kreatives schreiben und schuld

in der kreativen welt ist es viel leichter schwarz und weiß, gut und böse aufleben zu lassen. in der realen tauchen viel mehr grautöne auf, die zu berücksichtigen sind. doch die fantasie lässt es zu, dass in märchen monster und hexen auftauchen, dass in fabeln ein tier das andere frisst, dass in krimis der mörder vom guten kommissar gejagt wird. es ist kein „muss“, aber das kreative schreiben ermöglicht es, die welt zu vereinfachen, um eine botschaft zu vermitteln.

eine einfachere welt unterhält manchmal besser als die darstellung der komplikationen, der unklarheiten, der großen auswahl und der entscheidungsunsicherheit. das happy end lebt davon, dass die welt schlicht ist. man kann hier vielleicht den unterschied zu großer literatur finden. diese versucht die kompliziertheit der welt in worte zu fassen. gut, auch dies ist zu pauschal, aber warum nicht im blog zu kreativem schreiben auch mal vereinfachen. denn dadurch bekommt man einen anhaltspunkt davon, was kreatives schreiben bietet: die möglichkeit schuld aus den verstrickungen zu schälen und klar zu benennen.

man sollte sich davor hüten, wenn es kein biografischer oder historischer text ist, realen personen in kreativen texten die schuld zu geben. aber man kann metaphern, bilder und protagonisten finden, die eine übersetzung von schuldzuschreibungen zulassen. diese form des schreibens kann zum einen viel spaß machen, da man sowohl bei bös-, als auch bei gutartigkeiten in die vollen gehen kann. idealisierungen sind möglich, helden werden geboren. aber es kann auch spaß machen, da sich entlastende texte verfassen lassen, die all die wut, die in einem schlummern mag, gebündelt werden kann.

hier darf man menschen an den kopf werfen, wie ätzend und fürchterlich sie sind. hier kann man den held die welt retten lassen. wichtig bleibt es, diese geschichten nicht mit der realtität zu verwechseln. es ist verführerisch büchern, filmen und dem fernsehen zu glauben, wenn alles so einfach und klar erscheint, wie der mensch tickt. nein, der mensch ist komplizierter und vielfältiger als mediale erscheinungsformen uns dies nahelegen wollen. der effekt besteht nicht selten darin, dass schuldzuweisungen in die realität schwappen, die andere bloßstellen, kriminalisieren oder diskriminieren.

auch dieser entwicklung kann das kreative schreiben etwas entgegensetzen. erst wir ein schwarzweiß-bild gemalt, wird die schuld den bösen zugewiesen, und zum schluss verstört man das klare bild durch ein kleines detail, das wie ein stachel im fleisch sitzt. plötzlich ist die welt nicht mehr so einfach, schlagartig wendet sich das bild von gut und böse. ab diesem moment wird es richtig spannend.

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