schreibberatung und freude

eigentlich scheint freude in der schreibberatung unvorstellbar, dreht sich doch alles um schreibkrisen, schreibprobleme oder schreibblockaden. jemand begibt sich erst dann in beratung, wenn die zuspitzung der schwierigkeiten so groß ist, dass man selbst keine lösungsmöglichkeiten mehr sieht. in diesen momenten wird freude kaum raum finden.

aber es begeben sich vor allen dingen auch menschen in eine schreibberatung, die der meinung sind, sie könnten generell nicht schreiben, ja sie wären nicht kreativ, weshalb sie auch in die ausweglose situation geraten seien. viele vertrauen nicht darauf, dass auch sie „kreatives“ schreiben lernen können, dass auch sie aus ihrer fantasie schöpfen können.

um so erstaunter erleben dann etliche den (schreib)prozess, den sie durchmachen. sie kommen an den punkt, eigene kreative texte zu verfassen, ja sie schöpfen fantasievolles, geschriebenes. an diesem punkt kommt freude auf. allein das gefühl, etwas vollständig neues verfasst und geschaffen zu haben, hinterlässt einen selber mit einer mischung aus freude und stolz. auch wenn man sich nicht in schreibkrisen befindet, kann sich diese freude einstellen.

doch in der schreibberatung kommt der freude über selbstgeschriebene texte eine weitere funktion zu: es motivierte zu weiteren „taten“, zu weiteren schreibversuchen. dieser prozess ähnelt ein wenig der zahnpasta-werbung „mutti, mutti, er hat gar nicht gebohrt“. festzustellen, dass schreiben keine angeborene fähigkeit ist, sondern von jedem erlernt werden kann, eröffnet den ratsuchenden ganz neue möglichkeiten. und wenn der schreibprozess auch mit einem gefühl von freude abgeschlossen wird, dann ist der wunsch der wiederholung um so größer.

natürlich kann man trotzdem für sich die entscheidung treffen, dass (kreativ oder biografisch) schreiben nicht das ist, was man in zukunft häufig ausüben möchte. es gibt keinen bekehrungszwang. in der schreibberatung wird nur die einladung ausgesprochen, am schreiben freude zu finden. das beherrschen einer zusätzlichen kommunikationstechnik kann von vorteil sein. und zumindest notwendige schreibaufgaben können entspannter angegangen werden, auch wenn man das eigene schreiben nicht ausbaut.

da darf man dann auch einmal stolz auf sich selbst sein und freude empfinden, natürlich auch während der beratung. hier ist es nur wichtig, die freude nicht gleich wieder durch kritik oder selbstkritik unterzubuttern, sondern auszukosten.

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