streiten, ob die auseinandersetzungen um beziehungen nicht überbewertet werden, aber sie finden statt.

ganz schlicht beginnt es bei den gruppendynamiken oft mit der bildung von klein- und untergruppen. menschen, die sich sympathisch scheinen, gruppieren sich umeinander, übernehmen gern gemeinsam aufgaben und lernen sich langsam kennen. natürlich bieten schreibgruppen einen zusätzlichen zugang: wenn menschen gemeinsam texte schreiben und diese sich gegenseitig vorstellen, geben sie eine ganze menge von sich preis, meist mehr als zum beispiel in einem sportverein.

das ist weder gut noch schlecht, es macht wahrscheinlich nur spaß, sich intensiv auszutauschen. doch diese teilhabe an den gedanken der anderen kann schnell sympathie verstärken oder auch ablehnung steigern. da ist es nicht verwunderlich, dass in kreativen zusammenhängen die gruppendynamiken teils eine verstärktere form annehmen. da ist es auch nicht verwunderlich, dass liebevolle gefühle raum finden und sich teilnehmerInnen ineinander verlieben können.

wenn dann noch geschichten über beziehungen geschrieben werden, dann kommt es beinahe schon gruppenabenden gleich, an denen „therapy“ oder „wahrheit oder pflicht“ gespielt werden. auch gruppenleitungen sind nicht gefeit davor, dass sie angeschwärmt werden oder selber gefallen an teilnehmerInnen finden. und doch sollte es die gruppenleitung sein, die während der gruppentreffen, diesen regungen nicht nachgibt und sich von den dynamiken, so gut es geht, distanziert.

es ist wichtig, einfluss nehmen zu können, wenn die emotionen sich entweder zu sehr steigern oder vehement aufeinander prallen. das ist alles sehr menschlich und mit keinem negativen moment behaftet, doch es kann gruppen in auseinandersetzungen steuern, die sich verselbstständigen können. hier ist es lohnenswert, wenn jemand steuernd eingreifen kann, bevor situationen eskalieren.

mehr sollte man als gruppenleitung aber auch nicht machen. warum sollen sich nicht teilnehmerInnen kennen und lieben lernen? warum sollen sich nicht kleingruppen bilden, die sich gut verstehen. die größte sorge vieler pädagogInnen ist es häufig, dass diese gruppen zu selbstständig werden und den rest blockieren oder angreifen. doch meist möchten die menschen nur ihren gefühlen folgen und sich in einem umfeld bewegen, das sich gut für sie anfühlt. man möge es zulassen, denn es ist auch vorteilhaft, wenn sich alle teilnehmerInnen sehr wohl fühlen.

wahrscheinlich muss man sich weniger gedanken wegen der liebe und der zuneigung in gruppen machen, denn sorgen über ausgeprägte konkurrenzverhältnisse, die ganze gruppen sprengen können.

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