Tagesarchiv: 2. Mai 2011

wortklauberei (69)

„warnschussarrest“

was für eine pädagogik soll hier nur verankert werden? das einsperren als pädagogische maßnahme, junge menschen von folgenden straftaten abzubringen. nun, es geht in diesem zusammenhang meist um junge männer, die die meisten täter und die meisten opfer zählen. warum wird ein junger mann zum täter? diese frage stellt sich kaum mehr jemand. es wird immer wieder gefragt, wie man die welt sicherer bekommen könne.

es ist davon auszugehen, dass junge männer als kinder nicht das ziel haben, später verletze ich mal jemanden, von beruf werde ich straftäter. jedes kind träumt von anderen positionen in der erwachsenenwelt. es muss also etliches geschehen sein, damit man die vorstellung von gerechtigkeit und angemessenen reaktionen verloren hat. dies hat viel mit dem umfeld (meist der familie, aber auch der schule und den freunden) zu tun. doch das interessiert nicht mehr.

da man die jugendlichen eigentlich nicht in den knast stecken kann, da sie bewährung erhalten haben, möchte man ihnen eine portion „schnupperknast“, also warnschussarrest verabreichen. dies soll zu einem lernprozess führen. jemanden seiner freiheit zu berauben ist erst einmal staatliche gewalt. und dies bei jugendlichen, die mit großer wahrscheinlichkeit schon etliche gewalt in ihrem leben erlebt haben? wieso schreit hier niemand auf? weil unsere gesellschaft immer stärker junge menschen, wie erwachsene behandelt. ob in der werbung, in den medien oder eben in der bestrafung.

man lässt es noch ein wenig dezenter klingen „warnschussarrest“, das klingt wie „hausarrest“, auch eine erziehungsmethode, die eigentlich nicht vertrauen schafft, sondern das volle machtpotential erwachsener ausschöpft. ein junger mensch kann sich dagegen nicht wehren. ja, das ist pädagogik und psychologie vom feinsten. wie wäre es, wenn sich die gesellschaft mal fragen würden, warum ihre eigenen kinder immer brutaler werden, obwohl sie doch so schön auf die konkurrenzhafte zukunft gedrillt werden? ach ja, warnschussarrest sollte vielleicht doch bei erwachsenen angewendet werden.

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biografisches schreiben und schuld

die 68er fragten nach der mitschuld ihrer väter und mütter am dritten reich. dieser aspekt wird heute gern vergessen, wenn über die 68er berichtet und diskutiert wird. es war das wissen und die ahnung, dass nicht ganz deutschland nichts gewusst haben konnte von der ermordung der juden. es war eine frage der gesellschaftlichen moral und ethik.

die frage nach der schuld beinhaltet immer auch einen moralischen aspekt. beim blick auf die eigene biografie stellt sich als erstes die frage, in welche lebenssituationen man verstrickt war, die überhaupt eine frage nach der schuld zulässt. denn schuld ist ein urteilender begriff, der die verantwortung an ereignissen zuschreibt. es geht im hintergrund um einen ethischen diskurs. wie man sich zum beispiel fragen kann, wenn man als soldat in den krieg zieht, ob man schuld an der unsinnigen tötung von menschen hat. hätte es nicht alternativen gegeben?

doch der mensch hat heutzutage einen hang, für zu viele dinge im privaten umfeld die verantwortung zu übernehmen, doch für die gesellschaftlichen prozesse möglichst unbeteiligt zu wirken. gut, man kann nicht zeit seines lebens in sack und asche gehen, wenn man sieht, dass der klimawandel vorangetrieben wird, die reichtümer ungerecht verteilt sind und kriege nicht verhindert werden. und doch, trägt man eine mitverantwortung, wenn man die eigene beteiligung als schweigender bürger leugnet.

auch dieser weit greifende blick im biografischen schreiben kann die eigene haltung zum geschehen offenbaren. jedoch kann im näheren lebensumfeld viel genauer betrachten, wo man das gefühl hat, sich schuldig gemacht zu haben. Weiterlesen