Tagesarchiv: 7. Mai 2011

wortklauberei (70)

„mozarella in „herzli“-form zum muttertag“

gelinde geschrieben, das ist käse. das ist irgendwie ein mix aus frischkäse und echtem käse. bitteschön, welche mutter möchte zum muttertag „mozarella in „herzli“-form„? ach ja, ich vergaß, liebe geht ja durch den magen. dann ist es natürlich romantisch, wenn man käse in herzli-form, tomaten in „scheibli“-form und basilikum in „blättli“-form verspeisen kann, dann noch olivenölchen in „tröpfli“-form drüber, leckerli. ach mutti, du bist doch die beste.

jedenfalls trällerte der hinweis auf den zuneigungs-mozarella in den letzten tagen immer wieder als werbetrailer einer öko-ladenkette aus dem radio. so gut die produkte geschmacklich und qualitätsmäßig sein mögen, die öko-läden und -produzenten rutschen bei ihrer wortwahl jedesmal daneben. wem ist nur diese gruselige verkleinerungsform eingefallen? und warum wirkt die werbung bei den ökos immer so altbacken, ja spaßfrei? und ist der muttertag nicht ein sehr umstrittener feiertag (so aus der gesellschaftskritischen ecke kommend)?

fragen über fragen, die einem wahrscheinlich niemand beantworten kann. sollte dieses marketing aber funktionieren, dann ist an alternativer lebensweise und der daraus resultierenden kundschaft doch zu zweifeln. oder man muss konstatieren, die alternative lebensweise ist in der mitte der gesellschaft angekommen. denn da gibt es schon länger zuckerschiffchen für den kaffee, bärli-wurst und marshmellows als osterhasen.

fantasieanregend ist diese werbung auf alle fälle, mir fallen dermaßen viele produkte ein: das spanferkli mit ofenkartöffelchen und kräuterliquärkli dazu. oder die prinzessböhnchen mit möhrchen an schweinelendchen im einem leckeren sößli. ach komm, lasst uns doch zum muttertag ins restaurantli gehen für eine gourmetli-mittagsesserchen 😛 .

schnickschnack (90)

das f***-wort ist inzwischen gebräuchlicher als noch vor jahrzehnten, ja es hat etwas freundliches, beinahe umgangssprachlich kuscheliges erhalten. manchen deutschen deftigen dialekten ist das nicht fremd. hier werden ausdrücke, die in anderen regionen beleidigungen darstellen, als freundschaftsbeweise und sprachliche zuneigung ausgeteilt.

ähnlich zu verstehen ist die website „fuck you very much“ aus dänemark. sie geht eine wunderbare verbindung aus diashow und gaaaanz knapper selbstdarstellung in ein paar worten ein. jeden tag kommen neue bilder und neue anmerkungen hinzu. die bilder sind fundstücke aus dem internet, die kommentare sind von zwei schreibenden verfasst.

wenn man dieses digitale bilderbuch aufschlägt, dann findet man wahrscheinlich sehr schnell ein gefallen daran, immer weiter zu blättern, sich eigene kommentare zu den bildern zu überlegen und einfach die schreibenden stück für stück kennenzulernen. wie weit die durchschimmernden haltungen der beiden veröffentlichenden nur virtuelle fantasie sind oder realität, das lässt sich nicht sagen, spielt aber auch keine rolle.

die seite ist vor allen dingen eine anregung. eine anregung zum bildersammeln, eine anregung sich selber mit ein paar worten und vielen bildern darzustellen. oder eine anregung, zu einzelnen bildern ganz eigene geschichten zu erfinden und zu schreiben. einfach mal vorbeischauen bei http://fuckyouverymuch.dk/ .

schreibberatung und freude

eigentlich scheint freude in der schreibberatung unvorstellbar, dreht sich doch alles um schreibkrisen, schreibprobleme oder schreibblockaden. jemand begibt sich erst dann in beratung, wenn die zuspitzung der schwierigkeiten so groß ist, dass man selbst keine lösungsmöglichkeiten mehr sieht. in diesen momenten wird freude kaum raum finden.

aber es begeben sich vor allen dingen auch menschen in eine schreibberatung, die der meinung sind, sie könnten generell nicht schreiben, ja sie wären nicht kreativ, weshalb sie auch in die ausweglose situation geraten seien. viele vertrauen nicht darauf, dass auch sie „kreatives“ schreiben lernen können, dass auch sie aus ihrer fantasie schöpfen können.

um so erstaunter erleben dann etliche den (schreib)prozess, den sie durchmachen. sie kommen an den punkt, eigene kreative texte zu verfassen, ja sie schöpfen fantasievolles, geschriebenes. an diesem punkt kommt freude auf. allein das gefühl, etwas vollständig neues verfasst und geschaffen zu haben, hinterlässt einen selber mit einer mischung aus freude und stolz. auch wenn man sich nicht in schreibkrisen befindet, kann sich diese freude einstellen.

doch in der schreibberatung kommt der freude über selbstgeschriebene texte eine weitere funktion zu: es motivierte zu weiteren „taten“, zu weiteren schreibversuchen. dieser prozess ähnelt ein wenig der zahnpasta-werbung „mutti, mutti, er hat gar nicht gebohrt“. festzustellen, dass schreiben keine angeborene fähigkeit ist, sondern von jedem erlernt werden kann, eröffnet den ratsuchenden ganz neue möglichkeiten. Weiterlesen