schreibberatung und schuld

die suche nach den schuldigen, weshalb man nicht zum schreiben einer abschlussarbeit kommt, ist in der schreibberatung ein recht sinnloses unterfangen. denn es gibt nur zwei möglichkeiten: zum einen sind es die widrigen äußeren umstände, die verhindern, dass man sich an die schreibarbeit setzt. zum anderen ist man selber schuld, dass man es nicht schafft, seine arbeit zu vollenden. so jedenfalls sind in den häufigsten fällen die argumentationen.

doch leider bringen die schuldzuweisungen keinen schritt weiter. im ersten fall müsste man die welt verändern können, um bessere bedingungen zu schaffen. im zweiten falle müsste man sich selber von grund auf verändern, was aber schwer wird, da man mit konstantem schlechten gewissen, an allem selber schuld zu sein, durch die welt läuft. aufgabe der schreibberatung ist es in diesem fall, den blickwinkel erst einmal zu verändern. wenn man von dem gedanken ausgeht, dass schuldzuweisungen nicht hilfreich sind, dann kann man sich der frage nach den gründen für die schreibschwierigkeiten zuwenden. gründe kann es viele geben: persönliche oder von äußeren bedingungen abhängige.

es geht darum, durch veränderung der bedingungen, auch die möglichkeit in einen schreibfluss zu kommen, zu erhöhen. so kann ich mir zum beispiel einen ruhigeren arbeitsplatz suchen oder das telefon ausschalten, wenn ich immer wieder abgelenkt werde. oder ich führe mich vor augen, dass meine eigenen ansprüche, sofort einen perfekten text verfassen zu müssen, mich daran hindern, überhaupt mit dem schreiben anzufangen. in der schreibberatung müssen also zuerst die gründe für die schreibkrise aufgeschlüsselt werden, um handlungsmöglichkeiten finden zu können.

die veränderung von äußeren bedingungen fällt meist etliches leichter, als die veränderung der eigenen haltung gegenüber dem schreiben. nehmen ratsuchende eine schreibberatung war, die von anfang an schuldzuweisungen formulieren, kann man zumindest feststellen, dass der blickwinkel der erste hinderungsgrund ist, in den schreibfluss zu kommen. denn die formulierung von schuld und die suche nach verantwortung lenkt von möglichen strategien ab. hinter der frage nach schuld, steckt der (meist unbewusste) versuch, zu glauben, der einzige mensch zu sein, der an der schreibaufgabe scheitert. man blendet aus, dass dies jedem menschen passieren kann.

gründe, sich selbst die schuld zu zu weisen, gibt es so viele wie menschen. hier bietet die schreibberatung eine wunderbare voraussetzung, auf individuelle und subjektive situationen einzugehen. und in der folge, individuelle strategien und handlungsmöglichkeiten gemeinsam im gespräch zu entwickeln.

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