Tagesarchiv: 3. Mai 2011

schreibidee (254)

wie das vorherige post aufzeigt, bietet das kreative schreiben manchmal ein klares bild von schuld und verantwortung. in der realität sieht dies anders aus. die schreibanregung wendet sich eher der realität zu, ohne dabei den kreativen spielraum zu verlassen. es soll ein persönliches „schuldbekenntnis“ verfasst werden. da dies ein schwieriges feld ist, wenn es biografisch wird, werden dieses mal kaum texte in der schreibgruppe vorgetragen.

aber der einstieg ist erst einmal ein distanzierter. wer sind die heutigen bösen auf der welt? wer hat schuld an negativen entwicklungen für die menschheit und die gesellschaft. die schreibgruppenteilnehmerInnen sind aufgefordert, den blickwinkel zu vereinfachen und schuldzuweisungen zu verfassen. alle teilnehmerInnen formulieren drei schuldzuweisungen von je einer seite. wie diese verfasst werden bleibt den schreibenden überlassen. anschließend werden die texte vorgetragen.

anschließend wird es persönlicher. wem in seinem persönlichen umfeld gibt man die schuld an negativen entwicklungen. als erstes ist eine liste von fünf personen zu erstellen. dann wählt man eine person aus, der man schon immer mal mitteilen wollte, wie fürchterlich man ihr verhalten fand. man verfasst eine maximal zwei seiten lange schuldzuweisung. dieser text wird nicht vorgetragen.

nun geht es um einen selber. für welche unangenehme sache gibt man sich selber die schuld? hier kann eine liste mit drei ereignissen oder situationen von den schreibgruppenteilnehmerInnen verfasst werden. auch aus dieser liste greift man sich ein ereignis heraus und beschreibt es in einem längeren text. am ende des textes soll ein schuldbekenntnis stehen. es soll keine entschuldigung werden. entschuldigungstexte waren hier schon einmal eine schreibidee. es wird nur eine benennung der tatsachen. der text wird nicht vorgetragen.

zum abschluss wird eine geschichte geschrieben, wie sich die situation entwickelt hätte, wenn man sich anders verhalten hätte. was wäre dabei herausgekommen. es kann natürlich sein, dass sich alles noch viel schlimmer entwickelt, als es in der realität war. es kann aber auch sein, dass es ein positive wendung zu einem happy end gibt. bei dieser schreibanregung darf ruhig in die kreative kiste gegriffen werden und die welt „schön“geschrieben werden. vielleicht kann man sich so zum abschluss mit der eigenen schuld versöhnen.

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kreatives schreiben und schuld

in der kreativen welt ist es viel leichter schwarz und weiß, gut und böse aufleben zu lassen. in der realen tauchen viel mehr grautöne auf, die zu berücksichtigen sind. doch die fantasie lässt es zu, dass in märchen monster und hexen auftauchen, dass in fabeln ein tier das andere frisst, dass in krimis der mörder vom guten kommissar gejagt wird. es ist kein „muss“, aber das kreative schreiben ermöglicht es, die welt zu vereinfachen, um eine botschaft zu vermitteln.

eine einfachere welt unterhält manchmal besser als die darstellung der komplikationen, der unklarheiten, der großen auswahl und der entscheidungsunsicherheit. das happy end lebt davon, dass die welt schlicht ist. man kann hier vielleicht den unterschied zu großer literatur finden. diese versucht die kompliziertheit der welt in worte zu fassen. gut, auch dies ist zu pauschal, aber warum nicht im blog zu kreativem schreiben auch mal vereinfachen. denn dadurch bekommt man einen anhaltspunkt davon, was kreatives schreiben bietet: die möglichkeit schuld aus den verstrickungen zu schälen und klar zu benennen.

man sollte sich davor hüten, wenn es kein biografischer oder historischer text ist, realen personen in kreativen texten die schuld zu geben. aber man kann metaphern, bilder und protagonisten finden, die eine übersetzung von schuldzuschreibungen zulassen. diese form des schreibens kann zum einen viel spaß machen, da man sowohl bei bös-, als auch bei gutartigkeiten in die vollen gehen kann. Weiterlesen